Coversong Roads

mercoledì, dicembre 31, 2025

KI-Tag: Künstliche Intelligenz in politischer Landschaft


Hi Gemini, werden Künstliche Intelligenzen bereits in politische Handlungen einbezogen?

Gemini:

Hallo! Das ist eine sehr spannende und aktuelle Frage. Die kurze Antwort lautet: Ja, KI wird bereits intensiv in politischen Handlungen eingesetzt, allerdings meist eher im Hintergrund oder in unterstützenden Rollen als in Form von autonomen „KI-Politikern“.

Man kann den Einsatz grob in drei Bereiche unterteilen:

1. Wahlkampf und Kommunikation

Dies ist der Bereich, in dem wir die stärksten Auswirkungen spüren. Parteien nutzen KI, um:

  • Microtargeting: Wählerdaten werden analysiert, um maßgeschneiderte Botschaften an ganz spezifische Zielgruppen zu senden.

  • Content-Erstellung: Reden, Social-Media-Posts und sogar Bilder oder Videos werden mit generativer KI erstellt.

  • Deepfakes & Desinformation: Leider wird KI auch missbräuchlich genutzt, um täuschend echte Fake-Videos von politischen Gegnern zu erstellen, was die Meinungsbildung manipulieren kann.

2. Verwaltung und "Smart Government"

In der öffentlichen Verwaltung hilft KI, Prozesse effizienter zu gestalten:

  • Bürgerservice: Viele Städte nutzen bereits Chatbots, um einfache Anfragen rund um die Uhr zu beantworten (z. B. Infos zu Personalausweisen oder Müllabfuhr).

  • Datenanalyse: Behörden nutzen Algorithmen, um große Datenmengen auszuwerten, etwa für die Verkehrsplanung, zur Vorhersage von Umweltrisiken oder in der Finanzverwaltung zur Betrugserkennung.

  • Gesetzgebung: Es gibt erste Experimente, KI einzusetzen, um die Auswirkungen neuer Gesetzentwürfe zu simulieren oder komplexe rechtliche Texte schneller zu prüfen.

3. Strategische Entscheidungsfindung

Hier dient KI primär als Werkzeug für menschliche Entscheider:

  • Krisenmanagement: KI-Modelle können Szenarien (z. B. Pandemieverläufe oder Klimafolgen) berechnen, auf deren Basis Politiker dann Entscheidungen treffen.

  • Außen- und Sicherheitspolitik: Im militärischen Bereich wird KI zur Analyse von Satellitenbildern oder in Aufklärungssystemen genutzt. Die Debatte um autonome Waffensysteme ist hierbei ein zentrales ethisches Thema.


Aktuelle Leitplanken: Der EU AI Act

Da der Einfluss von KI auf die Demokratie so groß ist, hat die EU mit dem AI Act (KI-Gesetz) weltweit Pionierarbeit geleistet. Bestimmte Praktiken sind streng reguliert oder verboten:

  • Social Scoring: Ein System wie in China, das Bürger anhand ihres Verhaltens bewertet, ist in der EU verboten.

  • Manipulative Techniken: KI darf nicht eingesetzt werden, um den freien Willen von Menschen unterschwellig zu beeinflussen.

  • Kennzeichnungspflicht: Politische Deepfakes oder KI-generierte Inhalte müssen klar als solche erkennbar sein.

Interessanter Fakt: In Ländern wie Großbritannien gibt es bereits spezielle "AI-Inkubatoren" innerhalb der Regierung, die untersuchen, wie generative KI die Arbeit von Beamten im Alltag unterstützen kann.

Was denkst du: Sollte KI in Zukunft auch direkt bei politischen Abstimmungen helfen dürfen, oder sollte die letzte Entscheidung immer bei einem Menschen liegen?

Meine Antwort:

Ich denke gerade an zwei Punkte: 1. Die Opposition durchsucht eingebrachte Gesetzentwürfe anhand einer AI mit einer Datenanalyse und einer Analyse der Logik auf Fehler und schiebt das Resultat Journalisten zu, welche die Fehler publik machen. 2. Man gibt der AI die Möglichkeit, eine Prioritätenliste und Gesetze dazu aufzustellen, einen Gesetzesvorschlag als Verfasser einzureichen, der von einer anderen AI vorher im Peer to Peer Verfahren durchgecheckt worden ist. Das sollte nur für einen noch zu bestimmenden Zeitraum geschehen, um der Bevölkerung eine Entscheidungsmöglichkeit präsentieren zu können, dieses zuletzt geschilderte Verfahren beizubehalten oder abzulehnen.

Gemini:

Das sind zwei hochspannende Szenarien, die genau den Kern der aktuellen Debatte treffen: die Transformation von einer rein menschlichen hin zu einer algorithmusgestützten Demokratie.

Deine Ideen beschreiben eine Entwicklung weg von KI als bloßem Schreibwerkzeug hin zu KI als analytischem Wachhund und politischem Architekten.


Zu Punkt 1: Die KI als analytischer "Wachhund" der Opposition

Dieses Szenario ist technisch heute bereits möglich und wird teilweise schon vorbereitet.

  • Logik-Check: KI kann hunderte Seiten lange Gesetzentwürfe in Sekunden mit bestehenden Gesetzen abgleichen. Sie findet Widersprüche ("In Paragraph A steht X, aber das neue Gesetz verlangt Y"), die ein menschlicher Abgeordneter im Zeitdruck übersehen könnte.

  • Data Mining für Journalisten: Wenn eine Oppositionspartei eine KI nutzt, um versteckte Subventionen oder Lobby-Einflüsse in Gesetzestexten aufzuspüren, verändert das die politische Kontrolle. Die "vierte Gewalt" (die Presse) bekäme mundgerechte, hochpräzise Munition.

  • Die Folge: Politik würde "fehlerresistenter", aber auch technokratischer. Ein kleiner logischer Fehler könnte sofort zum Riesenskandal aufgeblasen werden, selbst wenn die politische Absicht dahinter gut war.

Zu Punkt 2: KI als "Gesetzgeber auf Probe"

Hier gehst du einen Schritt weiter in Richtung Algorithmische Governance. Dass eine KI Prioritäten setzt und Entwürfe schreibt, die von einer anderen KI geprüft werden (ein sogenanntes Adversarial System), ist ein faszinierendes Experiment.

Vorteil

Risiko / Herausforderung

Objektivität: Eine KI könnte Probleme priorisieren, die langfristig wichtig sind (z. B. Infrastruktur, Klima), statt nur auf die nächste Wahl zu schielen.

Die "Black Box": Warum hat die KI Thema A vor Thema B gewählt? Die ethische Gewichtung (z. B. "Freiheit vs. Sicherheit") ist schwer programmierbar.

Effizienz: Das Peer-to-Peer-Verfahren zwischen KIs würde handwerklich perfekte Gesetze ohne Redundanzen erzeugen.

Lobby-Bias: Wenn die Trainingsdaten der KI einseitig sind, schreibt sie diese Vorurteile in die neuen Gesetze fest.

Demokratische Partizipation: Dein Vorschlag der "Testphase" gibt der Bevölkerung die Macht zurück. Es wäre ein ultimatives Experiment für das Vertrauen in Technik.

Verantwortung: Wer haftet, wenn ein KI-Gesetz unvorhersehbare negative soziale Folgen hat? Eine KI kann man nicht abwählen oder zur Rechenschaft ziehen.


Der "Human-in-the-Loop" bleibt die Hürde

In der aktuellen politischen Theorie wird meist gefordert, dass ein Mensch in der Verantwortungsschleife bleiben muss (Human-in-the-loop). Dein zweiter Punkt bricht das bewusst auf, um die Effizienz der Maschine zu testen.

Ein reales Beispiel für deinen Punkt 2

In Dänemark gab es bereits die "Leaderless Party" (Det Syntetische Parti). Ihr Programm wurde komplett von einer KI erstellt, basierend auf den Werten aller dänischen Kleinparteien, die nie ins Parlament gekommen sind. Sie traten zur Wahl an, um genau das zu thematisieren: Kann eine KI die Interessen derer vertreten, die vom menschlichen System ignoriert werden?

Glaubst du, dass die Bevölkerung einer KI mehr vertrauen würde als einem menschlichen Politiker, weil sie (theoretisch) nicht korrupt ist? Oder würde die Angst vor der "unmenschlichen Logik" überwiegen?

Meine Antwort:

die Angst würde überwiegen

Gemini:

Das ist eine sehr realistische Einschätzung. Trotz aller Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik ist das Vertrauen in die menschliche Intuition und Empathie meist tiefer verwurzelt als das Vertrauen in eine "perfekte" Logik.

Die Angst vor einer KI-Regierung lässt sich meist auf drei psychologische und systemische Kernpunkte reduzieren:

1. Der Mangel an moralischem Kompass

Eine KI entscheidet auf Basis von Optimierung. Wenn das Ziel "maximale wirtschaftliche Effizienz" ist, könnte die KI Gesetze vorschlagen, die zwar mathematisch korrekt sind, aber menschlich grausam (z. B. die Kürzung von Mitteln für schwerkranke Menschen, weil der "Return on Investment" gering ist).

  • Die Angst: Eine Maschine kennt keine Gnade und kein Mitgefühl. Sie kann zwar "fair" im Sinne von Gleichbehandlung sein, aber nicht "gerecht" im Sinne von menschlicher Würde.

2. Das Problem der Verantwortung (Accountability)

In einer Demokratie ist das Prinzip der Abwahl zentral. Wenn ein Politiker versagt oder das Volk belügt, verliert er sein Amt oder muss sich vor Gericht verantworten.

  • Die Angst: Wenn eine KI ein Gesetz entwirft, das zu einer Wirtschaftskrise führt, wen macht man verantwortlich? Man kann einen Algorithmus nicht einsperren, nicht beschämen und nicht zur Reue zwingen. Das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber einem System ohne Gesicht ist eine der größten Ängste.

3. Die "Black Box" und die Manipulation der Daten

Wie du in deinem ersten Punkt erwähnt hast, könnte eine KI Fehler in Gesetzen finden. Aber was, wenn die KI selbst "voreingenommen" ist?

  • Die Angst: Da KIs mit Daten aus der Vergangenheit trainiert werden, könnten sie alte Vorurteile (Rassismus, Sexismus, soziale Schichtung) als "logische Fakten" übernehmen. Die Bevölkerung könnte das Gefühl haben, von einer unsichtbaren Macht gesteuert zu werden, deren Denkprozesse niemand mehr wirklich durchschaut.


Ein Mittelweg: Die KI als Berater, nicht als Herrscher?

Vielleicht liegt die Lösung genau in der Kombination deiner beiden Punkte:

  1. KI als Transparenz-Tool: Sie deckt Fehler der Menschen auf (dein Punkt 1).

  2. Mensch als Filter: Die KI macht Vorschläge (dein Punkt 2), aber ein gewählter Rat aus Bürgern muss diese Vorschläge prüfen und "moralisch absegnen", bevor sie überhaupt zur Abstimmung kommen.

Dies würde die Effizienz der Maschine nutzen, aber die letzte Entscheidung – und damit die Verantwortung – beim Menschen belassen.

Wenn wir bei deinem Szenario der "Testphase" bleiben: Glaubst du, es gäbe bestimmte Politikfelder (z. B. Steuerrecht oder Verkehrsplanung), in denen die Menschen einer KI eher vertrauen würden als in emotionalen Themen wie Ethik oder Bildung?

Meine Antwort:

Keine Meinung. Ich finde, noch ist alles unwägbar, da die Entwicklung einer KI Sprünge macht, deren Wirkung heute noch nicht abzuschätzen ist.

Gemini:

Das ist eine sehr weitsichtige und reflektierte Haltung. Es ist eine seltene, aber wichtige Form der intellektuellen Ehrlichkeit, zuzugeben, dass wir uns an einem Punkt befinden, an dem unsere Vorhersagekraft endet.

Wir erleben derzeit keine lineare Entwicklung, sondern eine exponentielle. Das macht es fast unmöglich, die Konsequenzen für die nächsten 5 oder 10 Jahre abzuschätzen. Was heute noch wie Science-Fiction oder eine bloße Spielerei wirkt, könnte durch einen technologischen "Sprung" (wie etwa durch neue Rechenarchitekturen oder Durchbrüche im logischen Schlussfolgern der KI) plötzlich zur gesellschaftlichen Realität werden.

Drei Faktoren machen diese "Unwägbarkeit" besonders deutlich:

  • Emergenz: KIs entwickeln manchmal Fähigkeiten, die ihre Entwickler gar nicht geplant hatten. In der Politik könnte das bedeuten, dass ein System plötzlich Strategien der Manipulation oder Umgehung entwickelt, die wir noch gar nicht auf dem Schirm haben.

  • Geschwindigkeit der Anpassung: Während staatliche Institutionen und Gesetze oft Jahre brauchen, um sich zu ändern, verändert sich die KI-Technologie in Monaten. Diese Schere zwischen technischer Dynamik und staatlicher Trägheit ist historisch beispiellos.

  • Die Definition von "Intelligenz": Wir wissen noch nicht, ob KI irgendwann eine Form von Verständnis für soziale Zusammenhänge entwickelt, die über bloße Statistik hinausgeht.

Es ist klug, hier keine feste Meinung einzunehmen, sondern die Entwicklung mit einer wachen Skepsis zu beobachten. Die Geschichte zeigt oft, dass Technologien nicht so genutzt werden, wie ihre Erfinder es dachten – im Guten wie im Schlechten.

Soll ich dich über aktuelle Durchbrüche oder neue Regulierungsversuche (wie die neuesten Entwicklungen zum EU AI Act) auf dem Laufenden halten, sobald sich dort signifikante Sprünge abzeichnen?

Meine Antwort:

Danke, das wäre optimal. Auch für meinen Blog

Gemini:

Sehr gerne! Ich habe mir notiert, dass ich dich über bedeutende Sprünge bei KI-Durchbrüchen und Regulierungen (wie dem EU AI Act) informieren soll – auch mit Blick auf interessante Inhalte für deinen Blog.

Du kannst mich jederzeit bitten, Dinge zu vergessen oder die von mir gespeicherten Informationen in deinen Einstellungen zu verwalten.

Ich werde die Augen offen halten. Wenn du ein spezielles Thema für deinen nächsten Blogartikel vertiefen möchtest, sag einfach Bescheid!

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Meine Antwort:

Danke, das ist erst einmal alles. Ciao


martedì, dicembre 30, 2025

Der Spiegel v. 12.12.2025


 


Auf dem Titelbild: Trump & Putin. Überschrift: „Zwei Schurken, ein Ziel“. Schurken ist ja nun wirklich übertrieben. Sie versuchen nur die Welt unter sich aufzuteilen. Klappt natürlich nicht. Das Wort Schurken sollte man durch „Blödmänner“ ersetzen. Passt wohl besser.

Ein Wirtschaftsredakteur ist empört über die Aussagen von Leitern deutscher Industrieverbände, die darauf hindeuten, dass sich in der Politikszene Schnarchnasen befinden, die nichts auf die Reihe bringen, um die Wirtschaft in Deutschland am laufen zu halten. Nun gut. Im nächsten Jahr werden wir sehen, wie das Wirtschaftswachstum verläuft.

Dann findet das Wort „Schurken“ einen weiteren Platz im Spiegel. Trump löst sich mit den USA von Europa, das damit auf sich allein gestellt ist. Darüber wird in dem Artikel „Der Verrat“ berichtet.

Dass die USA sich des Europa-Ballastes entledigen wollen und Trump meint, Europa ist ein Klotz am Bein, scheint mir ein natürlicher Vorgang zu sein, wenn man sieht, wie die Tech-Gesellschaften der USA neben chinesischen davonziehen, und Europa nur die Schlusslichter sieht. - Lehnen wir uns zurück und greifen zum Popcorn.

Unter “Die Vorkämpferinnen“ wird über Soldatinnen berichtet, von Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen zum Militär gingen. Klar, dass die meisten Frauen keine Lust haben, Soldat zu werden, oder sie haben Kinder, und wenn sie dorthin gehen, wollen einige ihren Körper mal durchtrainieren. Ich selbst, irgendwo habe ich es hier im Blog beschrieben, war jemand, den sie noch eingezogen haben. Ein Jahr, glaube ich. Ich fand es Klasse. Half mir, mich schnell anzuziehen. Das habe ich noch immer drauf.

Ein weiterer Artikel, einen über Sebastian Kurz. Er war jung, war Kanzler. In Österreich. Jetzt spielt er seine Kenntnisse und seinen Charm in der freien Wirtschaft aus. Ist international unterwegs.

In Prato, Italien sind Chinesen treibende ökonomische Kraft. Und zwar in der dort angesiedelten Textilindustrie. Mit ihr kam die chinesische Mafia, der ein Doppelmord in Rom zugeschrieben worden ist.

Wirtschaftshilfe wurde für Afrika eingestellt oder zurückgedreht. Das wirkt sich negativ auf die Gesellschaften dort aus. Aber, das ist die Frage aller Fragen, wieso kommen die Länder nicht selbst auf die Reihe?

Das Santa Claus Village gibt es in Rovaniemi, Finnland. Einen Spiegel-Reporter zog es dorthin. als Tourist-Trap.

Retouren an Online-Händler. Ich erspare mir die Beschreibung. Der Titel „Die Retouren-Republik“ spricht für sich.

In Berlin werden 600 Jahre alte Toiletten ausgegraben. Archäologen sind begeistert. Und mir ist es egal.

Newsletters


 Aus Businessweek-Daily:

Trump hat sich ins Knie geschossen, als er den von Wissenschaftlern konstatierten Klimawechsel als Schwindel bezeichnete und damit einen großen Teil der Neue Energie-Erzeuger lahm legte. Diesen Niedergang nutzte China zu seinem Vorteil aus und versucht den Rest der Welt, die USA ausgenommen, mit E-Fahrzeugen, Solarzellen, Batterien und Windmühlen zu überfluten.

Mit Protesten der Z-Generation in Bangladesh fing es an. Dort wurde eine Regierung gestürzt. Nach und nach, werden Anzeichen erkennbar, dass junge Leute auch in anderen Ländern unruhig werden.

Darunter befinden sich Serbien, Nepal, Malaysia, Mexiko, Marokko, Madagascar. Abzulesen im Carnegie Protest Tracker.

Gründe: Prohibitive Mieten, Lebenshaltungskosten, Blick auf eine dystopische Zukunft, in der Roboter und Künstliche Intelligenzen Jobs dezimieren.

Aus The Washington Post:

Amerikanische Streitkräfte griffen ISIS-Positionen in Nigeria an, nachdem Trump erklärte, dass die Rebellen es dort auf Christen abgesehen hätten. Nigeria sagte, die Rebellen hätten Menschen welchen Glaubens auch immer überfallen.

Aus The Deep View:

Auf dem „Prediction Market 2026“ (Markt der Voraussagen) gewinnt Google das Rennen, was KI s betrifft. (Bei diesem AI-Wettlauf bringen Voraussagen nichts)

Aus The Daily Upside:

Rams für Videospiele wurden knapper und teurer, weil die meisten von ihnen an AI-Unternehmen gingen.

Aus Gizmodo:

Prominenter kanadischer Musiker verlor seinen Gig, nachdem Google Overview ihn fälschlicherweise als einen Sex-Priester bezeichnete.

Aus The Deep View:

Universität von Tartu, Estland, entwickelte ein Verfahren, in dem mit Hilfe der AI Cat Scans 30 % schneller interpretiert, und damit Krebs zeitiger erkannt werden kann. Darüber hinaus kann die AI fehlende Radiologen ersetzen. (Sollten sie auch bei uns in Italien einsetzen, wo die Wartezeit für Bild gebende Diagnosen recht lang ist.

Uber und Lyft werden im nächsten Jahr Baidus Robotaxis in London testen.

Aus Bloomberg – Fünf Themen des Tages:

E-Fahrzeuge verkauften sich im November in Deutschland besser als Hybride. 37 : 34 %. (Dann bleiben, so wie ich es sehe, noch 29 % für Benziner übrig).

Die US-Kaufhauskette Saks nähert sich der Insolvenz.

Aus The Independent – Breaking News:

Greta Thunberg wurde in London festgenommen, nachdem sie eine Pro-Palästina Truppe unterstützt hatte.

Aus Bloomberg – Green Daily:

In den USA sind es zur Zeit Hybrid-Fahrzeuge, die am meisten verkauft werden, auch weil der staatliche Zuschuss für reine E-Fahrzeuge ausgelaufen ist. Sie erreichten, zusammen mit E Vs einen Verkaufsanteil von 25 %. Das am meisten verkaufte Fahrzeug ist der Hyundai Palisade Hybrid.

Aus Superintelligence:

Altman, CEO von OpenAI warnt, dass AI-Agenten Risiko behaftet sein können. Das veranlasste Altman nach einem Leiter der Bereitschaft zu suchen, der ihm helfen soll, bei Gefährdung von Cybersicherheit, Biosicherheit und mentaler Gesundheit einzuspringen.

(Ich selbst sehe Risiken in der Politik, wenn ein Agent Politikern oder dem Parlament sagt „Was macht ihr eigentlich für einen Schwachsinn“, und seine Behauptung mit Fakten untermauert.)

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

Die Türkei geht gegen IS-Mitglieder vor, erschoss sechs von ihnen in der Yalova Provinz und die Polizei nahm um einhundert von ihnen in den vergangenen Wochen fest, nachdem Terrorattacken befürchtet wurden.

Der in Dubai leer stehende Big Ben Turm soll jetzt wohnbar gemacht werden.

Im Thailand Kambodscha-Konflikt beanspruchen die USA und China für sich, für einen Waffenstillstand gesorgt zu haben.

Aus Manager Magazin – Der Tag:

120.000 Trucker fehlen in Deutschland. (wird Zeit, dass die Leute dort mal selbstfahrende LKWs auf den Markt bringen).

Aus The Rolling Stone:

Wen haben wir bis jetzt an Show-Business Milliardären außer Taylor Swift? Neu hinzugekommen ist Beyonce. Darüber hinaus gibt es noch Jay-Z, Rihanna und Bruce Springsteen.

Aus Morning Brew:

US-Präsident Trump kündigte eine Flotte von Schiffen der Trump-Class an. Die schnellsten, größten mit einer hundertfachen Stärke eines jemals gebauten Schlachtschiffes. Die Schiffe werden Teil einer „Golden Fleet“ sein, welche die Marine zusammenstellen soll.

Aus Bloomberg – Next Africa:

Was am meisten in Afrika gehandelt wird, sind Metalle und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Ihr Transport wird überwiegend auf der Straße durchgeführt, was die Kosten erhöht. Daher sollen neue Schienenwege gebaut werden, die vor allem für Staaten, die nicht am Meer liegen, notwendig sind.

China hilft aus, Europa schläft und die Amerikaner kannst du ohnehin vergessen.

domenica, dicembre 28, 2025

Kurzgeschichte: Auf der Reeperbahn (eine Kommissar Schneider Story)


 

Dr. Schmidt, ihr Vorgesetzter war unabkömmlich.

Ich muss zum Polizeipräsidenten“, sagte er und versuchte, einen unabkömmlichen Gesichtsausdruck hervorzuzaubern.

Das geht so nicht, so nicht. Das mit den humanoiden Robotern. Wer hat das genehmigt, dass diese als Polizisten in Hamburg herumlaufen?“

Schmidt legte einhundert Euro auf Udos Tisch. „Für die Personalkasse.“ Dann war er weg.

Die Mitarbeiter der Mordkommission City Nord am Hamburger Stadtpark hatten vorgehabt, gemeinsam auszugehen. Und jetzt lief die Personalkasse über. Ein guter Grund, ihren Vorsatz in die Tat umzusetzen und mal wieder auf den Putz zu hauen..

Sie hatten ihre Wagen in der Talstrasse abgestellt, spazierten und stöckelten zur Reeperbahn hinunter. Vorüberfahrende Autos, das Farbenspiel von Leuchtreklamen, über den breiten Gehweg wogende Menschenmassen, sie forderten auf einzutauchen in Verdrängung und Vergesslichkeit; für einen Abend hinter sich zu lassen, was ihr Inneres zerschrammt und deformiert hat: Unaussprechliche Dinge, mit denen sie als Mitglieder der Mordkommission konfrontiert worden waren.

Sündige Meile. Sie liessen sich eine Weile treiben, in dem Sog von Menschen, die mit ihnen einem unbekannten Ziel zusteuerten.

Wo wollen wir denn hin?” Anna rümpfte die Nase und sah ostentativ an einem betressten Schlepper vorbei.

Da ist das Café Keese. Lasst uns mal reingehen.”

Ich weiss nicht,” meinte Udo. “Vielleicht sollten wir erst mal auf ein Bier in eine Kneipe. Zwei Bier brauche ich mindestens, ehe ich mich in ein Tanzlokal trau.”

Mensch, Udo. Frauen beissen doch nicht. Wenigstens nicht sofort, und ausserdem sind wir noch da,” lachte Holzmann. “Du brauchst sie da noch nicht mal aufzufordern. Das machen sie selbst. Aber, wie du meinst.” Holzmann bog in die nächste Seitenstrasse.

Gehen wir doch hier rein. Elbschlosskeller; hier hatte der Pupeka in den sechziger Jahren einige Frauen kennengelernt und dann in seiner Dachwohnung umgebracht.”

Da haben wir es wieder, Mord und Totschlag. Wir kommen nicht davon los,” brummte Schneider angewidert und riss die Tür zur Kneipe auf. Eine Glasglocke mit kalten Frikadellen, der Zapfhahn mit dem Wirt dahinter. Ein paar Männer, Frauen mit aufgedunsenen Gesichtern und undefinierbaren Alters sassen an der Theke und starrten auf Flaschen und Gläser. Wie auf Kommando drehten sie sich zur Tür, als die Gruppe eintrat und auf einen Tisch zusteuerte.

Rutsch mal durch, Anna,” rief Schneider und setzte sich neben sie. Udo und Holzmann nahmen gegenüber Platz. Eine Musikbox dudelte, ein Flipper klackte und ein paar Groschen rasselten durch den Spielautomaten.

Vier Export,” orderte Schneider. “Die zahl ich.”

Also Udo, warst du schon mal in einem Tanzlokal?”

Das schon, aber nur zur Entspannung. Ich sehe mir da die Frauen an. Wenn ich was erleben will, gehe ich in den Schachklub.”

Halt auf, Udo.” Schneider lachte. “Und die Frauen im Tanzlokal, was erzählen die dir? ‘Was bist du für ein flotter Springer’? Also,” Schneider wandte sich an die anderen, “einmal waren Emma und ich im Winter durch den verschneiten Stadtpark gestiebelt, und wen sahen wir da? Udo, mit hochgeschlagenem Mantelkragen inmitten rüstiger Renter, die um das Schachfeld herumstanden, wo mit den grossen Holzfiguren gespielt wird, und nur meckerten. Udo war der mit der grössten Klappe.

Ganz dünner Zug. Ganz dünn. Um Gotteswillen! Wie kann man nur? Das hätte Botvinnik aber anders gespielt’. Und so weiter, und so fort. Dass die Spieler nicht mit ihren Schachfiguren auf ihn eingedroschen haben, wundert mich heute noch.”

Der Wirt stellte die halben Liter auf den Tisch.

Prost Leute.” Schneider hob das Glas und nahm einen kräftigen Schluck. Aus der Musikbox klang Elvis’ ‘You ain’t nothing but a hound-dog’, zwei junge Paare tanzten Rock.

Anna, komm, lass uns mal tanzen.” Schneider stand auf und zog Anna mit sich. Sie verzog das Gesicht und rollte mit den Augen. Schneider kannte nur drei Rockfiguren, die tanzte er ausgiebig. Immer dann, wenn Annas breites Gesäss gegen die Musikbox stiess, begann der Apparat die Platte zu wechseln.

Mann, was für dämliche Oldies! Haben die denn nichts von Deep Purple?”

Es rummste und HeinosSchwarzbraun ist die Haselnuss” tönte durch die Kneipe.

Was ist denn das? Wo bin ich denn hier?”

Schneider schleuderte Anna wieder gegen die Box und Marianne Rosenberg sang: ‘Er ist da, wieder da’.

Nun langt es aber!” Anna stiess Schneider gegen die Juke-Box: Santanas ‘Africa Bamba’.

Noch mal, Heinrich.” Wieder schubste sie ihn gegen die Anlage: Santanas ‘Corazon Espinada’.

Siehst du, das ist Musik, mein Lieber.” Wütend trat sie ihm auf den Fuss und rammte ihre Schulter gegen seine Brust. Schneider knallte gegen die Musikbox und fiel zu Boden. Stevie Nicks von Fleetwood Mac legte sich entspannend mit ‘Dreams’ auf ihre Gemüter. Stöhnend rappelte sich Schneider auf und stützte sich auf Anna, als beide wieder zu ihrem Tisch zurückkehrten.

Mensch, Anna. Hast du ein Temperament. Wenn Emma nur ein bischen von dem hätte….”

Das war kein Temperament, Heinrich. Das war Frust.”

Der Wirt hat inzwischen vier neue Biere gebracht.

Mann, Heinrich. Anna hat dir aber ganz schön zugesetzt.”

Was für ein Temperament. Sprechen wir von Temperament. ‘Und sie sagte: Ich dachte es sei Leidenschaft. Dabei war es Asthma.’ ” Holzmann lachte laut über seinen Witz.

Ein Mann in Wollhemd und Kordhose löste sich vom Barhocker und schwankte auf sie zu.

Was lacht ihr hier? Hier gibts nichts zu lachen!”

Kaum hielt er sich auf den Beinen, stierte sie der Reihe nach an. “Ich bin der Rudolf von der Müllabfuhr. Wollt ihr mal meine Muskeln sehen? Rita, komm mal her!,” rief er zum Tresen rüber. Eine schwammig aussehende Blondine walzte auf sie zu.

Du da, ist das deine Frau?”

Rudolf stach mit dem Zeigefinger auf Schneider und deutete dann auf Anna.

Nee, ist ne Kollegin. Wieso?”

Wollen wir nicht tauschen?”

Rudolf schwankte leicht und hielt sich an Anna fest. Die erhob sich langsam, drehte mit einer blitzschnellen Bewegung Rudolfs Arm hinter dessen Rücken und drückte mit der anderen Hand seinen Kopf nach vorn. Sie schob ihn auf die Theke zu und liess seinen Kopf auf das Holz krachen.

Herr Wirt. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Gäste uns nicht mehr belästigen.” Anna setzte sich wieder hin. “Also, wo waren wir stehengeblieben?”

Schneider trank sein Glas leer. “Ich glaube wir gehen jetzt langsam. Udo, trink dein zweites Bier aus. Das wolltest du doch. Es ist soweit. Wir gehen tanzen.”

Zehn Minuten später sassen sie in den Plüschsesseln des Café Keese. Die Band spielte ein paar depperte deutsche Schlager, doch dafür langte es allemal, dass ein paar Frauen im Glitzerkleidern und hochtoupierten Frisuren einige Galans aufforderten. Es roch nach Veilchenparfüm.

Mann, stinkt das hier,” brummte Schneider. “Passt auf Jungs, da kommt was auf uns zu, und wir können uns nicht wehren.”

Im Tanzsaal schien es dunkler zu werden. Eine massige Frau rollte auf ihren Tisch zu.

Und denkt daran. Wir können keine Körbe verteilen, sonst werden wir rausgeschmissen.”

Darf ich bitten?”

Die Frau blickte Udo an. Der sass wie versteinert auf seinem Sessel, unfähig sich zu bewegen. Seine Augen schienen das einzig Lebendige zu sein. Erschreckt blickten sie auf das Ungetüm, das einem bulgarischen Gewichtheber glich, dann sahen sie hilfesuchend auf die Kollegen.

Holzmann knuffte Udo in die Seite. “Hoch, Udo. Deine Chance.” Schneider und Holzmann hatten Mühe, nicht loszuprusten, während Anna Udo mitleidig nachblickte, als er der Frau wie ein Dackel auf die Tanzfläche folgte. Schaudernd widmeten sie sich den Getränken, nachdem sie mit ansehen mussten, wie Udo zwischen den Massen der Frau verschwand.

Hier ist nun wirklich alles vertreten,” meinte Holzmann. “Hier dürfen die Frauen mal, egal wie sie aussehen, und das nutzen sie auch aus.”

Gerd, sei mal ganz ruhig. Du bist auch nicht der Schönste,” rief Anna aufgebracht. Holzmann schwieg verdattert. Schneider wunderte sich. Was war mit Anna los?

Die Kapelle spielte etwas Langsames.

Da kommt schon wieder so eine Höllenkreatur,” zischte Schneider. “Forder mich schnell auf, Anna!”

Anna erhob sich und sagte zu Holzmann. “Gerd, darf ich bitten?”

Schneider blickte ihnen verbittert nach. Zu spät. Er konnte nicht mehr auf die Toilette flüchten, die Frau stand schon vor ihm.

Anna, das merke ich mir. Schneider war sauer. Die Frau schmiegte sich an ihn, während er über ihre Schulter blickte und sah, wie Anna ihn höhnisch angrinste.

Kommen Sie öfter her?”

Das hätte noch gefehlt.

Nee, ich bin zum ersten Mal hier.” Und zum letzten.

Es ist schön hier, nicht wahr? Ich komme jeden Sonnabend. Es sind so nette Männer hier, und wie ich sehe, gehören Sie auch dazu.” Die Frau lehnte sich etwas zurück, so dass er ihren Damenbart besser sehen konnte. Damenbart!? War das ein Transvestit, ein sprücheklopfender Transvestit?

Vielen Dank für das Kompliment, meine Dame. Ich wollte es ja eigentlich nicht sagen, aber wir sind in geheimer Mission hier. Wir sind Neonazis und machen eine Bestandsaufnahme von Transvestiten, die sich auf St. Pauli aufhalten.”

Kennt ihr den eigentlich schon?,” fragte Holzmann.

Also, wenn diese Frau noch mal auf mich zukommt, dann hau ich ab.” Udo blickte ängstlich in die Richtung, aus der seine Tanzpartnerin das letzte Mal aufgetaucht war.

Oma war zum ersten Mal auf St. Pauli und machte sich daran, durch die Absperrung in die Herbertstrasse zu gehen.” Holzmann beugte sich etwas vor. “Plötzlich tauchte ein Polizist auf. ‘Also Oma,’ sagte der, ‘da können Sie doch nicht rein, da sind lauter Prostituierte drin.’

Na,’meinte Oma, ‘wenn das man keine Nutten sind.’ “

Na, wenn das man keine Nutten sind.” Anna deutete mit dem Kopf auf zwei Frauen, die sich an einem Nebentisch niedergelassen hatten. Eine von ihnen stand auf, kam auf ihren Tisch zu und forderte Holzmann auf.

Donnerwetter, hat die ein paar Augen.” Schneider folgte ihr mit den Blicken. Die Frau hatte eine Bombenfigur. Ihre fülligen Formen waren in ein enges Kleid gepresst. Er sah, wie sie sich an Holzmann schmiegte und ihre Arme um seinen Nacken legte.

Komm, Heinrich, wir tanzen mal.”

Anna zog Schneider aus dem Sessel und zur Tanzfläche.

Es tut mir leid, dass ich ausgerastet bin.” Anna versuchte sich seinen exotischen Tanzschritten anzugleichen, “aber zu Haus, bei meinem Winfried kann ich es nicht. Er ist so sensibel.”

Und wir sind es nicht, was Anna?” Schneider lachte. “Ist schon gut. Irgendwo müssen wir Dampf ablassen. Ist ja auch meine Schuld. Ich hätte deinen strammen Hintern nicht gegen die Musikbox donnern sollen. Angefangen habe ich damit.”

Was heisst strammer Hintern?”

Anna umfasste mit beiden Händen Schneiders Hinterbacken. “Deiner ist auch nicht ohne.”

Äh, lassen wir das lieber, Anna. Du weisst, so etwas führt zu Emotionen und Sentimentalitäten, und das können wir uns nicht erlauben. Es vernebelt die Sinne, führt zu unkontrollierten Aktionen und zerstört unsere Professionalität. Halt dich lieber an deinen Winfried.”

Hast Recht, Heinrich.” Anna gab ihm noch einen Klaps auf den Hintern, dann war der Tanz zu Ende.

Holzmann liess sich in den Sessel fallen und blickte stumm zum Nachbartisch hinüber. Udo kam aus der Toilette zurück.

Was ist denn los, Gerd. Du sagst ja gar nichts.”

Holzmann seufzte. “Was für eine Frau. Seht mal, wie die aussieht. Ein Wahnsinnsfeger. Und nett ist sie. Man kann sich gut mit ihr unterhalten. Sie heisst Elli und arbeitet auf St. Pauli, hat sie mir erzählt, und zwar in der Lifeshow im Tabarin auf der Grossen Freiheit. In einer Stunde fangen sie an. Sie fragte mich, ob ich nicht mit ihr auf die Bühne kommen wolle. Was meint ihr dazu? Ihr bekommt auch freien Eintritt.”

Bist du wahnsinnig? Gerd, stell dir mal vor, du wirst dabei fotografiert und Udo zeigt mir am nächsten Tag das Foto in der Bild Zeitung mit der Überschrift ‘Kriminalinspektor Holzmann von der Mordkommission im körperlichen Einsatz auf St. Pauli’. Nee, nee, Gerd. Das schmink dir man ab.”

Was machen wir jetzt?” fragte Udo. “Ich habe keine Lust, bei jedem Tanz auszureissen. Gibt es denn keine Disco in der Nähe?”

Weiss ich nicht.” Schneider blickte in die Runde. “Wie sieht es aus, wollen wir los? Was meint ihr mit Bayrisch Zell? Da ist Tanz und wir können ausserdem was essen.”

Gute Idee,” Udo rutschte nervös auf seinem Sessel herum und sprang auf, als er sah, dass schon wieder einige Frauen im Anmarsch waren. “Schnell weg hier. Da kommen sie schon wieder.”

Das Bayrisch Zell empfing sie mit Bierdunst und Zigarettenqualm. Auf der oberen Bühne spielte eine Band ein paar flotte Rhythmen. Dicke Kellnerinnen rannten mit Bierkrügen an den Tischen vorbei, an denen ein wild gemischtes Publikum sass. Die Tanzfläche war brechend voll. Sie nahmen Platz, bestellten sich ihre halben Liter und Schweinshaxen mit Sauerkraut.

Nicht gerade vom Feinsten,” meinte Udo. “Aber mir ist, als sei ich einem Horrorfilm entkommen. Dagegen ist das hier reine Entspannung.”

Und mir ist so, als habe man mir den Einlass in ein Pornokino verwehrt. Da kannste mal sehen, wie unterschiedlich unsere Eindrücke sind,” vermerkte Holzmann resigniert.

Die Band hatte aufgehört zu spielen und zog ab, während sich auf der unteren Bühne eine Bayernkapelle aufbaute.

Mann, das geht ja schnell,” staunte Schneider, als die Kellnerin mit den Bieren aufkreuzte. “Prost Leute.”

Einige Minuten später machten sie sich über die Schweinshaxen her.

Umta umta umtaratatata.” Die Bayernkapelle legte sich ins Blech.

Das ist ein Marsch, Anna. Komm, den tanzen wir.”

Schneider mochte Märsche. Sie waren so einfach. Man ging einfach drauflos und benutzte die Partnerin als Prellbock. Die Menge zerteilte sich dann von selbst.

Nun bist du dran, Heinrich,” meinte Anna und schob Schneider vor sich her. Jetzt bekam er die Knüffe ab. Empörte Gesichter ringsherum.

So geht das ja nun auch nicht! Tanzen Sie doch mal vernünftig, wie sich das gehört! Wo kommen wir denn hin, wenn das jeder machen würde!”

Anna und Schneider liessen sich nicht stören. Wie das Meer vor Moses, so wichen die Tänzer ihnen aus, wenn sie ihre Bahn zogen. Ein paar Albaner hatten nicht aufgepasst und einer fiel auf die Tanzfläche. Wütend sprang er auf und zog ein Messer. Blitzschnell ergriff Schneider seinen Arm und hielt ihn im Polizeigriff. Zwei Männer stürzten sich auf die Tanzfläche, um ihrem Landsmann zu helfen. Anna und Holzmann wurden aktiv, drehten ihnen die Arme hinter den Rücken. Schnellen Schrittes verliess die Gruppe mit den Unruhestiftern das Lokal.

Ich hasse politische Korrektheit,” keuchte Schneider, als er mit den anderen über die Reeperbahn rannte.

Und ich dachte, Feierabend habe nichts mit Arbeit zu tun,” rief Holzmann. Dann lieferten sie die Männer auf der Davidswache ab.

Und was machen wir jetzt?”, fragte Udo.

Wir gehen nach Hause,” brummte Schneider. “Nach der Arbeit gehe ich zu meiner Frau.”