Coversong Roads

domenica, marzo 15, 2026

Kurzgeschichte: Der Friedhofs-Poet


 

    Geoffrey Farnsworth nippte an seinem Tee. Mit halb geschlossenen Augen blickte er durch die langgezogenen Fenster des Souterrains. Nebel lag über den Straßen Londons und verschluckte das Klappern der Hufe, das Rumpeln der Räder. In einer Ecke des Frühstücksraumes bullerte ein Kachelofen. Das Scheppern von Geschirr in der Küche, die gedämpften Unterhaltungen, die Wärme, das leise Klirren der Tassen machten Geoffrey schläfrig, und er wünschte sich, er wäre noch etwas länger im Bett geblieben.    

  Johnson setzte sich zu ihm und Geoffrey schob sich die Morgenzeitung vor das Gesicht.

  “Was macht die Wortkunst, Farnsworth?”

  Geoffrey steckte seinen Kopf tiefer in das Blatt.

  “Nicht sehr gesprächig, wie? Nebel müsste Sie doch dazu inspirieren.” Die Mundwinkel des Mannes zuckten, dann stand er auf und ließ sich an einem anderen Tisch nieder. 

  Dennis Johnson, ein Klatschreporter übelster Sorte, dessen Artikel einige  Londoner zum Selbstmord getrieben hatten. Geoffrey fand, er sei gut beraten, diesem keinen Vorwand für eine Story zu liefern. Jeden Morgen trafen sie sich auf engem Raum, im Frühstückssaal der Albany Chambers am Piccadilly Circus, Residenz betuchter Junggesellen. Geoffrey war einer davon. Vor einem halben Jahr, am 24. Februar 1869, als er vierundzwanzig Jahre alt geworden war, hatte er seinen Ländereien den Rücken gekehrt. Schlank, hochgewachsen und dunkelhaarig, mit blassem Gesicht, melancholischem Blick, nachdenklich und grüblerisch, war er so gar nicht am rustikalen Leben auf dem Lande interessiert.

  Er legte das Morgenblatt zur Seite, verließ das Haus und trat in den Nebel. Eine Pferdedroschke kam aus dem Dunst hervor und Geoffrey lief auf sie zu.

 

  Athenaeum am Waterloo Place, Herrenclub, Bastion des Establishments, VIP-Lounge Viktorianischer Epoche. Ein Butler, Tische aus Teakholz, Zeitungen, ein großer Globus und Ledersessel. In einem ruhte Pommeroy.

  “George, Port am frühen Morgen?”

  “Lässt mich Nachrichten besser verdauen,” gab dieser zurück.

  George Pommeroy, ein beleibter Hypochonder, dem der Portwein zu roter Nase  und Tränensäcken verholfen hatte, machte sein Geld im Getreidehandel. Geoffrey setzte sich zu ihm. Nun, Hypochonder war auch er, waren sie wohl alle. Das neunzehnte Jahrhundert war aufregend, voller Umwälzungen, neuer Entdeckungen, Erkenntnisse und Widersprüche, von denen die Medizin nicht ausgenommen war. 

  “Diesem entsetzlichen Nebel werden meine Lungen nicht mehr lange standhalten.” Pommeroy hustete demonstrativ. “Und hier, seht her.” Er deutete auf die Überschrift der Times. “Liegt die Seele im Rückgrat? Frösche zuckten noch minutenlang, nachdem ihnen die Köpfe abgetrennt worden waren.”

   Geoffrey zog indigniert die Augenbrauen hoch.

  ”Bedeutete dies, die Seele hielte das Rückgrat für einige Minuten mehr am Leben? Und was dann? Wäre das Rückgrat leblos, zuckte der geköpfte Frosch nicht mehr, müßte die Seele dann auch ohne Leben sein?”

  Geoffrey lehnte sich in den Sessel zurück und starrte gegen die Decke.

  “Die Seele ist unsterblich. Mehr als einmal habe ich das in meinen Gedichten ausgedrückt. Ich meine, wozu leben wir? Das hat doch nur dann Sinn, wenn ein Teil von uns nach dem Tod fortbestehen kann.”

  Pommeroy richtete sich ächzend auf. Sein Doppelkinn wölbte sich über dem Vatermörder.

  “Sagen Sie, Geoffrey. Abgesehen davon, dass Sie ständig über den Friedhof wandern. Wo bekommen Sie Ihre Ideen sonst noch her? Machen Sie es wie Wilkinson?”

  “Wilkinson?”

  “Er schlief mit einer eisernen Kugel in der Hand. Wenn er im Traum eine Idee hatte, zuckte seine Hand, die Kugel fiel zu Boden und weckte ihn auf. Er notierte seinen Gedanken, hob die Eisenkugel auf und ging wieder schlafen.”

  Geoffrey lachte, “Der Eisenbaron aus dem vorigen Jahrhundert? Der mit den Eisensärgen?”

  “Genau der,” erwiderte Pommeroy. 

  Geoffrey sagte nichts, dachte an Wilkinson, der eiserne Särge hatte herstellen lassen, drei für sich, den Rest für seine Freunde. Eine eiserne Kirche ließ er bauen und bezahlte seine Arbeiter mit Eisengeld.

  Träume.

  “Wahr ist,” meinte er, “Gedanken, die man träumt sind flüchtig, und ich träume so oft, träume mit Sträuchern, Bäumen, Steinen und Toten. Sie sind es, die mich inspirieren, mir zu Höhenflügen verhelfen, mehr als das Leben um mich herum.  Dort, wo erst der Tod seine wirkliche Kraft entfaltet.”

  “Es macht mich nervös, wenn Sie so reden, Geoffrey.” Pommeroy verzog das Gesicht. 

 “Mit Steinen träumen, harrumph.” Er trank sein Glas aus und erhob sich. “Ich  träume nur v o n Sträuchern, Bäumen, Steinen und Toten. Unter anderem. Da sind wir wohl unterschiedlicher Natur. Obwohl, wie ist es, Geoffrey,” unterbrach er sich. “Haben Sträucher, Bäume auch eine Seele?” Auf dem Weg zum Garderobenständer drehte Pommeroy sich noch einmal um.

  “Wissen Sie übrigens, dass sie in Frankreich Fieberkurven an den Fußenden der Betten angebracht haben? In den Krankenhäusern meine ich. Auch Atmung und Puls werden dort aufgezeichnet. Warum machen sie bei uns so etwas nicht? Man könnte den Verlauf seines Leidens verfolgen. - Und noch eines. Wann bekommen wir endlich Ihre Gedichte zu lesen?” Dann winkte er ab. “Reden wir ein anderes Mal darüber. Ich muss ins Geschäft. Viel Spaß auf Highgate.” Pommeroy ließ sich in den Mantel helfen und verschwand durch die Tür.

  Ins Geschäft? Geoffrey zog die Augenbrauen hoch. Oder zu Fanny? Pommeroy hatte diesen Namen mehrere Male erwähnt, als sie beide dem Port zugesprochen hatten, und es war nicht der Name seiner Frau.

  Der Mann nutzte die Gunst der Stunde und führte billigen Weizen aus Nordamerika ein. Die englische Landwirtschaft hatte an Bedeutung verloren, nachdem die Aussenzölle abgeschafft wurden. Sie litt darüber hinaus unter der Flucht der Landarbeiter in die Städte. Somit war auch Geoffrey davon betroffen. Geoffrey hatte seine Pachtzinsen nicht erhöhen können. Die Mechanisierung der Landwirtschaft erforderte erhebliche Investitionen. Sein Pächter war gezwungen gewesen Dampfpflüge anzuschaffen, um die Böden trotz der Landflucht bearbeiten zu können. Unterdessen verwandelten sich die Städte Englands in Kloaken, Höhlen des Lasters und Brutstätten der Cholera.

  Geoffrey blätterte in der Zeitung, in der die üblichen entsetzlichen Dinge standen. Der Bericht von Lyron Playfair, Mitglied des Komitees zur Untersuchung der Lebensbedingungen in den Städten Englands, zeigte deren katastrophalen Zustand. Zu zehn Personen in einem Bett. Menschen bis zu den Knöcheln in Unrat und Abwässern. Hungerlöhne, um sich greifende Kinderprostitution, Inzest, Familien in Lumpen usw. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Industriearbeiters bei zweiundzwanzig Jahren.

  Benommen legte Geoffrey das Blatt zur Seite. Wenn er nach Highgate auf den Friedhof fuhr, ließ er die Kutsche einen großen Bogen um diese Gebiete machen. Obwohl, das wusste auch er, dort spielte sich das normale Leben ab, das Leben des gemeinen Volkes. Im Geiste hörte er das Geschrei, spürte den Gestank, den  Staub, sah die Armut von Arbeiterfamilien, lose Frauen, Betrunkene, das Gewimmel von Händlern und Trägern auf Fisch- und Gemüsemärkten. Geoffrey ahnte, dort würden Inspirationen ihn in neue Höhen tragen. War er zu empfindsam? Er zog die Abgeschiedenheit des Friedhofes vor und blieb sich treu. Er mied den Höllenpfuhl.

  Der Portier ließ eine Droschke kommen, die Geoffrey nach Highgate brachte. Dort, auf einer Anhöhe, fernab von Gestank, Staub und Lärm, lag der Friedhof. Grabsteine, Mausoleen, Katakomben, Zeugen einer anderen Welt, Empfangshallen des Todes. Sie schienen Geoffrey wie Freunde. Gemessenen Schrittes durchmaß er von Gräbern umsäumte Wege, deren Grabsteine der Nebel nur widerwillig dem Auge preisgab. Vorbei an ihm unbekannten Toten näherte er sich dem Grab Elizabeth Siddals, um ihrer zu gedenken, dachte an das Gedicht, das ihr Christina Rossetti zum Abschied gewidmet hatte. 

 

Pardon the fault in me

For the love of years ago

Good bye

I must drift across the sea

I must sink into the snow

I must die

 

 

Verzeih den Fehler in mir

die Liebe vor vielen Jahren

adieu

Ich muss über das Meer treiben

Ich muss in den Schnee versinken

Ich muss sterben

 

  Geräusche von Schaufeln unterbrachen seine Gedanken, dann, als er näher kam, hörte er Gemurmel, und er sah eine kleine Gruppe dunkelgekleideter Personen, spukhaft vom Nebel umhüllt. Sie standen um das Grab der Siddal herum. Geoffrey erkannte Dante Rossetti, den Mann Elizabeths, dann William Grey, ein weiteres Mitglied der Bruderschaft der Pre Raphaeliten. Einer Gruppe von Malern und Poeten. Grey wandte sich um und ging auf Geoffrey zu.

  “Du hast nichts gesehen,” raunte er. “Die Exhumierung Elizabeth ist genehmigt, doch sollte sie nicht publik werden.”

  “Ihr habt Glück, dass ich nicht Dennis Johnson bin. Wozu das alles?”, wunderte sich Geoffrey.

  “Es geht um die Poesie, die ihr Mann vor sieben Jahren mit in den Sarg gelegt hatte. Er hat seine dichterische Ader verloren und sein Literaturagent riet ihm, sich die Gedichte zurückzuholen.”

  Geoffrey wunderte sich über die Monstruosität, die Ruhe der Frau zu stören. Er hätte nicht gedacht, das ein Poet wie Rossetti dazu fähig sei. Ihn überfiel der ängstliche Gedanke, sein Berufsstand sei mit einem gefährlichen Erreger kontaminiert, und er beschleunigte seine Schritte. Kein Wunder, dachte er, dass Elisabeth aus dem Leben geschieden war. Obwohl die Zeitungen seinerzeit schrieben, die Überdosis Laudanum sei ein fataler Irrtum gewesen.

  Die kleine Putzmachergehilfin. Ihre sinnlichen Lippen, ihr verhangener Blick, ihr kastanienbraunes Haar, das ihr bis zur Taille reichte. Als Jüngling hatte er sie gesehen und verehrt. Geoffrey erschauderte, als er daran dachte, wie die Pre Raphaeliten sie als Modell ausgenutzt hatten. Später wurde sie Malerin und Poetin, doch ihr Gesundsheitzustand blieb prekär. John Everett Millais, wie hasste er diesen Mann! Für ihn und sein Bild Ophelia hatte sie tagelang im Wasser gelegen, das in seinem Treibhausstudio nur von einigen Kerzen erwärmt worden war. Danach machten ihr Tuberkulose und deren Folgen den Rest ihres kurzen Lebens zu schaffen.

  Geoffrey schritt weiter aus. Immer, wenn er auf die Gräber schaute, auf  Grabsteine unbekannter und berühmter Menschen, wurde er melancholisch ob der Vergänglichkeit des Lebens, und er hoffte nur, er habe Recht, wenn er behauptete, dass ihre Seelen weiter existierten. Ihm schien, er sehe sie, winzige Punkte, die sich nur im Nebel, der auf dem Friedhof lag, manifestierten und sonst den Augen von Sterblichen verborgen blieben.

  Er musste seine Eindrücke zu Papier bringen. Procrastination is a thief of time, Aufschub ist ein Dieb der Zeit. Ein Satz von Edward Young, der ein Jahrhundert zuvor über die gleichen Wege gewandert war. Ein Satz aus seinem Zehntausendzeilen-Gedicht ‘The Complaint, or Night Thoughts on Life, Death, and Immortality’. Geoffrey hingegen hatte noch kein einziges Gedicht veröffentlicht. Procrastination is a thief of time. Er sollte es nicht mehr auf die lange Bank schieben.

  Geoffrey legte seinen Kopf zurück und sah an einer Eiche hoch, die sich vor ihm in den Himmel reckte. Weiße Schwaden wanden sich wie Zuckerwatte um ihre Krone. Aus dem dichten Nebel kam ihm eine Frau entgegen. Geoffrey erblickte sie erst, als sie mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen vor ihm stand. Ihre Hände betasteten seinen Kopf. Sanft strich sie hinter sein linkes Ohr. Er war wie gelähmt. Ihr Mantel roch nach feuchten Blättern. Hatte sie den ganzen Vormittag auf dem Friedhof zugebracht? Sie trat einen Schritt zurück. Ein langer dunkler Rock unter dem Mantel bedeckte die Knöchel. Ihre Augen öffneten sich. Einen flüchtigen Moment verharrte ihr Blick auf seinem Gesicht.

  “Nein, du bist es nicht,” hörte er, bevor sie sich von ihm abwandte, den Weg entlang ging, den er gekommen war. Geoffrey war verwirrt. Die Frau, ihr blasses, von roten Haaren umsäumtes Gesicht, ihre intensiven grünen Augen, sie schien nicht von dieser Welt. Er wandte sich um, sah ihr nach. Ihm war, als schwebte sie. Wie leichtfüßig schritt sie den Pfad entlang! Dann trat eine massige, dunkle Gestalt aus dem Nebel hervor. Geoffreys Atem stockte. Was machte Dennis Johnson hier? War er ihm gefolgt? Geoffrey sah, wie die Frau vor Johnson stehen blieb, ihre Arme ausstreckte und mit einer Hand über dessen Kopf fuhr, damit Johnson die Sicht auf Geoffrey versperrte. Der drehte sich um und lief davon, dann hielt er einen Augenblick inne um zu verschnaufen und ging schnellen Schrittes zum nächsten Ausgang.

  Als er am nächsten Vormittag ins Athenaeum fuhr, drängte es ihn, Pommeroy von der Begegnung zu erzählen. Der wedelte mit einer Zeitung.

  “In fünfzehn Tagen, mein Lieber. Was für eine Leistung.” Pommeroy deutete auf die Überschrift der Times.

  “Was?” fragte Geoffrey und streckte seine Hand nach der Zeitung aus. “Am Donnerstag erreichte der Dampfer Britannia den Bostoner Hafen. Die Überfahrt von Europa dauerte fünfzehn Tage. – In der Tat, George, in was für einer hektischen Zeit leben wir doch.”

  “Die meisten Passagiere kamen aus Irland.” Pommeroy nippte an seinem  Portwein. “Schlimme Sache, die Kartoffelfäule. Und was hinzu kommt, sie haben keine Industrie.”

  Geoffrey schenkte sich Tee ein. “Eigenartige Begegnung gestern in Highgate.”  

  Pommeroy sah Geoffrey fragend an.

  “In der Nähe von Faradays Grab kam eine Frau auf mich zu, betastete meinen Kopf, vornehmlich hinter dem linken Ohr und sagte dann: ‘Du bist es nicht.’ Dann ging sie davon und machte das Gleiche mit Johnson, dem Klatschreporter, der mir anscheinend gefolgt war.” Geoffrey lachte verlegen. “Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.”

  “Phrenologie, mein Lieber. Phrenologie. Sie macht die Leute verrückt.” Pommeroy lachte. “Ich verstehe nur nicht, warum sie auf dem Friedhof nach Liebhabern sucht.”

  “Liebhaber?”

  “Nicht im Bilde, was? Hat jemand einen Höcker hinter dem linken Ohr, heißt es, er sei ein großartiger Liebhaber.” Einen Augenblick sahen sie sich schweigend an.

  “Vielleicht war die Frau zu bekannt, um an anderen Orten nach Liebhabern zu suchen.” Pommeroy runzelte die Stirn. “Oder sie hatte die Neigung, sich auf einem Friedhof der Liebe hinzugeben.” Er schüttelte den Kopf. “Kenne sich einer mit Frauen aus.”

  Geoffrey betastete mit seiner Hand die Stelle hinter dem linken Ohr. “Da ist nichts,” meinte er resigniert, dann hellte sich sein Gesicht auf. “Hat es nicht auch seine Vorteile? Sie wird weiter suchen. Vielleicht sehe ich sie morgen wieder. George, Ihre grünen Augen, feuerroten Haare, ihr bleiches Gesicht wirkten so ätherisch, als habe sie eine Reise aus dem Jenseits zu uns unternommen.” Dann verdüsterte sich Geoffreys Gesicht. “Vielleicht hatte sie bei Johnson mehr Glück. Was machte der auf dem Friedhof?”

   Pommeroy ging nicht darauf ein. Er blickte gelangweilt in seine Zeitung, dann sah er genauer hin.

   “Interessante Zahlen dies. In London gibt es rund dreihunderttausend Häuser.” 

   Pommeroy stieß mit seinem dicken Zeigefinger auf den Artikel :” ’Etwa 100.000 Räderpaare und eine beträchtlich größere Anzahl von mit Eisen beschlagenen Pferdehufen, dazu zwei bis zehn Karren Pferdekot pro Straßenmeile plus den Ruß aus etwa 500.000 Schornsteinen.’

 Dann schreiben sie: ‘Der dumpfe Stallgeruch von London, der Dreck an unseren Händen, in unserer Wäsche, an den Tapeten unserer Zimmer und in unserer Lunge legen ein beredtes Zeugnis über die Verschmutzung der Umwelt ab.’”

  Pommeroy schüttelte seinen Kopf. “Das kann nicht gut für unsere Gesundheit sein. Und hier sitzen wir und unterhalten uns über Höcker auf dem Kopf.”

  “Liegt wohl daran,” meinte Geoffrey, “weil wir nicht unmittelbar davon betroffen sind. Zumindest ich nicht. Auf Highgate duftet es nach Azaleen.”

 

   Das Wartezimmer war überfüllt. Doktor Burns hatte nur am Vormittag Sprechstunde. Geoffrey quetschte sich zwischen einen Mann, der nach Schweiß roch und sein Gesicht fortwährend mit einem Taschentuch betupfte und eine Frau, die unablässig auf ihren anderen Nachbarn einredete. Dann sah er Dennis Johnson, der aus dem Sprechzimmer kam und durch den Ausgang verschwand.

  Der Raum, in dem der Phrenologe praktizierte, war karg eingerichtet. Ein kleines Bücherregal mit den neuesten Werken von Gall, Spurzheim, Combe und Lundie. An der Wand hing eine Karte, auf der ein menschlicher Schädel mit seinen zerebralen Organen zu sehen war. Es gab einen Stuhl für den Patienten, einen Schreibtisch, auf dem ein paar Instrumente lagen, ein Foto stand und einen weiteren Stuhl, auf dem der Phrenologe saß. Er schien erregt, blätterte nervös in den Unterlagen, während Geoffrey Platz nahm.

 Burns trug einen weißen Kittel, der sich über seinen Bauch spannte. Eine Nickelbrille klebte auf seinem teigigen Gesicht. Woher hatte er seinen Doktortitel?  War er Arzt? Wenn nicht, was dann? Was hatte er vorher gemacht,  bevor er in diese lukrative Nische gesprungen war? Astrologie? Wunderheilungen?

  “Farnsworth, sagten Sie? Geoffrey Farnsworth?” Burns nahm ein leeres Blatt Papier und schrieb den Namen darauf, dann griff er nach einer geschwungenen Zange. Er kam um den Schreibtisch herum und setzte sie an Geoffreys Schädel.

  “Ein Kraniometer. Jeder Schädel hat kaum wahrnehmbar knöchrige Erhebungen, die sich während der Entwicklung des Gehirns herangebildet haben. Je prominenter die Erhebung, desto ausgeprägter das zerebrale Organ, von denen der Mensch siebenundzwanzig besitzt.” 

  “Es kommen die seltsamsten Leute,” meinte er und fuhr fort, die Areale auf Geoffreys Schädel zu messen und die Ergebnisse auf das Blatt zu übertragen. “Die meisten von ihnen wollen wissen, wie es mit ihrem Zeugungstrieb bestellt sei, wo doch andere Eigenschaften gleichermaßen wichtig sind.”

  “Zeugungstrieb. Ist das ein Knubbel hinter dem linken Ohr?” fragte Geoffrey. “So ist es,” erwiderte Burns und legte das Instrument zur Seite. Er nahm das Blatt, setzte sich an den Schreibtisch und übertrug die Resultate in ein dickes Buch. 

  “Wie sieht es aus?”, fragte Geoffrey.

  “Sehen Sie,” meinte der Mann und gab Geoffrey das Papier. “Sinn für Geheimhaltung, Kinderliebe, Zahlensinn, Sinn für Gott und Religion, Beständigkeit, das sind Ihre herausragenden Eigenschaften. Zum Glück kein Mordinstinkt, aber auch kein ausgeprägter Zeugungstrieb.”

  Das war nicht, was Geoffrey hören wollte. Er fragte zaghaft: “Ich weiß, er ist hinter dem linken Ohr, aber könnten Sie mir genau zeigen, wo der zu finden wäre?”

  “Auf dem Mastoid-Areal.” Burns tippte mit einem Finger auf die Stelle.

  “Und das Organ für Dichtergeist?”

  “Nichts vorhanden, damit fangen Sie besser gar nicht erst an,” riet der Mann.  “Setzen Sie auf Ihren Zahlensinn. Bei unserer hektischen Industrialisierung haben Buchhalter einen hohen Stellenwert.”

 Geoffrey zahlte und ging zur Tür, dann wandte er sich noch einmal um.

  “Ist Dennis Johnson auch einer Ihrer Patienten? Was für herausragende Eigenschaften haben Sie an dem entdeckt?”

  Das Gesicht des Phrenologen verdüsterte sich, und er fing an, nervös in seinen Unterlagen zu blättern.

  “Mr. Farnsworth. Das unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Auf Wiedersehen.”

 

  Ihm stand nicht der Sinn nach Eingebungen und Inspirationen, nicht in diesen Tagen. Noch immer hing Nebel über dem Friedhof. Geoffrey dachte nicht an die Verstorbenen, an die Vergänglichkeit der Natur, den Transit der Seelen ins Jenseits. Seine Gedanken kreisten um die Frau mit den roten Haaren. Er durchstreifte den Friedhof, vermutete sie hinter jedem Baum,  jedem Mausoleum, jedem Grabstein, doch er sah sie nicht. Auch Johnson hatte er nicht mehr auf Highgate gesehen, hatte ihn nur im Frühstücksraum der Albany Chambers zu Gesicht bekommen, wo er wiederholt mit seiner Hand hinter das rechte Ohr fuhr, wenn er sich unbeobachtet glaubte. Wieso, fragte sich Geoffrey, hatte er sich nicht die Karte eingeprägt, die beim Phrenologen an der Wand hing?

  Mehrere Tage hatte er aus der Deckung seiner Zeitung heraus beobachtet, wie Johnsons Umgänglichkeit einer nervösen Distanziertheit gewichen war.   

  Geoffrey wechselte von der Westseite zur Ostseite des Friedhofes. Von Büschen und Sträuchern umsäumte Wege, hinter denen Buchen, Zedern, Ahornbäume und Linden die Sicht zum Himmel versperrten, ein mit Grabsteinen besprenkelter Wald. Eine schwarze Katze ruhte sich auf einem Engel aus. Das Grau der steinernen, verwitterten Skulptur verschmolz mit dem Nebel. Geoffrey trat näher an das Tier heran, das keine Anstalten machte, sich von der Figur zu entfernen und - dann sah er die Frau mit den roten Haaren. Sie lag auf dem Boden, rot auch ihr Hals, von dem Blut, dass ihr aus der Kehle gelaufen war. Geoffrey stand mit bleichem Gesicht vor ihrem Leichnam. Ein Schnitt von Ohr zu Ohr. Das Blut war verkrustet. Wie lange hatte sie schon dort gelegen? Geoffrey machte sich auf den Weg zur nächsten Polizeiwache. Ihm schien, als habe er Blei in den Schuhen.

  Pommeroy hielt ihm die Zeitung entgegen.

  “Brutaler Mord auf Highgate. Haben Sie davon etwas mitbekommen?”

  “Ich habe die Leiche gesehen. Es war die Frau, von der ich Ihnen erzählte.”

  Geoffrey schenkte sich Tee ein. “Was sagt die Phrenologie zu einer Erhebung hinter dem rechten Ohr?”

  “Mordlust und Würgesinn, so weit ich es in Erinnerung habe.” 

  Geoffrey überlegte einen Moment, dann fragte er: “George, würden Sie mir helfen?”

  Ein paar Stunden später hatten sie sich in der Praxis des Phrenologen mit einem Nachschlüssel Einlass verschafft. Sie sagten kein Wort, als sie das Sprechzimmer betraten. Geoffrey ging um den Schreibtisch herum und griff nach dem dicken Buch mit den Eintragungen. Dann sah er das Foto auf dem Tisch und sagte: “Das ist die Frau von Highgate.” 

 

  Johnson hatte nach einigen Tagen seine Umgänglichkeit zurückgewonnen. Leutselig grüßte er jeden, wenn er den Frühstücksraum betrat und verschonte auch Geoffrey nicht, der diesmal seine Zeitung weg legte, als sich Johnson zu ihm setzte.

  “Guten Morgen, Johnson. Was halten Sie von dem Mord auf Highgate?”

  “Schlimme Sache. Farnsworth, kannten Sie die Frau?”

  “Nein. Und so weit ich gehört habe, weiß niemand, wer sie war.”

  Geoffrey beugte sich vor und raunte: “Ich habe auf Highgate jemanden getroffen, der den Mörder gesehen hat.”

  “Wie?” Johnsons Gesicht wurde rot, dann wechselte seine Farbe in eine ungesunde Blässe. “Und die Person hat nichts über den Mörder erzählt?”

  “Nein,” meinte Geoffrey. “Aber wenn es Sie interessiert, mache ich Sie mit ihr bekannt. Wäre das nicht eine Story für Sie?”

  “Ich verstehe nicht. Wieso ist die Person nicht zur Polizei gegangen?”

  “Sie war so verstört, wollte das Erlebnis verdrängen. Es hat mehrere Tage gedauert, bevor sie mir sagte, sie kenne den Mörder.”

  Geoffrey sah ins Leere, als er sagte: “Johnson, seien Sie in zwei Tagen um drei Uhr Nachmittag am Grab Thomas Sayers. Dort wird eine Frau auf Sie warten.”

 

  Der Platz war gut gewählt. Geoffrey hatte jedoch Mühe, den beleibten Pommeroy auf das Dach des benachbarten Mausoleums zu hieven. Von dort aus hatten sie eine gute Sicht auf das Grab Thomas Sayers, dem Teufelskerl von Faustkämpfer. Der letzte seiner Art, der seine Matches ohne Boxhandschuhe bestritten hatte. Vor seinem Grabstein war Lion in Stein verewigt. Lion, sein  Hund, der tagelang dort getrauert hatte, wo er begraben lag.

  Eine Frau näherte sich dem Ort. 

  “Fanny,” murmelte Pommeroy. “Ich muss nach unten. Von hier aus kann ich sie nicht beschützen.”

  Sie trug einen dunklen Umhang über geblümtem Kleid, schien so jung und Geoffrey fragte sich, was Fanny und Pommeroy zusammen gebracht hatte.

  “Bleiben Sie da,” raunte er. “Dafür ist es jetzt zu spät. Ich klettere hinab und verstecke mich.”

  Geoffrey ließ sich auf der Rückseite des Mausoleums nach unten gleiten. Als er vorsichtig zum Grab sah, erkannte er Johnson, der aus dem Nebel hervorkam und an die Frau herantrat.

  Geoffrey stand der Schweiß auf der Stirn. Wenn Johnson der Mörder war, dann musste er jetzt handeln. Doch irgend etwas hielt ihn zurück. Er sah, wie die Frau und Johnson aufeinander einredeten. Johnson ergriff ihren Arm, wollte sie wegzerren. Hinter ihnen tauchte eine Gestalt aus dem Nebel auf. Das Gesicht war durch eine Kapuze verdeckt. Sie hielt ein Messer in ihrer Hand. Geoffrey erstarrte, wollte rufen. Er bekam kein Wort heraus. Er hörte nur einen dumpfen Laut, als der Mörder unter dem massigen Körper Pommeroys begraben wurde. Er gab kein Lebenszeichen von sich. Fanny beugte sich schluchzend zu dem stöhnenden Pommeroy hinab. Stockend kamen die Worte aus seinem Mund. “Ich konnte nicht anders, Fanny. Du bist mir mehr wert als aller Weizen auf der Welt.”

  Poesie hält Einzug in die seltsamsten Tempel, dachte Geoffrey gerührt.

  “Fanny, laufen Sie! Rufen Sie die Polizei und Ambulanz!”

  Geoffrey und Johnson drehten Pommeroy auf den Rücken. Johnson nahm der vermummten Gestalt das Messer aus der Hand und zog ihr die Kapuze vom Kopf.

  “Der Phrenologe!,” ächzte Geoffrey. “Ich hätte es mir denken sollen!”

  “Wie konnte ich nur!”, murmelte Johnson. “War ich es doch, der Burns von der Frau mit den roten Haaren erzählt hatte. Ich war ihm so dankbar; denn nachdem sie mit der Hand die Stelle hinter meinem linken Ohr betastet hatte, zerrte sie mich ins nächste Mausoleum.”

  “Das war meine Frau,” stöhnte der Phrenologe. “Warum haben Sie sie bei Ihrem ausgeprägten Mord- und Würgesinn nicht umgebracht?”

  “Der Mann glaubt an das, was er praktiziert.” Johnson hielt Burns am Boden, sah Geoffrey an und schüttelte den Kopf. “Und dann habe ich dem Menschen von diesem Treffen erzählt.”

  Geoffrey sah, wie Pommeroy sich aufzurichten versuchte und wieder auf den Boden zurückfiel. Ein Teufelskerl, dachte Geoffrey. Sich vom Dach des Mausoleums auf Burns fallen zu lassen. In dem Moment musste er seine Ängste verdrängt haben. Das hatte Geoffrey ihm nicht zugetraut. Und der Reporter?

  “Johnson. Eine Zeitlang glaubte ich, Sie seien der Mörder, Sie seien von dem überzeugt gewesen, was Burns Ihnen gesagt hatte und wollten es in die Tat umsetzen.”

  Polizisten und Sanitäter kamen aus dem Nebel hervor. 

  “Doch nachdem wir das Foto der ermordeten Frau auf Burns Schreibtisch gesehen hatten, war ich mir nicht mehr so sicher.”

 

  Einige Tage darauf ging Geoffrey wieder über den Friedhof. Der Nebel war verschwunden. Rauch und Gestank hing über London.

  Pommeroy war wieder auf den Beinen. Im Club hatte er Geoffrey erzählt, dass er sich von seiner Frau scheiden lassen würde. In dem schrecklichen Moment im Park war ihm klar geworden, wie sehr er Fanny liebte.

  “Ist es nicht wunderschön hier?”, zirpte eine junge Frauenstimme. Grüne Augen strahlten Geoffrey an. Die roten Haare der Frau fielen in Locken auf den dunklen Mantel. Ein langer Rock ließ die Zartheit ihrer Fesseln erahnen.

  Hoffentlich streicht sie mir nicht über den Kopf, dachte Geoffrey, lud sie zu einem Spaziergang ein und trug ihr eines seiner Gedichte vor.

 

venerdì, marzo 13, 2026

Der Spiegel v. 20.2.25


Titel „Bleibt die Brandmauer?“ Damit können auch nur Deutsche etwas anfangen. Klar, „Brandmauer“ ist ein deutsches Wort. In diesem Zusammenhang bedeutet es für die älteren Parteien, sich nicht mit den Rechtsextremen zu verbünden, die sich in der Alternative für Deutschland (AfD) versammelt haben und immer mehr Mitglieder bekommen. Und in dem Fall, wenn auf Kreisebene von der AfD ein vernünftiger Vorschlag vorgebracht wird und die anderen Parteien ihn eigentlich ablehnen müssten, weil er von der AfD stammt. Funktioniert die Brandmauer nicht mehr. Je mehr Situationen dieser Art kommen her, desto höher die AfD im prozentualen Bereich zunimmt. Damit sind hier auch schon mal 20 Seiten überblättert.

Im „Peking Dilemma“ wird auf Kanzler Merz Pekingbesuch hingewiesen. März CDU hat bisher keine eigene China-Strategie entwickelt. So kann er nur unverbindliche Wörter plaudern, sich ein paar kämpfende Roboter ansehen und dann wieder abziehen, mit der immer stärker werdenden Gewißheit, dass China Deutschland, was Technologie angeht, hinter sich gelassen hat.

Über die Ukraine haben wir schon genug gelesen. Und das Trump die Änderung des Klimas für nicht so wichtig hält, wissen wir auch schon. Dafür gibt’s doch Air-Conditioning. Und Vietnamesen als Altenpfleger nach Deutschland. Die wurden abgezockt, monatelang nicht bezahlt.

Unter „Das 500-Milliarden-Ding“ wird der Zuschuss angesprochen, der für die Erneuerung der Infrastruktur in Deutschland vorgesehen ist. Er heißt Sondervermögen. Oft können Beträge gar nicht ausgegeben werden, weil die Verwaltungen überfordert sind. Die Kapazitäten sind nicht vorhanden. Das richtig zu steuern, wäre Aufgabe einer KI. Menschen sind dazu nicht in der Lage.

Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit der EU-Ansicht, dass erst mal die Europäer dran sind, für sich zu bauen, herzustellen oder zu entwickeln. Dazu gibt es viele Gegenstimmen. Was ist, wenn alle anderen Länder mit weniger Bürokratie Objekte kaufen, die gleich eingesetzt werden können, während Europa nicht weiß, welches Land es am besten kann?

Lt. Spiegel sind die Kräfte in Deutschland blockiert. Aber das schrieb ich schon mal. In den USA wird viel mehr umgezogen. Die Leute gehen dahin wo sie gute Jobs finden. In Deutschland gräbt sich jeder ein. Unter Umständen wird das mal anders. Aber die Zukunft ist völlig offen. 

giovedì, marzo 12, 2026

Newsletters:


 

Aus Bloomberg – Eveining Briefing:

Die IEA (International Energy Agency) erklärte sich bereit, 400 Million Barrel aus seinen Notölreserven auszugeben. Eine der größten Freigaben.

Porsche wird mehr Mitarbeiter freisetzen und seine E-Vehicle-Strategy neu formulieren, sagte der neue CEO Michel Leiters. In China hat Porsche seit 1920 ständig mehr Umsatz eingebüßt.

Südafrika ermahnt den amerikanischen Botschafter wegen dessen Bemerkungen, die mehr Spannungen zweichen den beiden Ländern erzeugen könnten. Der Botschafter sagte, Trump würde die Geduld verlieren, weil seinen Wünschen nach der Politik dort und der Außenpolitik Südafrikas nicht Rechnung getragen würde.

Iran wäre bereit, den Krieg zu beenden, wenn sich die USA und Israel bereiterklärten, Iran in Zukunft nicht mehr anzugreifen.

Neun Liquified Natural Gas-Tanker, auf dem Weg nach Europa änderten ihren Kurs und befinden sich nun auf dem Weg nach Asien. Es ist anzunahmen, dass das Geld dort lockerer saß.

Aus Bloomberg – Businessweek Daily:

Kommen US-Waffen gegen die Irans Drohnenflut an? Es ist noch alles offen.

Aus Manager Magazin – Der Tag:

Die Gründer von BionTech Ugur Sahin und Özlem Türeci werden die Firma verlassen. Sie war bekanntlich eine der Erfinderfirmen des Covid-RNA Impfstoffes. Nach der Bekanntgabe stürzte die Aktie von Biontech bis zu 20 % tiefer.

Aus Bloomberg – Green Daily:

Im Südwesten der USA geht es bald los: Mit der Hitze. Am Freitag werden in San Francisco 37 Grad Celsius erwartet. Das wäre der wärmste Tag, der an den 29. März im Jahr 1879 herankommt.

Aus Washington Post:

Die letzten Photos von Kriegsminister Hegseth waren nicht zu seiner Zufriedenheit ausgefallen. Aus diesem Grunde wurde für die nächsten zwei Pressekonferenzen das fotografieren von Hegseth verboten.

Aus The Independent – Breaking News:

US beschuldigt wegen eines Überfalls auf eine iranische Schule, in der in den Explosionen eine Reihe von Kindern getötet wurden.

Aus Superintelligence:

OpenAI zieht Sora in seine Chatapp ChatGPT.

Nvida und Mia Murattis Thinking Machines partnern. Nvida stellt Thinking Machines die neuen Vera Rubin Chips für wenigstens 1 Gigawatt zur Verfügung. Thinking Machines wird Kunden änderbare AI-Tools für Unternehmen, Forscher und Entwickler zur Verfügung stellen.

Meta kaufte Moltbook, in dem AI-Agenten posten, kommentieren und miteinander interagieren, während Menschen es nur beobachten können.

ChatGPT stellt ein dynamisches visuell erklärendes Mathesystem vor, dass Nutzer Variablen ändern lässt und mit Formeln interagiert.

Aus Bloomberg – Next Africa:

In Somaliland, das sich vor ein paar Jahren von Somalia losgesagt hat, sind israelische Offiziere und Manschaften dabei auszuloten, wo sie sich niederlassen können, um von dort aus gegen die

Houthis Rebellen tätig werden zu können. - Das bringt Israel in direkte Konkurrenz zur Türkei, die in Somalia Garnisonen unterhält.

Aus Deep View:

Advanced Machine Intelligence will eine bessere AI herausbringen. „Advanced Machine Intelligence is building a new breed of AI Systems that understand the world, have persisent memory, can reason and plan, and are controllable and safe.“

Ja, nun. Das sind die Aussagen von Yann LeCun, Ex-Maga-AI Boss, Professor, einer der Godfather of AI, und er hat 1 Milliarde $ eingesammelt. Doch jetzt beginnt die Arbeit, und im Gegensatz zu Claude, OpenGPT und Gemini, wird die AI von LeCun wohl etwas später kommen, wenn überhaupt.

Aus CNBC-Breaking News:

Und jetzt gehen die Ölpreise wieder nach oben, und die Aktienkurse nach unten.

Aus Bloomberg – Fünf Themen des Tages:

Der deutsche Panzerbauer und Munitionshersteller Rheinmetall hat einen Bericht und Jahresausblick vorgelegt, der Investoren enttäuschte. Der Aktienkurs brach um 6.3 % ein.

Auf der Straße von Hormus sind drei Frachtschiffe getroffen worden.

Aus Bloomberg – Balance of Power:

Chinesische Autoritäten verboten für Chinas Bürocomputer den Einsatz von OpenClaw, die AgentenAI, in der sich Agenten miteinander unterhalten und unter Umständen Daten von einem Computer zum anderen transportieren könnten.

Aus The Economist:

Es fehlt an LNG (Liquified Natural Gas), weil die arabischen Länder ihre Produktion eingestellt haben.

Trophy Wifes sind aus der Mode gekommen. Früher mussten sie zumindest 10 Jahre jünger sein. Doch bei den reichen Paaren der heutigen Zeit, haben sich die Altersunterschiede stark vermindert.

mercoledì, marzo 11, 2026

KI-Tag: Ich war beim Zahnarzt

 

Frage:

War beim Zahnarzt heute. Hatte schon vorher ein paar Sessions, nur um eine Krone eingeschraubt zu bekommen. Meine Frage ist: Geht es nicht schneller?

Könnte man nicht mit einem 3-D Printer einen neuen Zahn herstellen, und den an der richtigen Stelle einpflanzen., nachdem Maß genommen wurde?

Gibt es keine Möglichkeit, dies alles zu automatisieren? So könnte man sich die Sitzungen ersparen, oder?


Antwort von Gemini:

Zahnarztbesuche, die sich über Wochen hinziehen, können in der Tat frustrierend sein. Die gute Nachricht ist: Die Technologie, nach der du fragst, existiert bereits und wird immer häufiger eingesetzt. Dass es bei dir dennoch mehrere Sitzungen gedauert hat, kann verschiedene medizinische oder technische Gründe haben.

Hier ist ein Überblick, wie die Automatisierung in der modernen Zahnmedizin aussieht und wo die Grenzen liegen:

1. "Same-Day Dentistry" (CEREC-System)

Es ist heute bereits möglich, eine Krone in einer einzigen Sitzung zu erhalten. Dieses Verfahren nennt sich CAD/CAM (Computer-Aided Design/Manufacturing).

  • Der Prozess: Statt eines klassischen Silikonabdrucks wird der Zahn mit einem Intraoralscanner digital vermessen.

  • Die Herstellung: Eine Schleifeinheit (ähnlich einem 3D-Drucker, aber subtraktiv, also aus einem Block fräsend) fertigt die Krone innerhalb von 15 bis 30 Minuten direkt in der Praxis an.

  • Das Einsetzen: Die Krone wird sofort angepasst und eingeklebt.

2. Warum dauert es manchmal trotzdem länger?

Auch wenn die Technik existiert, gibt es Gründe, warum Zahnärzte sich für den klassischen Weg entscheiden:

  • Heilungsprozesse: Wenn die Krone auf ein Implantat geschraubt wird (wie du erwähnt hast), muss das Implantat oft erst fest im Kieferknochen einwachsen (Osseointegration). Das dauert meist 3 bis 6 Monate. Würde man sofort die volle Belastung durch eine finale Krone darauf geben, könnte das Implantat verloren gehen.

  • Materialeigenschaften: Hochfeste Keramiken müssen manchmal in speziellen Öfen stundenlang "gesintert" (gehärtet) werden, was in einem Dentallabor oft präziser gesteuert werden kann als in einer schnellen Praxismaschine.

  • Zahnfleischmanagement: Das Weichgewebe muss sich oft erst an die neue Form gewöhnen, bevor die endgültige Krone fest verschraubt wird, um Entzündungen zu vermeiden.

3. Die Zukunft: 3D-Druck und Robotik

Die Automatisierung schreitet stetig voran:

  • 3D-Druck: Während Kronen heute meist gefräst werden, wird der 3D-Druck bereits für Provisorien, Schienen und Bohrschablonen genutzt. Der Druck von finalem Zahnersatz aus Hybridkeramik ist in der Entwicklung und Zulassung.

  • Roboter-gestützte Chirurgie: In den USA und China gibt es bereits Systeme (wie z.B. Yomi), bei denen ein Roboterarm dem Zahnarzt hilft, Implantate mit einer Präzision zu setzen, die händisch kaum erreichbar ist. Das verkürzt die OP-Zeit und verbessert die Heilung.

Fazit

Die Technik für "Zahn to go" ist da, aber sie ist teuer in der Anschaffung für die Praxis und nicht für jeden medizinischen Fall (besonders bei Implantaten) sicher.

Solltest du beim nächsten Mal eine schnellere Behandlung wünschen, könntest du gezielt nach Praxen suchen, die CEREC oder digitale Volumentomographie (DVT) für die Sofortversorgung anbieten.

Frage von Gemini:

Soll ich dir erklären, wie genau so ein digitaler Scan des Gebisses funktioniert, oder interessieren dich eher die unterschiedlichen Materialien für Kronen?

Meine Frage:

 wie funktioniert ein digitaler scan?

Antwort von Gemini:

Ein digitaler Scan (auch Intraoralscan genannt) ersetzt den klassischen „Abdrucklöffel“ mit der klebrigen Silikonmasse. Man kann es sich vereinfacht wie eine hochmoderne Mischung aus einer Videokamera und einem 3D-Kopierer vorstellen.

So läuft der Prozess technisch ab:

1. Die Lichtprojektion (Die Messung)

Der Zahnarzt führt einen handlichen Stab (den Scanner), der etwa so groß wie eine elektrische Zahnbürste ist, über deine Zähne. Das Gerät sendet permanent Lichtstrahlen aus – meistens Laser oder sogenanntes strukturiertes Licht.

  • Strukturiertes Licht: Ein bekanntes Muster (z. B. Linien oder Punkte) wird auf den Zahn projiziert. Da Zähne dreidimensionale Wölbungen haben, verzerren sie dieses Muster.

  • Sensoren: Hochgeschwindigkeitskameras im Scanner erfassen diese Verformungen aus verschiedenen Winkeln.

2. Das "Stitching" (Das Zusammenfügen)

Während der Scanner bewegt wird, macht er tausende Aufnahmen pro Sekunde. Eine leistungsstarke Software im Hintergrund berechnet aus den Verzerrungen des Lichts die exakte Position jedes einzelnen Punktes im Raum (Triangulation).

  • Wie bei einem Panoramafoto am Smartphone werden die einzelnen Bilder in Echtzeit zu einem lückenlosen 3D-Modell zusammengefügt („Stitching“).

  • Du kannst auf einem Monitor meist live zusehen, wie dein Gebiss als digitales Modell „wächst“.

3. KI-Filterung

Moderne Scanner im Jahr 2026 nutzen Künstliche Intelligenz, um das Ergebnis sofort zu säubern. Die Software erkennt automatisch, was zum Zahn gehört und was „Stördaten“ sind (wie deine Zunge, die Wange oder Speichel), und löscht diese Bildbereiche sofort aus dem Modell.

4. Die digitale Datei (STL)

Am Ende des Scans (der meist nur 2 bis 5 Minuten dauert) entsteht eine hochpräzise digitale Datei (meist im STL-Format). Diese Datei enthält die "Punktwolke" deiner Zähne mit einer Genauigkeit von oft weniger als 10 Mikrometern (ein menschliches Haar ist etwa 50 Mikrometer dick).


Der große Vorteil für dich:

  • Kein Würgereiz: Da nichts den Gaumen berührt.

  • Fehlerkorrektur: Wenn eine Stelle unscharf war, scannt der Arzt einfach kurz über diese eine Stelle nach, statt den ganzen Abdruck neu machen zu müssen.

  • Schnelligkeit: Die Datei wird per Mausklick ans Labor oder die Fräsmaschine im Nebenraum geschickt.

 

martedì, marzo 10, 2026

Newsletters


 

Aus Manager Magazin – Der Tag:

Auf dem Aktienmarkt sieht es nicht so gut aus. Klar, wenn die Ölpreise exorbitant ansteigen.

Deutschland ist inzwischen zum 4.größten Waffenexporteur aufgestiegen und hat China überholt.

Die Wirtschaftslage sah im Dezember für Deutschland gut aus. Aber im Januar guckten alle in die Röhre. Großaufträge waren ausgeblieben.

Aus Wired Daily:

Anthropic verklagt das US-Verteidigungsministerium wegen der Supply-Chain Risk Designation.

Aus Superintelligence:

Eon Systems uploaded das Gehirn einer Fliege in eine digitale Simulation, die daraufhin herumlief.

Oracle entläßt 30.000 Angestellte, um mehr Kapital für die Errichtung neuer Datencenter zu haben.

Mehrere Datencenter wurden in den Golfregionen UAE und Bahrein getroffen, beschädigt und zerstört und damit die Sicht, dass die Regionen ein „safe heaven“ für AI-Tätigkeiten seien. Sie wurden hingegen strategischen Militärzielen hinzugefügt.

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

Es zeichnet sich ein erweiterter Krieg ab, nachdem zum zweiten Mal eine iranische Rakete über der Türkei von der Nato abgefangen und zerstört worden war.

Der deutsche Bundeskanzler und seine CDU mussten eine Niederlage bei der Wahl in Baden-Württemberg eingestehen, die knapp an die Grünen ging.

Nigeria ist eines der wenigen Länder in Afrika, die eine eigene Raffinerie haben. Aliko Dangote, der Besitzer, sagte, er wolle seinen Output für Nigeria priorisieren, solange Nigeria ihm genug Öl zur Verfügung stelle.

China warnte Japan, als es einen seltenen Besuch von Taiwans Nr. 3 Beamten zuließ, und klagte Japan an, Spannung zwischen Top-asiatischen Ländern zu erzeugen, nachdem der Taiwanische Premier Cho-Jung-Tai den persönlichen Trip als einen Besuch bezeichnete, das Taiwanische Baseball-Team spielen zu sehen.

Vietnam könnte die Luftfahrtkosten um 70 % steigen sehen. Die laufenden Bestände seien nicht genug, den Preis niedrig zu halten.

Zu Anfang verlangte Trump noch die bedingunslose Kapitulation Irans. Jetzt lässt er verlauten, dass der Krieg bald vorbei sein könnte, und die Ziele frühzeitiger erreicht worden seien. Warten wir mal ab, was er als nächstes sagen wird.

Zum ersten Mal hat Federal Expres UPS als den größten Paketservice der Welt übertroffen.

Aus Deep View:

Der Iran-Krieg wird durch Fake-Videos, die in Instagram, X etc. auftauchen, anders dargestellt.

Aus The Daily Upside:

Das US-Verteidigungsministerium wird müde, seine 4 Millionen $ teuren Raketen gegen iranische Drohnen einzusetzen. Es richtete deshalb letzten Monat das Drone Dominanz Program aus, in dem 25 Drohnenfabrikanten, inclusive 2 aus der Ukraine, einen Wettbewerb ausführen sollten, der dem Sieger 150 Millionen $ zusagte.

Aus The AI-Report:

Anthropic startet den Claude Marketplace, in dem Unternehmen andere Verfahren kaufen können, die mit Claude betrieben werden. Zur Zeit ist es Software vo GitLab, Snowflake, Replit, Harvey (legal AI), Rogo (finance AI) und Lovable.

Aus CNBC-Breaking News:

Ölpreise sinken und Trump sagt, der Krieg könnte jetzt schnell enden. (Hoffen wirs).

US-Kriegminister Hegseth gab bekannt: „Heute wird unser intensivster Tag in Iran sein.“

Aus MIT Technology Review – The Download:

US-Streitkräfte suchen nach einer Waffe, die Drohnen massenweise deaktiviert.

Epirus mag eine dieser Unternehmen sein, die so etwas herstellt.

Aus Next Africa:

Bevor das Mercedes-Werk in East-London, Africa, dicht gemacht wird, ist es besser sich mit einer chinesischen Firma zu verbünden und sie einzuladen, das Werk mit zu benutzen. Die Gespräche sind im Fluss und es könnte wieder aufwärts gehen.

Nach Toyota ist das chinesische Chery die zweitverkaufteste Automarke in Südafrika.

Ghana hat Pasta-importe nach einigen Tagen gesperrt, als die eigene Pasta-Fabrik eingeweiht wurde. Die Maßnahme wurde zum Schutz der eigenen Herstellung beschlossen, die in Ghana als Italia bekannt ist und gewöhnlich mit Waakye serviert wird. Reis und Bohnen.

„Nun, da wir unsere eigene Pasta Fabrik haben, ist es erforderlich, dass wir nicht billige, eingeschmuggelte Paste über unsere Ostgrenze hereinlassen,“ sagte Präsident John Mahama.

Aus The AI-Report:

Anthropic gab Code-Review frei, das von Claude produzierte Software überprüft.

domenica, marzo 08, 2026

Minutennovelle: Zurück


"Müsste auch von hier gehen“, murmelte Elsa-II, „die Koordinaten habe ich“. Sie wandte sich den beiden Männern zu. „Folgen Sie mir“, und ging in eine Wand.

In einem Gang sahen sie, wie zwei Roboter aus einer Tür kamen. Elsas Augen irisierten. Die Roboter blieben stehen.

„Und nun?“, fragte Schmidt. „Ich gebe sie wieder frei. Mal sehen, wo sie hingehen,“ meinte Elsa. Ihre Augen wurden wieder grün. Die Roboter passierten sie, hielten vor einer Tür, öffneten sie und verschwanden.

„Hinterher.“ Mühlensieper stürzte zur Tür, öffnete sie und sah sich einem kleinen Mann gegenüber, der hinter einem Schreibtisch saß.

„Ich bin Dr. Mühlensieper, und das hier ist Dr. Schmidt von der Mordkommission sowie Elsa, meine Assistentin. Wir kommen aus einer anderen Dimension und sind auf der Suche nach zwei Männern, sowie nach zwei eingefrorenen Wissenschaftlern.“

„Oh, mein Name ist Gonzales.“ Er streckte ihnen seine Hand entgegen. „Das mit der Dimension scheint dann zu stimmen. Ich habe es nicht glauben wollen. Die Frau habe ich nur für einen Moment gesehen, dann war sie verschwunden.“ Er blickte Elsa-II an. „Sie sehen ihr ähnlich. Die beiden Männer hingegen habe ich einfrieren lassen.“

„Tauen Sie sie auf, und ebenfalls die beiden Wissenschaftler.“

Wissen Sie, was wir machen?” Gonzales blickte von einem zum anderen. „Wir tauen die vier auf und liefern Ihnen auch einen Gefrier- und Auftauapparat als Gastgeschenk mit. - Uns würde auch das interdimensionale Reisen interessieren. Wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.“ Gonzales schüttelte Schmidt, Mühlensieper und Elsa-II die Hand, sagte etwas zu den Robotern und verließ den Raum.

Die Roboter nahmen die drei in die Mitte und bewegten sich mit ihnen in ein anderes Zimmer, in denen Schneider und Udo in zwei Zylindern steckten. Doch zuerst machten sie sich an zwei anderen zu schaffen, die plötzlich zu summen begannen.

Deckel öffneten sich. Heraus traten 2 Männer in weißen Kitteln und sahen sich an. Die Roboter bewegten sich auf die anderen beiden Zylinder zu, drückten ein paar Hebel. Schneider und Udo waren ebenfalls befreit. Einer der Roboter drückte Schmitt einen kleinen Koffer in die Hand, dann gingen sie.

„Alles in Ordnung, meine Herren?“ Schmidt blickte von einem zum anderen.„Ich kann mich an nichts mehr erinnern“, meinte Udo. „Wo sind wir hier?“

„Später,“sagte Schmidt und blickte Elsa an. Die nickte und ging durch eine Wand. Die sechs folgten ihr ins Kybernetische Institut.