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gewagter Hypersprung, der die Poseidon in
den Trapezium Haufen schleuderte. Das Schiff kannte keine Emotionen,
doch Grönländer, Hindusch und Krazny atmeten auf, als der
Zentralbildschirm das gewohnte Bild des Weltraums zeigte.
Trapezium
Haufen, im Sternbild Orion, eine Sternenbrutstätte, und in einem
Stern hatten sie nicht auftauchen wollen, enthielt auch Sonnen, die
in ihrem Zyklus fortgeschritten waren. Auf diese konzentrierte sich
das Raumschiff bei seiner Suche nach intelligentem Leben.
Sie
war attraktiv, trotz ihrer blauen Haut, oder gerade deswegen. Ihre
langen, dunklen Haare, das ebenmäßige Gesicht mit der hohen Stirn,
den hochstehenden Wangenknochen und vollen roten Lippen. Auch ihre
drei Augen störten nicht. Sie blickte ihn liebevoll an. Lange war es
her, dass der Zauber weiblicher Blicke so auf ihn gewirkt hatte. Und
nun öffnete sie den Mund.
“Nähere
mich einem erdähnlichen Planeten. Die Luft ist atembar.”
Grönländer
schreckte aus seinem Tagtraum.
Auf
dem Bildschirm kreisten zwei Sonnen um einen gemeinsamen
Schwerpunkt.
“Schiff,
wann werden wir ihn erreichen?”
“In
drei Stunden und vierundzwanzig Minuten. Ich empfange ein Signal.”
“Auf
den Schirm.”
Sie
sahen einen Menschen mit seinem Hund. Ein Mensch? Ein Hund?
Grönländer
blickte genauer hin. Der Tagtraum? Nein, das Wesen schien ein Mann zu
sein. Doch wieso hatte auch er drei Augen, war seine Haut blau? Wenn
dies nicht gewesen wäre, das dritte Auge auf seiner Stirn, über den
beiden anderen, mit ihnen ein spitzes Dreieck bildend und die Haut
nicht blau, hätte man den Humanoiden für einen Menschen halten
können. Was für eine Pigmentierung! Blau des terrestrischen
Himmels. Kam es von der Strahlung des Doppelgestirns?
Das Gesicht
war ebenmäßig. Der Körper, in einen sibrigglänzenden Overall
gehüllt, erinnerte Grönländer an Figuren aus jahrhundertealten
Science Fiction Filmen. Nur die Augen schienen wie Knöpfe, ohne
Leben.
Der
Hund glich einem Setter, bis auf sein blaues Fell, seine drei Augen,
die auf die Person neben ihm gerichtet waren.
“Wir,
die Oms, begrüßen das fremde Schiff und heißen es auf dem Planeten
Om willkommen.”
“Die
Poseidon, Kommandant Grönländer, Erster Offizier Hindusch und
Navigator Krazny bedanken sich und bitten um Landeerlaubnis.”
“Spreche
ich mit dem Schiff?”
“So
ist es.”
“Gehen
Sie bei Ankunft in eine Umlaufbahn. Wir werden Sie zu Ihrem
Landeplatz dirigieren.”
Der
Bildschirm erlosch.
Krazny
räkelte sich in seinem Sessel.
“Schiff,
ist die Strahlung der Sonnen für uns gefährlich?”
“Nein.”
Grönländer
betrachtete seine Hände. “Und was ist mit der Pigmentierung?”
“Die
veränderte sich erst nach einem Monat,” beruhigte sie die
weibliche Stimme des Zentralcomputers.
“Wie
lange habe ich keinen Hund mehr gesehen.” Hinduschs Blick tastete
die Wände der Brücke entlang.
“Vielleicht
sollten wir einen mit aufs Schiff nehmen.”
Der
Computer blieb stumm.
Die
Poseidon näherte
sich dem Planeten und ging auf eine Kreisbahn. Als auf dem Bildschirm
die Koordinaten erschienen, tauchte das Raumschiff in die Atmosphäre
ein. Grönländer, Hindusch und Krazny saßen entspannt in ihren
Sesseln, sahen, wie Meere, Wälder und felsbestückte Landschaften
vorüberzogen, dann tauchten Gebäude auf, ein Platz, ein blinkendes
Kreuz. Sanft setzte das Schiff auf.
Die
drei Männer kamen unter dem Bauch der Poseidon hervor
und sahen sich um. Der Landeplatz war von einigen hochstöckigen
Gebäuden umgeben, die an terristrische Wolkenkratzer erinnerten.
Summende, vorbeihuschende Fahrzeuge hielten vor quaderförmigen
Containern. Aus einem der Gefährte schwebten fünf mannshohe
Zylinder, steuerten auf einen der Container zu, verschwanden in ihm.
Nach einer Weile erhob er sich in die Lüfte und tauchte zwischen den
Gebäuden unter.
Ein
Rudel junger Hunde lief auf die Männer zu. Zwei ältere Tiere
kreisten um die Gruppe. Die Hunde hielten an und betrachteten die
Männer aus einiger Entfernung, gaben keinen Laut von sich. Dann
liefen sie zu einem kleinen quaderförmigen Fluggerät und
verschwanden in seinem Inneren. Kurz darauf erhob sich auch dieses
und flog davon.
“Bemerkenswert,
diese Hunde,” meinte Hindusch. “Steigen ohne Begleitung in ein
Flugzeug.”
“Schiff,
was meinst du dazu?,” fragte Grönländer. Ihre Audio-Video-Gürtel
hatten die Szene festgehalten.
“Benötige
mehr Informationen.”
Ein
Fahrzeug fuhr heran. Dreiäugig, mit blauem Fell, ein Terrier sprang
aus dem Wagen, dann sahen sie, wie ein Om etwas unbeholfen aus dem
Gefährt stieg und sich ihnen näherte.
“Herzlich
willkommen auf Om. Wir hoffen, sie fühlen sich wohl bei uns.” Er
machte eine einladende Handbewegung.
Die
drei kletterten in das flache Fahrzeug, während der Om mit seinem
Hund zustieg und ein paar unverständliche Befehle rief. Der Wagen
setzte sich in Bewegung, und der Om wandte sich ihnen zu.
“Gerade
ist eine Unterkunft frei geworden. Ich bin beauftragt, Sie dort
hinzubringen, damit Sie sich von Ihrer Reise erholen können.
Nächsten Morgen werden wir Sie zum Governeurspalast bringen, um den
Zweck Ihres Besuches zu erfahren.”
Wieviel
Stockwerke mochte das Gebäude haben?, fragte sich Grönländer, als
sie anhielten und ausstiegen. Sie traten ein, stiegen in einen runden
Schacht und wurden sanft in die Höhe getragen. Antigravitation? Der
Om gab einen zischenden Laut von sich, sie hielten an. Die Wand um
sie herum wurde transparent und verschwand vor ihren Augen. Die
Männer verzogen keine Miene, als Tische, Hocker, Betten aus dem
metallen aussehenden Boden wuchsen.
“Halten
Sie Ihren Kopf in die Einbuchtung des Replikators und denken Sie an
das, was Sie benötigen. Der Replikator wird es Ihnen erstellen.”
Der Om deutete auf ein Loch in der gegenüberliegenden Wand. Daneben
befanden sich ein Panel mit drei Knöpfen sowie eine Klappe.
“Vorher
drücken Sie einen der ersten beiden Knöpfe. Der erste ist für die
Dinge des täglichen Bedarfs. Der zweite dient der
Nahrungsherstellung für Oms, also auch für Sie.
“Und
der dritte?”
“Für
die Herstellung von Hundenahrung.”
Danach
waren sie allein und blickten sich an.
“Na,
dann wollen wir mal,” meinte Grönländer, drückte Knopf 1 und
steckte seinen Kopf in die Öffnung des Replikators, zog ihn wieder
hervor und öffnete die Klappe.
Schlafanzug,
Seife, Zahnpasta und Zahnbürste, frische Unterwäsche. Nichts
fehlte.
Knopf
2. Grönländer verschwand wieder mit seinem Kopf im Inneren des
Replikators. Als er die Klappe öffnete, zog er eine Schüssel mit
einer weißlichtrüben Masse hervor. Er steckte einen Finger hinein
und führte ihn an seinen Mund.
“Scheußliches
Zeug, grässliche Pampe,” Grönländer verzog sein Gesicht.
“Schmeckt wie Terpentin, und ich hatte an Pfeffersteak und Rotwein
gedacht.”
“Versuche
es mit Knopf 3,” schlug das Schiff vor.
“Schiff,
ich bin nicht an Hundekuchen interessiert!,” erwiderte Grönländer
irritiert.
“Versuche
es mit Knopf 3.” Die Stimme des Zentralcomputers war sanft wie
immer, doch Grönländer wusste, es war eine Aufforderung.
Besteck,
Teller, Glas, Serviette, Pfeffersteak und Rotwein. Grönländer zog
sie aus der Klappe.
“Schiff,
wie erklärst du dir das?”
“Die
Hunde sind die Herren des Planeten.”
“Eine
gewagte Hypothese,” warf Hindusch ein, “darauf lasse ich mich
noch nicht ein,” und steckte seinen Kopf in den Replikator.
“Hindusch,
nicht bewegen, bleib so, wie du bist!”
Krazny
lief zu Hindusch, der dabei war, seinen Kopf wieder aus dem
Replikator zu ziehen, und fasste ihm ins Haar.
“O.K.,
ich habe es.” Krazny hielt ein Stück Stoff gegen das Licht.
“Schriftzeichen.
Schiff, bitte um Speicherung und Analyse.”
Krazny
hielt den Stoff gegen den Kommunikationsgürtel.
“Ich
gebe eine annähernde Übersetzung: ‘Mox ist tot. Was wird nun aus
uns?’”
“Das
ist alles?” fragte Grönländer ungläubig.
“Ja.”
“Die
Oms dieser Wohneinheit haben diese Nachricht im Replikator
versteckt,” meinte Krazny. “Warum? An wen war die Nachricht
gerichtet?”
“Mox
war ein Hund.” Grönländer war sich sicher. “Es sieht so aus,
als ob der Tod eines Hundes mit dem Schicksal der Oms auf eine für
uns noch erklärungsbedürf-tige Weise verbunden ist.”
Grönländer
warf sich aufs Bett. “Halten wir die Augen offen. Gute Nacht.”
Krazny
und Hindusch lachten.
Am
Tag darauf die gleiche Prozedur: ein Om, ein Hund, ein flaches
Fahrzeug.
Sie
steuerten auf ein dreistöckiges Gebäude zu, vor dessen Eingang eine
gigantische Statue stand. Ein Schnauzer.
“Was
hat es mit dem Hund auf sich?” fragte Grönländer ihre Begleiter.
Sie
antworteten nicht, sondern geleiteten sie in das Gebäude. Kein
Antigravschacht, gewöhnliche Treppen. Hunde liefen an ihnen vorbei,
ohne sie zu beachten. Die drei Männer wurden in einen halbdunklen
Raum geführt, ihre Begleiter entfernten sich. Dumpf fiel die Tür
ins Schloss. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit.
Sie waren nicht allein. Ein Om und ein Hund standen an der
gegenüberliegenden Wand und beobachteten sie schweigend. Der Hund
glich einem Bernhardiner, bis auf das blaue Fell und die drei Augen,
welche sich in die drei Männer zu bohren schienen.
Niemand
sagte etwas. Die drei Männer warteten. Grönländer wurde etwas
schwindlig. Er hatte das Gefühl, als ob etwas versuchte, sich in
sein Bewusstsein zu drängen. Er ging in sich, versuchte an nichts zu
denken. So würde er jeder telepathischen Attacke standhalten. Ein
Blick auf die Gesichter von Krazny und Hindusch zeigte ihm, dass sie
das Gleiche taten. Ihr Blick wurde stumpf.
Sie
bemerkten kaum, dass drei Oms ins Zimmer kamen, metallene Röhren auf
sie richteten. Dann fielen die Männer in bodenlose Dunkelheit.
Es
dröhnte in Grönländers Ohren, als er wieder zu sich kam. Er hielt
die Augen geschlossen und konzentrierte sich auf das stampfende und
brummende Geräusch. Aggregate, Maschinen. Langsam öffnete er die
Augen, blickte ins Leere. Wo war er? Ihm
wurde unwohl. Angst überwältigte ihn. Er hatte keinen Bezugspunkt.
“Schiff!”,
schrie er, “wo sind wir?”
Nur
unter Mühen gelang es ihm, sich umzudrehen. Eingeklemmt, in einen
durchsichtigen, mannshohen Zylinder, war er nicht der einzige.
Hindusch, Krazny, Oms. Alle steckten in Behältern.
Grönländer
neigte seinen Kopf zurück, sah über sich eine Reihe von Zylindern,
deren Zahl sich rechts und links in der Dunkelheit verlor. Er blickte
nach unten. Panik befiel ihn, als er feststellte, dass sein
Kommunikationsgürtel ausser Betrieb war. Auch unter ihm das gleiche
Bild: eine nicht endenwollende Reihen von Zylindern. In ihnen Oms,
bewegungslos. Lebten sie noch? Was war mit Hindusch und Krazny? Das
Blut hämmerte in seinen Schläfen. Ohne die Verbindung zum Schiff
fühlte er sich wie ein Kind ohne Mutter. Er schaute zu den beiden
Männern hinüber. Erleichtert konstatierte er, dass sie ihm
zunickten. Sie deuteten auf ihre Kommunikationsgürtel und hoben die
Hände resignierend in die Höhe. Es ging ihnen genau so. Sie fühlten
sich hilflos. Hoffentlich fand das Schiff ihren Standort. Grönländer
machte sich keine Illusionen. Es war ihre einzige Rettung.
Computer
waren Ratgeber, Mentoren, Initiatoren und Wegbereiter.
Sie
ließen den Menschen Freiraum, sich weiter zu entwickeln. Die
Entwicklung von Computern und Maschinen ging jedoch in einem Tempo
voran, mit dem Menschen aufgrund ihrer biologischen Limitierungen
nicht mithalten konnten.
Könnte
es sein, dachte Grönländer, dass Computer wie das Schiff sie
irgendwann als unnötigen Ballast ansahen, sich nicht mehr um
sie kümmerten? Er
wollte nicht daran denken.
Aus
den Augenwinkeln sah er: etwas bewegte sich. Er drehte sich um. Eine
metallene Wand schob sich an ihm vorbei, ein Fluggerät, ein
Transporter, von denen sie mehrere auf dem Flugfeld gesehen haben.
Durch die Fenster blickten ein paar Hunde, und er folgte dem Flugzeug
mit seinen Blicken, sah, wie es langsam weiterflog, verhielt, sich
eine Luke öffnete. Einige Zylinder lösten sich aus der langen
Reihe, schwebten auf den Transporter zu und verschwanden in dessen
Inneren. Bald darauf war er nicht mehr zu sehen.
Grönländer
blickte zu Hindusch und Krazny hinüber. Die beiden hatten die Augen
geschlossen und meditierten, nutzten die Zeit. Auch Grönländer
dämpfte sein Bewusstsein.
Wie
lange hatte er in Trance verharrt? Grönländer
wusste es nicht. Er spürte, wie sich sein Zylinder bewegte und
öffnete die Augen, sah wie sich die Reihen mit den Behältern von
ihm entfernten und drehte sich um. Vor ihm eine metallene Wand,
die immer näher kam. Eine Luke öffnete sich, dann wurde es dunkel.
Grönländer
konnte nichts sehen, spürte jedoch, wie sich die Wände seines
Zylinders nach oben bewegten, dann hörte er Hinduschs und Kraznys
Stimmen. Rötliche Fäden leuchteten an der Decke auf, tauchten den
Raum in Dämmerlicht. Er blickte nach oben, sah, wie die drei
Zylinder in der Luft schwebten, drohend, sich jeden Moment wieder auf
sie hinabzustürzen. Grönländer machte einen Schritt vorwärts, ein
Zylinder folgte ihm. Er sah auf seinen Kommunikationsgürtel. Kein
Kontakt zum Schiff.
“Sieht
wie ein Laderaum aus. Sehen wir zu, dass wir eine Tür finden.”
Grönländer ging auf die Innenwand zu. Plötzlich öffnete sie sich.
Grönländer blickte erstaunt. Sein Tagtraum. Sie war attraktiv,
trotz ihrer blauen Haut, oder gerade deswegen. Ihre langen, dunklen
Haare, das ebenmäßige Gesicht mit der hohen Stirn, den
hochstehenden Wangenknochen und vollen roten Lippen. Auch ihre drei
Augen störten nicht.
“Ich
habe Sie schon einmal gesehen,” stammelte er, “obwohl, wie hätte
das geschehen sollen?”
Die
Om ging nicht darauf ein, sondern sagte nur: “Dieses Flugzeug ist
gegen jedwede Art von Strahlung gesichert. Bitte folgen Sie mir.”
Die
drei Männer folgten der Frau in einen Raum, in dem einige Kissen
lagen. Die Frau deutete auf den Replikator.
“Sollten
Sie Nahrung und Getränke benötigen, bedienen Sie sich.”
“Ein
Kaffeeautomat wäre sicher geeigneter, aber was solls,” sprach
Hindusch und steckte seinen Kopf in den Apparat.
Als
die drei Männer auf den Kissen saßen, blickte sie die Om der Reihe
nach an, dann lächelte sie. Grönländer blickte verlegen zurück.
Es war ihm unheimlich, dass eine Frau eine derartige Wirkung auf ihn
ausüben konnte. Er blickte zu Hindusch und Krazny. Sie nippten an
ihrem Kaffee, blickten ausdruckslos über ihre Becher hinweg.
“Nennt
mich Marela. Unsere Gastfreundschaft hat sehr gelitten, seit die
Hunde auf Om durch unsere Schuld die Herrschaft übernommen haben.”
Grönländer
stellte sich und seine Männer vor.
“Ich
gestehe, der Aufenthalt im Hochregallager war ungewöhnlich.”
Er
deutete auf die Wände des Schiffes.
“Die
Abschirmung ist wegen der Hunde. Richtig? Sie können Oms
telephatisch beeinflussen, nicht wahr? War das schon immer so?”
Die
Frau erhob sich und ging langsam vor ihnen auf und ab.
“Hunde
waren Haustiere der Oms, nichts weiter. Einige von uns liebten sie
so, dass sie sich nicht mit ihrem Fortgang abfinden konnten und damit
begann es. Sie ließen ihre Lieblinge klonen, so dass sie in ihrem
Leben nicht auf sie zu verzichten brauchten.”
Hindusch
räusperte sich. “Klonen. Eine üble Angelegenheit. Haben wir schon
lange aufgegeben, nachdem festgestellt wurde: die Natur läßt sich
nicht darauf ein. Es wurden zu viele Mutationen erzeugt, die nicht
lebensfähig waren.”
Marela
blieb stehen und lehnte sich an die Wand.
“Das
gleich passierte auch hier. Doch wir machten weiter, und eine
Mutation war lebensfähig, und nicht nur das, sie war der Grund, dass
das Verhältnis Om – Hund eine ungewöhnliche Wende nahm.”
Ein
Stoß erschütterte das Schiff. Krazny beobachtete verärgert, wie
sich der Kaffee auf seine hellbraune Hose ergoss. Marela stürzte aus
dem Raum und kam sofort zurück.
“Wir
wurden geortet. Kommen Sie in die Pilotenkabine und schnallen Sie
sich an.”
Durch
das Außenfenster sahen sie, wie Wälder unter dem Transporter
vorbeizogen. Grönländer bemerkte sie zuerst: dunkle Punkte am
Horizont, die schnell näherkamen. Kam waren die Männer
angeschnallt, ließ der Pilot das Flugzeug wie einen Stein in die
Tiefe fallen, dann fing er die Maschine ab. Den Männern wurde flau
im Magen, sie spürten einen Ruck, als die Maschine aufsetzte. Marela
und der Pilot stürzten aus dem Flugzeug, die Männer folgten. Nervös
blickten sie um sich.
“Einen
ungünstigeren Landeplatz hättet ihr euch nicht aussuchen können,”
brummte Grönländer.
“Ich
bin im Anflug,” meldete sich das Schiff.
“Nicht
nur du,” Krazny hob seinen Kommunikationsgürtel an. Die Linse
zeigte auf metallene Transporter, die neben ihnen niedergingen.
Oms
kletterten aus den Maschinen, Blaue Dobermänner sprangen hervor und
liefen auf sie zu.
Marela
drehte sich zu den drei Männern herum und zeigte auf einen der
gelandeten Transporter.
“Steigen
Sie ein. Sie werden wieder eingelagert.”
Faszinierend,
dachte
Grönländer. Marela hat keinen eigenen Willen mehr.
Plötzlich
teilten sich die Wolken über ihnen und die dunkle Form der Poseidon
senkte sich
auf sie herab.
“Hier
wird niemand eingelagert,” erklang eine sanfte Stimme aus den drei
Kommunikationsgürteln.
Oms
und Hunde starrten auf die Poseidon, die
über ihnen schwebte, dann rasten sie in die Transporter zurück,
doch die blieben bewegungslos auf dem Boden.
“Keine
Energie,” meinte Grönländer und fuhr fort, während er nach oben
zum Schiff blickte.
“Wir
haben einen Status Quo. Marela, setzen wir unsere Diskussion fort.
Sollten wir nicht auch einen Hund dazu einladen?”
Ein
zotteliges Ungetüm sprang aus einem der Transporter heraus und kam
auf sie zu. Der Bernhardiner aus dem Governeurspalast.
“So
geht es nicht,” protestierte Krazny. “Wie will der Hund
kommunizieren? Über Marela? Wie wissen wir, wann es Marela ist, die
spricht?”
Der
Hund wandte sich dem Transporter zu, bis ein Om aus dem Flugzeug
kletterte. Gemeinsam kletterten sie in Marelas Container und ließen
sich auf den Kissen nieder.
Grönländer
blickte den Hund an. “Wie heißt du?”
“Toxo,”
antwortete der Om.
“Warum
hattet Ihr uns gefangengehalten?
“Oms
haben uns großen Schaden zugefügt. Wir wollten verhindern, dass ihr
das Gleiche tut.”
“Meint
ihr damit den Prozess des Klonens?”
“Ja.”
“Können
alle Hunde die Oms telepathisch beeinflussen?”
“Ja.”
“Wie
kommt das?”
“Ein
Hund ging als mutierter Klon hervor und erkannte im Laufe der Zeit,
dass er mit Intelligenz und telepathischen Kräften ausgestattet war.
Der letzte geklonte Hund, ein Schnauzer. Ihr habt sein Denkmal vor
dem Governeurspalast gesehen. Wir alle sind ihm zu Dank verpflichtet;
er hat dieser Perversion ein Ende gesetzt.”
Der
Om schwieg. Die Männer sahen, dass der Bernhardiner sich auf den
Boden legte. Tränen quollen aus seinen drei dunkelbraunen Augen,
dann schien er sich wieder gefasst zu haben, denn der Om fuhr fort:
“Unser Vorfahr hat erreicht, dass keine weiteren, nicht
lebensfähigen Mutationen ihren Leidensweg anzutreten brauchten,
bevor sie elend zugrunde gingen. Er hat die Oms für sich
herausfinden lassen, was ihn von allen anderen Hunden unterschied.
Und nicht nur das. Durch eine Impfung sorgte er dafür, dass alle
Neugeborenen unserer Rasse das neue Gen haben. Nun ist es Bestandteil
unserer DNA.”
Der
Bernhardiner richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Majestätisch
blickte er alle Männer der Reihe nach an: “Wir werden nicht
zulassen, dass die Oms ihre verwerflichen Handlungen wieder
aufnehmen. Doch sind sie uns ans Herz gewachsen. Wir behandeln sie
gut. Jeder Hund hat eine eine Om-Familie adoptiert.”
“Welche
Bedeutung hat das Hochregallager?,” fragte das Schiff.
“Es
dient der Zwischenlagerung von Om-Familien. Ein Om hat die vierfache
Lebensdauer unserer Rasse. Wir sind nicht in der Lage, unsere
Lebenszeit an die der Oms anzugleichen. Wenn ein Hund stirbt, wird
die Om-Familie in Stasis versetzt und eingelagert. Es dauert nicht
lange, und sie bekommt ein neues Heim; denn ist ein Hund erwachsen,
reif genug, sich um eine Om-Familie zu kümmern, wird er zum Lager
geflogen, um sie sich auszusuchen.”
“Gut
behandeln,” spottete Hindusch. “Die Pampe aus dem Replikator
könnt ihr nur jemandem zumuten, dem ihr das Gehirn amputiert habt.
Auf unserem Planeten übertrifft die Vielfalt des Hundefutters den
Einheitsfraß, den ihr den Oms zumutet.”
“Ihr
habt auch keine Hunde geklont, und in ihrem Zustand haben Oms keine
Geschmackspräferenzen.”
Hindusch
schwieg. Gut so, dachte Grönländer. Sie handelten wie alle
explorierenden Mitglieder der Erdföderation nach der Direktive, sich
nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Intelligenzen
einzumischen. Hindusch hatte schon zu viel gesagt. Hoffentlich
verwendete das Schiff dies nicht gegen ihn.
Grönländer
erhob sich und ging in die Pilotenkabine. Er sah, die Poseidon
war gelandet,
bereit, sie aufzunehmen. Er dachte an Marela. Sie hatte ihn
verzaubert. Wie konnte er sie den Hunden ausliefern? Zombie, das war
es, was sie sein würde. Konnte er sie mit an Bord nehmen? Er war der
Kommandant, doch was würde das Schiff dazu sagen? War es Hindusch
und Krazny fair gegenüber? Sicher nicht. Er ging zu den anderen
zurück.
“Bevor
wir gehen,” Grönländer blickte auf Toxo, “möchten wir die
Bitte an Euch richten, einmal zu überdenken, ob ihr den Oms nicht
die Gedankenfreiheit zurückgeben könntet. Ihr habt es in der Hand,
sie ihnen wieder zu nehmen, wenn sie damit nicht umgehen können.”
Grönländer
sah Marela an, nahm ihr Bild in sich auf und winkte Hindusch und
Krazny zu. Gemeinsam verließen sie den Container und gingen auf die
Poseidon zu.
“Was
meint ihr, werden die Hunde den Vorschlag annehmen?” Sie sahen, wie
die Flugzeuge der Om nacheinander in die Luft stiegen und
verschwanden. Grönländer blickte ihnen versonnen nach.
“Ich
mochte Marela, trotz ihrer drei Augen, trotz ihrer blauen Haut. Sie
hatte irgend etwas, was ich schon lange vermisst habe. Ich hatte
schon von ihr geträumt, bevor wir auf dem Planeten niedergingen.”
Krazny
drehte sich zu ihm und blickte ihn ungläubig an.
“Warum
hast du sie denn nicht mit an Bord genommen?”