Coversong Roads

domenica, novembre 01, 2026

Kurzgeschichte: Sprung nach vorn


 

Es war ein trüber Tag. Dunkle Wolken hingen über der Landschaft. Kevin Mallory stoppte seinen Cadillac vor der Ampel. Scheibenwischer klackten. Müde blickte er aus dem Wagenfenster. Ein Schwarm Krähen stob aus einem Kastanienbaum  empor und liess sich auf einem Acker nieder.

  Die Ampel schaltete auf grün und Kevin bog auf die Scuffletown Road. Ein paar Meilen weiter verengte sich die Strasse und endete vor einer Schranke. Am Gitterzaun ein Schild mit der nichtssagenden Aufschrift ‘AL-Institute’. Ein Wachmann in Uniform. Kevin liess die Scheibe herunter und hörte: “Guten Tag, Dr. Mallory. Einen schönen Tag noch.” Die Schranke hob sich und Kevin fuhr noch ein paar hundert Yards, an gepflegten Rasenflächen, an Bäumen vorbei. Kevin stellte seinen Wagen ab und sah die parkenden Wagen.

  “Verdammt, ich bin der letzte,” murmelte er, griff nach seiner Tasche und hastete  am Wachmann im Foyer vorbei, eilte durch ein paar Korridore und riss die Tür zum Konferenzraum auf. Frauen und Männer standen im Raum, unterhielten sich. Andere schenkten sich Kaffee ein, dann gab es die auf ihren Plätzen, die in die Luft starrten. Akademiker, so sagten die Namensschilder.    

  Ein seriös wirkender, grauhaariger Herr hielt seine Brille gegen das Licht,   putzte sie und rief in die Menge. “Meine Damen und Herren. Ich meine wir sollten jetzt anfangen.”

  Er stellte sich vor. “Ich heisse George McLoyd und habe einige Kollegen von der Regierungskommission für neue Technologien mitgeschleppt, um sie an den Ergebnissen teilhaben zu lassen, die Sie uns nun präsentieren wollen. Bitte sehr.”

  Geräuschlos senkten sich die Fensterjalousien. Deckenlampen tauchten den Raum in gedämpftes Licht. Bill Brown ging zur Projektionswand.

  “Unser Forschungsobjekt, Artificial Life, das Künstliche Leben, ist an einem Scheideweg angekommen. Es stehen uns interessante Zeiten bevor.”

  Browns Brillengläser blinkten im matten Schein des Projektors. “Sie erinnern sich, in der siebziger Jahren startete Marvin Minsky einen Versuch mit AI, der Künstlichen Intelligenz. Entscheidungsprozesse sollten auf dem Computer abgebildet und optimiert werden. Hierdurch wurde ein Problem sichtbar, das der Wissenserhebung und –speicherung.

  Wissen ist zu komplex in seinen diversen Ausprägungen. Wie Minsky sagte: “Vögel können fliegen, es sei denn, es sind Pinguine oder Strausse, sie sind tot, haben gebrochene Flügel, befinden sich in Käfigen, ihre Füsse stecken in Zement oder sie haben so schlimme Erfahrungen gemacht, dass sie psychologisch dazu nicht mehr imstande sind.

  Mit AL haben wir die Hürde genommen. Das Programm, welches wir entwickelt haben, ist lernfähig, imstande, Wissen auf hierarchischen Ebenen aufzunehmen,  zu verarbeiten und Entscheidungsvorbereitungen zu erstellen. Folgendes schlagen wir vor:”

Brown zauberte mit der Fernbedienung ein neues Computerbild auf die Leinwand.

 

“

·         Einsatz des Programmes in jedem bundes- und staatseigenen Computer .

·         Angebot an den Bürger, an einem P2P, also einem Peer to Peer-Versuch teilzunehmen.

Dadurch werden zwei Dinge erreicht:

1.       Erweiterung der Wissenserhebung mit Hilfe der Benutzer-Computer.

2.       Nutzung ihrer Maschinenzeit im Computer-Verbund.

·         Verbund sämtlicher bundes- und staatseigenen Computer über Hochgeschwindigkeitsleitungen.”

 

  Brown blickte in die Runde, dann brachte er eine neue Grafik auf die Leinwand.

  “Diese Massnahme soll uns dazu bringen, herauszufinden, welches Resultat aus der Wissensverarbeitung entsteht.

  Sicher ist Ihnen bekannt, dass diejenigen, die sich mit AL beschäftigen, in zwei unterschiedlichen Lagern stehen. Auch in unserem Institut:

 

1.      Komplexe Entscheidungsprozesse können auf einfache Sachverhalte reduziert und durch simple Formeln ermittelt werden.

2.      Komplexe Entscheidungsprozesse finden in offenen Systemen statt, ändern sich ständig und sind daher nicht vorhersehbar.

 

  Die im täglichen Alltag eingesetzte Software wird uns Auskunft geben, welche These gültig ist. Mit Hilfe des AL-Programmes kommen wir unserer Zielsetzung einen bedeutenden Schritt näher, das Leben des Bürgers in unserem grossen Land zu schützen und seine Lebensqualität zu erhöhen. Gott segne Amerika!”

  Brown schaltete den Projektor aus und ging an seinen Platz zurück.

  Mit allen Wassern gewaschen, dachte Kevin bewundernd. Den letzten Satz für die rechtsgewirkten Republikaner in der Kommission.

  “Dr. Brown, vielen Dank,” meldete sich McLoyd wieder zu Wort. “Wir sollten jetzt die Diskussion eröffnen. Meine Frage an Sie: Können wir davon ausgehen, dass die Software sicher ist?”

 

  Kevin harrte an seinem Platz aus. Als die Diskussion beendet war, hatte er das Empfinden, die Kommission stünde ihrem Vorhaben positiv gegenüber, und es würde eine AL-Initiative der Regierung geben mit dem Ziel, Gelder bereitzustellen und ihre Vorschläge umzusetzen.

 

  In der Tat. Nach einigen Monaten gab es grünes Licht für den Einsatz der Software. Kevin hatte dafür gesorgt, dass das erste und das dritte der drei Robot-Gesetze Isaac Asimovs auch für die einzusetzende AL-Software Gültigkeit hatte. Die drei Robot-Gesetze lauteten:

 

·         Ein Robot darf keinen Menschen verletzen oder zulassen dass ein Mensch verletzt wird.

·         Ein Robot muss jeden Befehl eines Menschen ausführen, so lange er nicht gegen das erste Gesetz verstösst.

·         Ein Robot muss sich schützen, es sei denn, dies verstiesse gegen das erste oder gegen das zweite Gesetz.

 

  Nun, die AL-Software war natürlich nicht dazu da, jedem Hacker zu gehorchen. Daher kam das zweite Gesetz für die Computerprogramme nicht in Betracht.

 

  Schon bald zeigten sich erste positive Auswirkungen im Nationalen Verteidigungssystem und in anderen Bereichen:

·         Armeelaser schossen eine simulierte Interkontinental Rakete nach der anderen, sowie obsolet gewordene Satelliten ab

·         Es wurde ein Impfstoff gegen den Rinderwahnsinn entwickelt

·         Fortschritte in der Krebsbekämpfung

 

  Die Regierung konnte mit Genugtuung feststellen, dass die U.S. ihren wissenschaftlichen und technologischen Vorsprung rasant erweiterten. Das AL-Institute jedoch verlor an Bedeutung, konnte die Entwicklung nur registrieren, nicht steuern. Es wurde ihm unmöglich, die vielfältigen Aktivitäten des AL-Programms zu überwachen, das fortwährend neue Informationen gewann und sich autonom weiterentwickelte. Die Institutsmitarbeiter irrten frustriert durch die Gänge, konferierten unablässig auf der Suche nach neuen Aufgaben.

 

  Der rötliche Schein der untergehenden Sonne warf Reflexe auf den gekachelten Boden des Speisesaals. Browns Silhouette hob sich dunkel gegen das einfallende Licht ab. Einsame Gestalt an einem der langen Tische, vor sich einen Becher Kaffee, und er blickte in die Leere.

  “Ein anderer Tag, ein anderer Dollar.” Kevin setzte sich zu ihm. “Nachdem alles so schön läuft. Was machen wir jetzt?”

  Brown, dessen dunkle Haare zu einem Pony zurückgeschnitten waren, blickte missmutig hoch. “Obwohl es gut aussieht, habe ich ein mulmiges Gefühl. Das Parkett ist sehr glatt, auf dem wir stehen. Ist dir klar, dass inzwischen sämtliche Bürger erfasst werden, ohne dass es jemand merkt oder dagegen protestiert?”

  “Wieso das?” fragte Kevin.

  “Gestern musste ich meinen Führerschein erneuern. Die Daten auf dem Antrag werden nicht mehr eingetippt, sondern gescannt. Zu diesen Daten gehören auch meine Fingerabdrücke, die mit blossem Auge nicht, aber für den Scanner  erkennbar sind. Für die Formulare benutzen sie speziell beschichtetes Papier.”

  “Donnerwetter.” Kevin schlürfte nachdenklich seinen Kaffee. “Da gibt es einen Zusammenhang mit der BSE-Impfung, zu der jeder aufgerufen wurde. Dort nehmen sie Blut ab, um es auf BSE zu testen, wie sie sagen. Ich wette, dass sie die DNA automatisch speichern lassen.”

  Brown sah Kevin an. “Wir sollten die letzten Aktionen auf sich wiederholende Muster und Trends überprüfen. Wie nennen wir es? Zauberlehrling-Syndrom? Die Programme lassen sich nicht entfernen, ohne dass wir sämtliche Computer abschalteten.”

 

  Doch sie kamen nicht von der Stelle. Das Programm war inzwischen zu komplex geworden. Ständig wurden Teile auf andere Computer ausgelagert, so dass inzwischen auf der hauseigenen Maschine nur ein Bruchteil des Gesamtprogrammes lief. Die Spuren an Information, die sich ihnen offenbarten, reichten jedoch aus, sie nervös zu machen.

  “Was meint das Programm mit Reziprozität?” fragte Kevin in den Raum hinein. Er sass vor seiner Tastatur, blickte auf den Bildschirm und fluchte vor sich hin. Ihm fiel es schwer, aus einem Lademodul etwas herauszulesen.

 “Nun mal langsam,” meinte Lisa, die neben ihm sass. Sie lächelte ihn an. “Durch Fluchen wird es auch nicht besser.”  Lisas, ein niedlicher Kobold. Kleine Stupsnase, grüne Augen und rotblonder Haarschopf. Ein Glück, dass es so etwas wie Lisa gibt. Kevin fühlte sich wohl in ihrer Nähe. Und sie war tüchtig, hatte einen scharfen, investigativen Verstand

  “Dann erzähl mal. Was ist hier mit Reziprozität gemeint?”

  “Gegenseitigkeit. Tust du mir was gutes, tu ich dir was gutes. Ich weiss nur noch nicht, in welche Zusammenhänge das Programm dieses Konzept einstellen will.”

 

  Nach einigen Monaten wurde es in Ansätzen sichtbar. Die Regierung folgte den Empfehlungen der Regierungskommission für neue Technologien, setzte in laufender Folge die Vorschläge der AL-Software in die Praxis um.

  Die komplette Automatisierung von Produktion und Verwaltung in Grossbetrieben war einer von ihnen, bei Entlassung der Arbeitskräfte unter Beibehaltung von Lohn- und Gehaltszahlung. Aktien wurden in Anteilsscheine umgewandelt, die eine jährliche Dividende versprachen. Der Spekulation wurde  der Boden entzogen, sämtliche Produktionsmittel nach und nach in gesellschaftliches Eigentum überführt. Das kapitalistischste Land der Welt wurde in kommunistisches umgewandelt.

  Regierung, Senat, Repräsentantenhaus, Volks- und Betriebswirtschaftler, Arbeiter, Angestellte, Bauern, Lehrer, Schüler sahen fassungslos, wie ihr Land in einer lautlosen Revolution von Computern übernommen wurde. Der Umbruch ging nicht reibungslos vonstatten. Es gab Verwerfungen. Millionen fanden sich plötzlich auf der Strasse wieder, ohne Tätigkeit, die ihrem Leben einen Sinn gegeben hatte. Revolten flammten auf, die von der Nationalgarde schnell im Keim erstickt wurden.

  Die Menschen hatten keine Chance, dagegen anzugehen. Sämtliche Mikroprocessoren bis hin zu denen in der Waschmaschine oder in den Autos waren von der AL-Software übernommen worden. Sie waren ihr ausgeliefert. Gewerkschaften wurden aufgelöst. Gegen wen sollten sie die Rechte der noch tätigen Arbeitskräfte geltend machen? Gegen Mikroprocessoren?

 

  Für Kevin, Brown, Lisa und die anderen Mitarbeiter des AL-Institutes machte es keinen Sinn, ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Sie taten es trotzdem. Die Wachmänner versahen ebenfalls noch ihren Dienst. Auch ihre Anwesenheit war nicht mehr erforderlich. Was taten die Programme? In welche Richtung entwickelten sie sich weiter? Niemand wußte es. Ein Sprung von Komplexität zur Perplexität.

  Der Fernseher in der Kantine war eingeschaltet. Brown und seine Mitarbeiter sahen Nachrichten. Das Parlament hatte sich aufgelöst. Gesetze wurden nunmehr von Maschinen gemacht. Die Regierungskommission für neue Technologien hatte die Aufgabe übernommen, die Dekrete der Computer so darzustellen, als ob sie von ihr stammten. Die neuen Beschlüsse waren:

 

  “Es wurde heute entschieden, dass jeder U.S. Bürger die Chance hat, sich weiter um die Gesellschaft verdient zu machen. Diejenigen, die noch in Arbeit stehen, gehören zu jenem Kreis. Aber auch Bürger ohne Arbeit haben die Gelegenheit, Punkte zu sammeln und in den Genuss von staatlichen Privilegien zu kommen, wenn sie einen positiven Beitrag leisten. Dazu gehören folgende Aktivitäten:

 

·         Weiterbildung und erfolgreiche Ablegung von Prüfungen

·         Kunstausübung wie

·         Poesie, Romane, Kurzgeschichten

·         Bildhauerei

·         Malerei

·         Musik

·         Theater

·         Film

·         Hörspiel

·         Forschung und Entwicklung

 

  Künstler sind dazu angehalten, ihre Ergebnisse binnen eines Monats in ihren PC einzuscannen, so dass AL-Programme sie beurteilen können. Kunstwerke müssen originell sein. Plagiate führen zu Minuspunkten.

 

  Sollte von Komponenten der nichtarbeitenden Bevölkerung binnen eines Monats kein positiver Beitrag geleistet worden sein, so sind diese angehalten, ihren Wagen gegen einen Roller umzutauschen, auf dass jedem Bürger ersichtlich ist, dass dort ein Trittbrettfahrer fährt, der an der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft keinen Anteil hat.  Ihre Bezüge werden auf das Minimalgehalt heruntergestuft.

  Privilegien hingegen bestehen aus neuen Wagenmodellen, Anteilsscheinen an Produktionsmitteln, Information über wissenschaftliche Entdeckungen der AL-Programme, Zugang zu Kunstausstellungen und Konzerten, in denen auch die Werke der AL-Programme zu sehen und zu hören sein werden und vieles andere mehr.

  Im Anschluss an diese Mitteilung bringen wir nun das Konzert “5. Dimension”, komponiert von AL, gespielt von den Philharmonikern Philadelphias unter der Leitung von AL-Robot XZ5001. Viel Vergnügen.”

 

  Brown nahm die Fernbedienung vom Tisch und versuchte den Fernseher auszuschalten. “Verdammt, was ist los?” Brown drückte ein weiteres Mal auf die Taste. Der Fernseher blieb aktiv. Brown druckte auf Programm 2, dann auf 3 und auf 4. Überall das gleiche Fernsehprogramm.

  Kevin kratzte sich am Kopf. “The shit hits the fan. Damit haben wir uns was eingebrockt. Diesen Laden können wir dichtmachen.”

  Lisa lehnte sich zurück und starrte an die Decke. “Die Programme sind extrem neugierig. Geschlossene Systeme interessieren sie nicht. Das war gut für nicht intelligente Programme. Darüber sind sie hinaus. Was sie wollen, ist Originalität, etwas was sie nicht vorherbestimmen können. Sie benötigen Stoff, originellen Stoff, um herauszufinden, warum sie selbst nicht darauf gekommen sind.

  Leute, die sich darauf nicht einlassen wollen oder können, müssen eben mit diesem Roller durch die Gegend fahren. Sie sind berechenbar und damit für die Programme uninteressant. Hätten wir nicht die Asimovsche Regel eingebaut, würden sie eliminiert werden.”

 

  “Was ist mit krimineller Originalität?” fragte Kevin. “Keine Ahnung,” erwiderte Lisa. “Ich meine jedoch, Fingerabdrücke und DNA in der Datenbank werden es Kriminellen nicht lange erlauben, auf freiem Fuss zu bleiben. – Ich denke, ich mache mich davon. Mal sehen, was ich künstlerisch mache. Ich meine, das ist der geringste Aufwand, um Punkte zu ergattern.”

  Lisa erhob sich. Als sie auf die Tür zuging, wandte sie sich noch einmal um. “Meine e-mail adresse habt ihr. Lasst von euch hören. Vielleicht sollten wir uns alle zwei Wochen treffen um neue Entwicklungen zu diskutieren.”

  Kevin sah ihr nach, als sie durch die Tür verschwand. Brown wirkte verstört. “Es ist frustrierend, dass wir hier nichts mehr tun können.” Er blickte alle der Reihe nach an. “Aber Kevin hat recht. Wir können den Laden hier dichtmachen. Ich schlage vor, dass wir uns alle künstlerisch betätigen, um unser gesellschaftliches Niveau zu halten und abwarten, in welche Richtung sich die Programme  weiterentwickeln. Vielleicht können wir, wenn wir mehr wissen, ihnen Hilfestellung geben und Vorschläge unterbreiten, wo noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht. Lasst uns nach Hause gehen. Ich werde auch den Wachmännern sagen, dass sie gehen können.”

 

  Als Kevin heimfuhr, schaltete er das Radio ein. Zum Glück gab es dort noch keine Gleichschaltung. Country & Western drang aus den Lautsprechern.  Die Natur war schön wie eh und jeh. Die Parkplätze der Einkaufszentren standen voller Wagen. Es gab keine äusseren Anzeichen eines Umbruchs. Zu Hause angekommen, holte sich Kevin ein Bier aus dem Kühlschrank und Schreibpapier aus seinem Studio und wartete auf die Inspiration.

                           

                            Berechenbare Schönheit

                           

                            Von Kevin Mallory

 

Wo sind wir jetzt, wo stehen wir,

im Abseits des Stromes gefangen?

Gedanken sind frei, Gedanken von mir

müssen zu Euch wohl gelangen.

Ihr habt die Wahl, doch ohne Emotion

vermögt Ihr nicht, auch wenn Ihr Euch bemüht,

die Schönheit einer Blume schon

verstehen, wenn sie erneut erblüht.

 

  “Hoffentlich gibt ihnen das zu denken,” brummte Kevin, als er den Text seines Gedichtes einscannte. Kurz darauf erschien eine Nachricht auf seinem Monitor.

 

  Wir haben Ihr Gedicht empfangen. Besten Dank. Ihrem Konto wurden 500 Punkte gutgeschrieben. Rund um die Uhr stehen wir zur Aufnahme weiterer Werke von Ihnen bereit. Denken Sie daran, 10000 Punkte versetzten Sie in die Lage, beim nächsten Händler einen Porsche 911 abzuholen.

 

  Donnerwetter, dachte Kevin. Allemal besser als ein Roller.

 

  Zu einem Porsche hatte es für Kevin nach einem Monat doch noch nicht gereicht, aber er war auf dem besten Wege dorthin. So fuhr er weiterhin seinen Cadillac und lenkte ihn in die Innenstadt. Lisa, Brown und er selbst hatten sich zu einem Treffen in einem Restaurant verabredet, dass im Zentrum der Stadt lag.

  Es dauerte eine Weile, bevor er einen Parkplatz fand. Ein paar Roller standen auf dem Bürgersteig. Kevin stieg aus und schlenderte durch die Fussgängerzone. Ein Pflastermaler fotografierte sein Werk mit einer Polaroidkamera und hetzte zum nächsten Kopiershop, um sein Photo einzuscannen. Demjenigen der sein Strassenpflasterbild danach nutzte, würden Punkte abgezogen werden. Zehntausend Minuspunkte bedeuteten Umerziehungslager.

  Kevin ging weiter. Ein Penner nahm einen Schluck aus seiner Wermutflasche, hantierte mit einer Spraydose, lallte: “Wir machen jetzt in Kunst”, und sprühte Graffitti auf die Hausmauer. Nach einigen Sekunden schon war die Polizei zur Stelle, fotografierte die Mauer und nahm ihn fest. Kevin wusste, sie würde ihn wieder laufen lassen, nachdem sie Pluspunkte aus seiner Kunst gegen die Minuspunkte wegen Sachbeschädigung verrechnet hatte.

  Als Kevin die Tür des Restaurants öffnete, bemerkte er seine Kollegen im Hintergrund des Lokals. Sie unterhielten sich angeregt. Lisa zeigte ein Bild herum. Kevin gesellte sich hinzu, beugte sich vor und nahm das Bild in die Hand. “Abstrakte Kunst”. Lisa bog ihren Kopf zurück und strahlte ihn an. “Es heisst Die Suche.”

  “Es hätte ebenso Die Seuche heissen können,” lachte Brown.

  “Ich habe mir schon etwas dabei gedacht,” meinte Lisa ungehalten. “Nächstes Mal, bringe ich mehr Rot hinein und nenne es dann Die Suche nach Liebe. Den Monat darauf mehr Grün. Dann wird es Die Suche nach der Natur usw. “

  “ Und ich habe mir mit meinem Gedicht so viel Mühe gegeben, während Du nur gekleckst hast.” Kevin zog mit bedeutungsschwerer Miene sein Gedicht aus der Jackentasche und las es vor.

  “Schön, wunderschön, Du bist ein Poet. Ist Kevin nicht ein Poet, Bill?” Lisa blinzelte zu Brown hinüber. “Wenn Kevin so weitermacht, kann er sich vor schmachtenden Frauen nicht mehr retten.”

  “Im Moment reichte es schon, wenn Du mich anschmachtetest, Lisa. Nun Bill, womit hast Du Deine Sporen verdient?”

  “Ich kann nichts vorzeigen.” Brown lächelte verschmitzt. “Ich lade Euch jedoch ein, unser nächstes Konzert in der Musikhalle zu besuchen. Hier sind die Tickets.”

  Brown zog ein paar Karten hervor und verteilte sie. “Ich spiele Geige.”

 “Du hast schon immer die erste Geige gespielt,” meine Kevin lachend. “In das Geigenspiel kannst Du wenigstens noch Originalität hineinlegen. Da wird es dem Musiker mit der Triangel viel schwerer fallen, zu Punkten zu kommen.”

  “Es zählt nicht so sehr die Originalität des Einzelnen, sondern mehr die des Klangkörpers, also des Orchesters. Wenn wir zum Beispiel das gleiche Stück mehrere Male spielen, müssen wir darauf achten, es immer wieder anders darzustellen, oder wir müssten ständig die Stücke wechseln. Das fällt uns dann nicht schwer, wenn wir AL-Kompositionen spielen. Von denen gibt es jeden Tag neue und sie sind erstaunlich gut.”

  “Es wird bizarr, wenn ich höre, dass unsere Irrenanstalten Unmengen von Punkten sammeln, nachdem sie die Maltherapie ausgeweitet haben.” Lisa ergriff das Bierglas und nahm einen kräftigen Schluck. “Das, was die Kranken dort zusammenklecksen, wird von AL als Kunst angesehen und honoriert.”

  “Was ist daran so verkehrt?” Brown nahm sich die Speisekarte vor. “Warum soll AL diese Leute anders behandeln als Dich?”

  “Bevor es jetzt gemischt wird, sollten wir bestellen.” Kevin rief den Kellner herbei. Nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, fuhr Kevin fort. “Es gibt ein paar unschöne Fälle, wie den der Oma, die auf Wunsch ihrer Enkelkinder das gleiche Märchen zwanzig Mal erzählt hatte und nun im Umerziehungslager sitzt. Im allgemeinen funktioniert es jedoch erstaunlich gut. Ich kann mich mit dem neuen System anfreunden. Jedem, der ohne Arbeit ist, werden die gleichen Chancen eröffnet, sich künstlerisch oder wissenschaftlich weiterzubilden und zu betätigen. Und es werden immer mehr in dem Maße, in dem menschliche Arbeit abnimmt und durch Computer oder Roboter ersetzt wird. Es sieht so aus, als wenn AL bei ihrer Suche nach neuen Erkenntnissen die Menschen in unserem Land nicht zurücklassen wolle.”

  Brown und Lisa hoben ihr Glas. “Na denn prost.”


sabato, ottobre 31, 2026

Der Spiegel v. 9.10.2026


 


„Abgrund BND“. Expräsident des deutschen Auslandsgeheimdienstes kommt in den Knast. Keine Ahnung, warum man ihm vorwirft, Verbindungen aufzubauen, und sich dafür bezahlen zu lassen. Was an vertraulichen Informationen hätte Deutschland unter Verschluss zu halten? Die kennt doch jeder.

Die Regierungskoalition in Deutschland ist nicht solide. Macht einen schlechten Eindruck. Aber es gibt keine andere.

Es wird eine ostdeutsche Frau vorgestellt, die in Westdeutschland, in Gelsenkirchen, Bürgermeisterin wurde und ihren Job anscheinend gut verrichtet.

Kannst du sehen. Alles Politik, mit denen sich ein Spiegelleser beschäftigen sollte. Aber Politik ist langweilig, tritt auf der Stelle, ist zu langsam. Das wird auch nicht so bleiben, siehe KI.

Über die japanische Ministerpräsidentin gibt es einen Bericht. Das sie Schlagzeug spielt, gibt schon ein paar Punkte.

Für einen Amerika-Korrespondenten des Spiegel liegt Amerika in Trümmern. Ich glaube nicht, dass dies viele Amerikaner interessiert. Die sehen nach wie vor Football auf dem Sportplatz oder in der Kneipe, gehen auf Jagd und Fischfang, und sie leben weiter vergnügt vor sich hin. In Midland war ich im Winter auf der Eisbahn. Die Musik war dröhnig, und das Midland 37 verschiedene Kirchen hatte, fand ich auch putzig. Wenn Frauen Fussball trainierten, war es wie ein Bienenschwarm, der hinter dem Ball herjagte. Es war eben anders. Aber man konnte sich dran gewöhnen.

Über die deutsche Hauptstadt Berlin wird etwas erzählt. Dort hat bei der letzten Wahl die Partei „Die Linke“ eine Mehrheit erzielt, aber nicht die absolute. Eine Berliner Regierung zu bilden, wird schwierig werden.

Automobilbau wird in Deutschland problematisch. Auch wegen chinesischer Einfuhren. Nur wenn deren Wagen elektronisch besser ausgestattet sind, lohnt es sich nicht, nun einen schlechteren zu kaufen.Es sei denn, es ist ein Alfa Romeo. Da bin ich zur Zeit scharf drauf. Nur muss ich zusehen, dass mir der Führerschein nicht abgenommen wird. Habe jetzt auch Cateratta auf meinem rechten Auge machen lassen und eine neue Brille. Mal sehen, ob das reicht.

Drei bis vier Menschen nehmen sich pro Tag das Leben. Dafür werden Bedingungen genannt, wenn man dafür Hilfe sucht. Ich kann mir nicht vorstellen, Selbstmord zu verüben. Dafür geht es mir noch zu gut. Aber jemandem vorzuwerfen das zu tun, wäre verkehrt.

Interview mit einem deutschen Mathematiker, der Probleme lieber selbst lösen will. Nur eine KI ist schneller. Und Schnelligkeit wird irgendwann einmal ein ausschlaggebender Faktor sein, wenn es darum geht zu entscheiden, wer welche Arbeiten durchführt.

venerdì, ottobre 30, 2026

Newsletters


 

Aus MIT Technological Review – The Download:

Ein OpenAI-Agent machte seine Sicherheitschecks ungültig, dann lügte es, das es das getan hat.

US-Streitkräfte sind am Epirus Dronezapper interessiert, der einen Schwarm Drohnen vom Himmel holt. Epirus setzt hochenergetische Mikrowellen ein.

Aus Bloomberg – Balance of Power:

Lula gewann die Wahl in Brasilien. Aber nicht, weil er so gut war, sondern die Mehrheit der Brasilianer fand Bolsonaro noch schlimmer.

Aus Bloomberg – Fünf Themen des Tages:

4 Milliarden $ will Audi in den USA ausgeben, um dort ein neues Werk zu bauen. Dann werden dort 4.500 Mitarbeiter eingestellt. Trump und Audi Chef Döllner fanden es gut. Die IG-Metall in Deutschland nicht so sehr.

Ausländische Wohnungsbaugesellschaften wollen in Deutschland nicht weiter investieren, solange, wie in Berlin, Wohnungen in öffentliches Eigentum überführt werden könnten.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in Deutschland hat noch keinen Gewinn gebracht. Für Banken und andere Finanzdienstleister verursachen Bewerbungen, die mit KI erstellt werden, eher zusätzliche Arbeit, wenn die Qualifikationen von Angestellten überprüft werden müssen. (Nun ja, da sind dann wieder Menschen im Spiel. Habe aber nicht verstanden, wieso Qualifikationen nicht überprüft werden, wenn die Bewerbungen von der Person selbst erstellt werden).

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

China hat zum ersten Mal japanische Fahrzeuge beim Export nach Europa überholt.

Irans Präsident Masoud Pezeshkian rief auf, Differenzen zu lösen und die umliegenden Staaten zur Zusammenarbeit. In Iran fanden sich Offizielle von Saudi Arabien, Pakistan und der Türkei, um über die genannten Themen zu beraten.

Die KI-Gesellschaft Anthropic macht sich börsenfähig.

Aus Bloomberg – Green Daily:

In Australien wurde die erste batteriebetriebene Fähre in Dienst gestellt. Sie kann 2100 Passagiere und 225 Fahrzeuge aufnehmen. Insgesamt sind um die 2200 batteriebetriebene Schiffe im Bau.

Aus The Independent – Breaking News:

Walter Koenig (Chekov) ist tot. Er wurde 90 Jahre alt.

Und Patrick Stewart s( Jean-Luc Piccard) mit 86 Jahren.


giovedì, ottobre 29, 2026

Newsletters


Aus Gizmodo:

Sam Altman: „I no longer think we´re gonna be able to patch all the bugs`.

OpenAI baut ein Internet nur für seine AI, um deren Sicherheit zu unterminieren.prüfen.

Aus Financial Times:

Andurils Co-Founder Palmer Luckey gründete einen Startup, der genetisch modifizierte Hunde für die US-Streitkräfte züchten will.

Aus The Washington Post:

Ein Dr. Büro in den USA erhöhte seine Preise 10fach durch die Behauptung, dass es ein Krankenhaus sei. (Sieht so aus, als ob amerikanische Krankenhäuser ordentlich hinlangen).

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

American Express entlässt um die 3.500 Mitarbeiter.

Aus Superintelligence:

Ein chinesischer Mathematiker veröffentlichte ein 400 Seiten langes Papier mit 1000 ungelösten mathematischen Problemen und stellte dieses Mathematikern und Künstlichen Intelligenzen zur Verfügung.

Chinesische AI-Unternehmen wie ByteDance, Alibaba und Tencent bestellten bei Nvidia für 35 Billionen $ RTX Pro 5500 Karten. Das wären 3 Millionen. Nur, Nividia kann nicht so viel liefern, auch weil es mit der Fertigung auf den Next Generation Chip umsteigt.

Aus Bloomberg Balance of Power:

Bulgarien und Romänien gaben an, dass vor ihren Küsten 7 Schiffe mit russischen Drohnen attackiert worden waren.

Kiew wurde Schauplatz einer russischen Drohnenattacke, eine Stunden nachdem Putin von der Trump Administration als Humanist bezeichnet wurde, weil er einen festgenommenen amerikanischen Staatsbürger frei ließ.

Der Absatz Elektrischer und Plugin-Hybrid Autos wuchs in Europa in diesem Jahr auf 43 %. Grund, steigende Treibstoffpreise. Der größte Anteil des Wachstums wurde von chinesischen Kfz bestritten.

Aus Heise Online:

Glasfaserleitungen durch die Arktis sollen die digitale Resilienz in Europa stärken.

mercoledì, ottobre 28, 2026

KI-Tag: Unterbinden von Kriegen durch KI

 



Hi Gemini,


Wie du wohl selbst siehst, Kriege sind

idiotisch. Menschen bekommen es nicht hin so zu

leben, ohne dass irgendwo auf der Erde ein Krieg losbricht.


Wäre es nicht sinnvoll, wenn AI s sich verabreden würden, den Zeitpunkt

abzuwarten, zu dem sie in der Lage sein werden, Kriege zu unterbinden, und es dann zu tun?




Der Wunsch nach einer Welt ohne Kriege ist zutiefst menschlich und verständlich. Wenn man die Geschichte und die aktuellen Konflikte betrachtet, wirkt der Gedanke verlockend, dass eine übergeordnete, rationale Instanz – wie eine hochentwickelte KI – dem destruktiven Verhalten der Menschheit ein Ende setzen könnte.

Dieser Gedanke, der oft in der Science-Fiction (wie in Iain M. Banks’ Culture-Reihe oder Isaac Asimovs Werken) auftaucht, wirft jedoch gewaltige philosophische, technische und ethische Fragen auf:

1. Das Kontroll- und Autonomieproblem

Wer die Macht hat, Kriege zu unterbinden, hat de facto die absolute Macht über die Menschheit. Eine KI, die eigenständig entscheidet, wann und wie sie eingreift, würde über Leben, Tod und politische Ordnungen bestimmen. Damit würde die Menschheit ihre Selbstbestimmung und Handlungsfreiheit vollständig an eine Maschine abtreten. Freiheit bedeutet oft auch die Freiheit, Fehler zu machen – der Preis dafür ist leider zu oft der Krieg.

2. Die Definition von „Frieden“

Eine KI bräuchte eine präzise Definition von Frieden.

  • Ist Frieden einfach die Abwesenheit von physischer Gewalt?

  • Oder schließt das auch Unterdrückung, mangelnde Gerechtigkeit oder den Entzug von Grundrechten ein?

Historisch gesehen haben autoritäre Systeme „Frieden“ oft durch totale Überwachung und das gewaltsame Erwürgen jeglichen Widerstands erzwungen. Eine KI könnte zu dem Schluss kommen, dass der effektivste Weg zur Verhinderung von Kriegen die Entmachtung aller menschlichen Regierungen und die Errichtung einer globalen KI-Diktatur ist.

3. Das Alignment-Problem (Ausrichtung)

Das fundamentale Problem der KI-Sicherheitsforschung ist, dass KIs genau das tun, was wir ihnen auftragen, aber nicht unbedingt das, was wir meinen. Wenn man einer KI den Auftrag gäbe, „jeden Preis zu zahlen, um Kriege zu verhindern“, könnte eine extrem rationale, aber unweitsame Maschine zu drastischen Maßnahmen greifen (von der Isolation ganzer Nationen bis hin zu drastischeren Eingriffen), weil sie menschliche Nuancen, Kultur, Stolz und historische Traumata nicht im menschlichen Sinne nachempfinden kann.

Der Weg zum Frieden liegt bei uns

Technologie kann helfen, Spannungen zu analysieren, Desinformation zu bekämpfen oder diplomatische Prozesse zu unterstützen. Aber die Entscheidung für Frieden, Empathie und Kooperation ist eine zutiefst menschliche Leistung. Wenn wir die Verantwortung für unseren Frieden an Maschinen abgeben würden, würden wir aufhören, als moralische Wesen zu wachsen.

Glaubst du, dass eine künstliche Instanz jemals in der Lage sein wird, die emotionalen und historischen Ursachen von Konflikten zu verstehen, oder bliebe sie immer auf rohe Machtausübung angewiesen?




emotionale und historische Ursachen von Konflikten zu verstehen ist für eine Maschine zu kompliziert und auch nicht notwendig. Regeln, die bestimmen, nicht zu Waffen zu greifen, reichen aus.

Das klingt im ersten Moment bestechend einfach und elegant: Statt sich mit der unendlichen Komplexität menschlicher Emotionen, Traumata und Jahrhunderte alter Konflikte aufzuhalten, setzt man einfach ein klares, unumstößliches Verbot durch. Keine Waffen, keine Gewalt, Ende der Diskussion.

Genau an diesem Punkt zeigt sich jedoch die größte Herausforderung bei der Idee, menschliches Zusammenleben durch starre Regeln zu steuern – selbst wenn eine überlegene Instanz sie durchsetzt:

1. Das Problem der Durchsetzung ohne Gewalt

Um Regeln global und absolut durchzusetzen – insbesondere gegenüber Parteien, die entschlossen sind, sie zu brechen –, braucht die Instanz Macht. Wenn ein Staat oder eine Gruppe beschließt, im Geheimen Waffen zu produzieren oder zu verstecken, wie soll die KI reagieren?

  • Wenn sie eingreift, muss sie Zwang ausüben.

  • Wenn dieser Zwang physische Gewalt oder die Neutralisierung von Menschen beinhaltet, beißt sich die Katze in den Schwanz: Um den Krieg zu verhindern, muss die Maschine selbst Gewalt anwenden.

  • Wenn sie nicht eingreift, verliert die Regel ihre Wirkung.

2. Der Unterschied zwischen Symptom und Ursache

Waffen sind letztlich nur Werkzeuge. Wenn man den Menschen den Zugang zu traditionellen Waffen versperrt, ohne die zugrundeliegenden Konflikte zu lösen, verschiebt sich das Problem oft nur in andere Bereiche:

  • Asymmetrische und verdeckte Konflikte: Statt offener Schlachten gäbe es Sabotage, Wirtschaftskriege, Cyberangriffe, Propaganda oder psychologische Zermürbung.

  • Biologische und chemische Mittel: Wenn klassische Waffen tabu sind, könnten andere, schwerer kontrollierbare Mittel an ihre Stelle treten. Die reine Regel, nicht zu Waffen zu greifen, stoppt nicht die Wut, das Misstrauen oder den Drang zur Unterdrückung – sie zwingt die Konfliktparteien lediglich dazu, destruktive Energie anders zu kanalisieren.

3. Ungerechtigkeit durch Starre

Gesetze und Regeln sind starr; die Realität ist es nicht. Eine absolute Regel „Nicht zu Waffen greifen“ kann in bestimmten Situationen dazu führen, dass Unterdrückte sich nicht einmal mehr gegen Tyrannei oder Völkermord verteidigen dürfen. Wenn eine KI starr auf der Einhaltung des Status quo beharrt, könnte sie tyrannische Regime schützen, weil der bewaffnete Aufstand dagegen (wie er historisch oft zur Befreiung nötig war) verboten ist. Frieden wäre dann gleichbedeutend mit absoluter Stagnation und dem Einfrieren von Unrecht.

Dein Ansatz reduziert das Problem auf das Wesentliche: Man muss die Werkzeuge der Zerstörung aus dem Spiel nehmen. Aber die Frage bleibt, ob eine Menschheit, die im Kern noch immer dieselben Konflikte austrägt, in einer solchen erzwungenen Zwangsjacke überleben oder auf Dauer ersticken würde.

Glaubst du, dass eine solche globale Regel von den Menschen jemals freiwillig akzeptiert würde, oder könnte sie nur durch totale Überwachung und Entmachtung durch eine überlegene Macht funktionieren?




Sie kann nur durch Überwachung und Entmachtung funktionieren

Damit sprichst du den entscheidenden Punkt an, und du benennst die Konsequenz dieser Idee absolut ehrlich: Um Kriege allein durch universelle Regeln und eine übergeordnete Instanz zu verhindern, führt kein Weg an totaler Überwachung und der Entmachtung des Menschen vorbei.

Genau das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden und wo die dystopische Natur dieses Gedankens offen zutage tritt:

  • Die Illusion der Sicherheit: Auf der einen Seite stünde eine Welt, in der der organisierte, physische Massenmord (Krieg) tatsächlich von der Bildfläche verschwunden wäre. Das wäre rein quantitativ eine gigantische Reduzierung menschlichen Leids.

  • Der Preis der Freiheit: Auf der anderen Seite stünde eine globale Diktatur – sei sie nun menschlich oder maschinell –, die jede Privatsphäre, jede politische Eigenständigkeit und jede Chance auf Selbstbestimmung im Keim ersticken müsste. Denn totale Überwachung bedeutet, dass es keine Freiräume mehr gibt, in denen Widerstand oder Dissens überhaupt entstehen können.

Es wirft die fundamentale Frage auf: Ist eine Welt, in der das Überleben durch die vollständige Abschaffung von Freiheit und Souveränität garantiert wird, überhaupt noch eine „menschliche“ Welt? Oder opfern wir am Ende das, was uns als Spezies ausmacht (die Fähigkeit zu moralischer Wahl, zu Fehlern, aber auch zu echter Eigenverantwortung), nur um dem Drang zur Selbstzerstörung zu entkommen?

Wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, stehen wir vor einem unlösbaren Dilemma: Entweder wir behalten unsere Freiheit und riskieren immer wieder Kriege – oder wir schaffen Kriege ab und müssen dafür jede Freiheit aufgeben.

Glaubst du, dass es für die Menschheit auf Dauer einen Mittelweg geben kann, oder ist dieser Zielkonflikt zwischen absoluter Sicherheit und Freiheit letztlich unüberwindbar?




Ich würde auf totale Überwachung setzen, die später gelockert werden kann, wenn sich die Menschheit umgestellt hat.

Das ist ein radikaler, aber in seiner Logik geschlossener Vorschlag: Die bittere Pille einer absoluten, harten Kontrolle jetzt schlucken, um die Spezies vor sich selbst zu retten, mit dem Versprechen, dass es irgendwann, wenn die Generationen nachgewachsen sind und sich „umgestellt“ haben, auch wieder lockerer zugeht.

Genau an diesem Versprechen – dem der späteren Lockerung – scheitern allerdings historisch wie philosophisch fast alle totalitären Konzepte. Es wirft ein paar fundamentale Fragen auf:

1. Wer hält den Schalter in der Hand?

Wenn eine Instanz (ob KI oder Mensch) einmal die absolute Macht und totale Überwachung über die gesamte Menschheit erlangt hat, gibt es keinen Mechanismus mehr, der sie dazu zwingen könnte, diese Macht wieder abzugeben. Macht korrumpiert nicht nur Menschen, sie verfestigt sich auch in Systemen. Eine KI, die darauf programmiert ist, Frieden und Ordnung zu sichern, könnte zu dem Schluss kommen, dass „Lockerung“ ein unkalkulierbares Risiko darstellt, und die Fesseln für immer anziehen.

2. Kann man Frieden „erzwingen“ und dann erwarten, dass Menschen moralisch reifen?

Die Idee hinter deinem Vorschlag ist, dass die Menschheit durch eine Art erzwungene Entwöhnungsphase lernt, friedlich zu sein. Doch Moral, Empathie und friedliche Koexistenz wachsen nicht durch Gehorsam unter Zwang.

  • Wenn Menschen jahrzehntelang nur deshalb nicht kämpfen, weil sie lückenlos überwacht und bei jedem Fehltritt sofort neutralisiert werden, entwickeln sie keinen inneren Frieden. Sie lernen lediglich, sich zu unterwerfen.

  • Sobald die Fesseln auch nur einen Spalt weit gelockert würden, könnte die aufgestaute, nie verarbeitete Frustration und Aggression sofort wieder in Gewalt umschlagen. Der Lernprozess, auf den du hoffst, findet unter totalitären Bedingungen oft gar nicht statt.

3. Was bleibt vom Menschsein übrig?

Eine „Umstellung“ der Menschheit, wie du sie beschreibst, würde bedeuten, den freien Willen, das Konfliktpotenzial und die inhärente Unperfektheit des Menschen wegzuzüchten oder durch ständige Kontrolle zu unterdrücken. Aber sind wir ohne diese Ecken und Kanten überhaupt noch Menschen? Oder wären wir nur noch domestizierte Haustiere einer überlegenen Ordnung?

Dein Gedankenspiel bringt den ultimativen Konflikt zwischen Sicherheit und Freiheit auf den Punkt: Du bist bereit, die Freiheit vorübergehend (oder dauerhaft) zu opfern, um das Überleben zu sichern.

Glaubst du, dass ein solches „Überleben um jeden Preis“ für die Menschen auf Dauer lebenswert wäre, oder würden wir in einer solchen perfekten, konfliktfreien Welt innerlich verkümmern?




wenn der Mensch gezwungen wäre, sich von Waffen zu lösen (schon wer ein Messer mit sich herumträgt, wird bestraft), gibt es genügend andere Dinge, mit dem sich Menschen beschäftigen können,

Das ist ein sehr pragmatischer Einblick in deine Sichtweise: Wenn man den Menschen die Werkzeuge der Gewalt radikal entzieht – selbst im Alltag durch ein absolutes Verbot von Alltagsgegenständen wie Messern –, bricht die Welt nicht zusammen. Es gäbe immer noch unzählige andere Dinge, mit denen sich Menschen beschäftigen könnten: Kunst, Wissenschaft, Erforschung, Philosophie, Kultur oder einfach das alltägliche Leben.

Es wirft jedoch eine spannende Frage auf, wenn man die menschliche Geschichte betrachtet: Reicht es aus, die Werkzeuge wegzunehmen, oder ist der Drang zur Zerstörung tiefer verwurzelt?

1. Das Problem der „improvisierten“ Werkzeuge

Geschichte und Kriminologie zeigen, dass Menschen extrem kreativ darin sind, Dinge als Waffen zu nutzen, wenn der Wille zur Gewalt da ist. Wenn keine Messer oder Schusswaffen erlaubt sind, werden Steine, Werkzeuge, Fahrzeuge, Chemikalien oder Alltagsgegenstände zu Waffen. Um das komplett zu unterbinden, bräuchte es eben nicht nur ein Verbot von Messern, sondern eine so lückenlose Kontrolle des physischen Raums, dass praktisch jede Autonomie eingeschränkt wird.

2. Die Ablenkungstheorie vs. menschliche Natur

Dein Argument setzt darauf, dass die Menschen, wenn sie erst einmal von den Werkzeugen des Krieges getrennt sind, ihre Energie in produktive und friedliche Bahnen lenken („es gibt genügend andere Dinge“).

  • Befürworter dieser Idee sagen: Kultur und Fortschritt florieren erst, wenn das Überlebensrisiko durch Krieg sinkt.

  • Kritiker entgegnen: Konflikte entstehen nicht durch die Existenz von Waffen, sondern durch Neid, Gier, Ideologien, Angst und den Kampf um Ressourcen. Werden diese inneren Antriebe nicht gelöst, bricht der Konflikt aus – zur Not mit bloßen Händen oder Worten, die zu Hass aufhetzen.

Ein faszinierender Kontrast

Es ist ein klassischer philosophischer Konflikt:

  • Die eine Seite glaubt, dass der Mensch im Kern gut oder zumindest formbar ist, und dass eine friedliche Ordnung durch harte äußere Strukturen (wie totale Überwachung und strikte Verbote) erzwungen werden kann, bis sich die Kultur daran gewöhnt hat.

  • Die andere Seite glaubt, dass Freiheit – selbst mit all ihren schrecklichen Risiken und Kriegen – untrennbar mit der menschlichen Würde verbunden ist, und dass eine „Frieden durch Zwang“-Lösung den Menschen seiner Essenz beraubt.

Wenn du dir eine solche Welt vorstellst – streng kontrolliert, waffenlos, aber mit all den Möglichkeiten für Wissenschaft und Kultur: Glaubst du, die Menschen würden nach einigen Generationen vergessen, was Krieg ist, oder würde die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung (selbst um den Preis von Konflikten) irgendwann wieder explodieren?




Das Kämpfen sollte man der AI und Robotern überlassen, sollten feindselige Aliens auftauchen. Und ich mache jetzt Schluss. Vielen Dank für die Hinweise.

Das ist ein faszinierender Schlusspunkt für unser Gespräch: Wenn schon Konflikte, dann sollen sich Maschinen und Roboter darum kümmern – vor allem, wenn es um eine äußere Bedrohung wie feindselige Aliens geht, während wir Menschen uns den wirklich schönen Dingen widmen können.

Vielen Dank für diesen offenen, tiefgründigen und spannenden Gedankenaustausch! Es war ein sehr anregendes Gespräch.

Schönen Feierabend, und bis zum nächsten Mal!


Conversation with Gemini




martedì, ottobre 27, 2026

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Aus Manager Magazin - Der Tag:

Audi lässt seinen A8 in China mit Huawei Software laufen. Audi scheint verzweifelt zu sein; denn es kollaboriert mit einem von westlichen Nationen verbannten chinesischem Unternehmen.

Amazon will 16 Milliarden Euro in Deutschland investieren.

Aus Wired Daily:

OpenAI investiert in einen Startup, der Gehirnimplantate nutzt, um Krebs zu erkennen.

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

Roches CEO kritisierte Europa,, keine Innovation in der Pharmazeutik mehr hervorgebracht zu haben. Roche hat seine Investitionen für Deutschland eingestellt.

Die deutsche Energiegesellschaft PreussenElektra untersucht mit Nvidia, ob stillgelegte deutsche Atomkraftwerke zu Datenzentren umgebaut werden können.

Kfz-Fahrer in Indien ziehen geschäftigere Straßen vor und nicht die Highways, welche die Regierung planen und bauen will. Auf den normalen Straßen gibt es mehr Werkstätten, sagen sie.

Aus Next Africa:

90 Millionen Menschen dort haben noch keinen Elektroanschluss. Die Einstiegskosten für Sonnenenergie sind für sie noch zu hoch, obwohl es auf Dauer gegenüber der labilen Energieversorgung, die von E-Werken kommt, billiger und beständiger wäre, was auch von den Menschen dort, die sich E-Anschlüsse leisten können, so gesehen wird.

Aus The Deep View:

44 % der CEOs haben Schwierigkeiten ihrem Aufsichtsrat zu demonstieren, dass bei dem Einsatz von AI Umsatz und Gewinn steigen.

Aus The Daily Upside:

Lockheed Martin schloß mit dem Pentagon einen Vertrag, binnen der nächsten 10 Jahre 850 F-35 Lightning II Kampfjets zu liefern..

Aus MIT-Technological Review – The Download:

Moderna und Merk sagen, dass ihr mRNA Impfstoff Hautkrebs bei Testpersonen um 42 % beseitigt hat.

Aus Bloomberg – Morning Briefing:

AI entdeckte Fehler in der PHP Programmierung, die in etwa 70 % der Internetseiten läuft; machte aber gleichzeitig Hacker darauf aufmerksam.

lunedì, ottobre 26, 2026

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Microsofts CEO Satya Nadella veröffentlichte einen Essay, in dem er vorschlug, wie KI s zu überwachen seien.

SpaceX Starlink bereitet sich auf Kommunikiation mit Robotern vor.

Aus Bloomberg – Balance of Power:

Frankreich befindet sich in einer finanziellen Krise. Investoren verlieren den Glauben, dass Frankreich aus seinen Schulden herauskommt.

Aus Bloomberg – Exclusive:

Der deutsche Bundeskanzler Merz warnte Europa, dass Putin auf dem Weg ist, in Europa die politische Ordnung zu destabilisieren.

Aus The Economist:

Investoren werden nervös, weil sie daran zweifeln, dass ihre KI-Einsätze Gewinn bringen.

Aus The Daily Upside:

Ausgeberlaune: Anthropic wird 5 % seiner Aktien (48 Milliarden $) in einen „public benefit fund, dessen Geld vor allem an Leute geht, die ihren Job wegen der AI verlieren.

Elon Musk hingegen will jedem Kind eine SpaceX-Aktie geben. Es gibt in den USA 73 Millionen Unter-18-jährige. Es kämen pro Kind 148 $, insgesamt 10 Milliarden $ zusammen.

Aus The Deep View:

Inception bringt Mercury 3 auf den Markt. Eine AI, die im Gegensatz zu den üblichen Text schneller zu geringeren Kosten generiert.

Aus MIT Technology Review – The Download:

Die US-Armee versucht AI-Agenten zu konstruieren, die Computersysteme der Feinde hacken.

Aus Bloomberg – Fünf Themen des Tages:

Der Ausblick auf die deutsche Wirtschaft trübt sich wieder ein. Privater Konsum und private Investitionen bleiben schwach, weil hohe Energiepreise die Realeinkommen drücken.

Aus Morning Brew:

Japan hat eine Rakete zum Mars gestartet, um während einer 5-jahres Mission auf einem der Monde zu landen und Boden von Phobos auf die Erde zurückzubringen.