Meinen
Verband, den ich wegen meines gebrochenen Schlüsselbeines tragen
musste, bin ich los. Er wurde mir im Krankenhaus abgenommen. Für 20
Tage soll ich nichts schweres tragen, mit meinem linken Arm. Schmerzt
noch etwas, aber im Grossen und Ganzen bin ich ok. Ist ja schon mal
was.
Mit dem
Business Week Support tauschte ich einige e-mails aus. Freundlich und
hilfsbereit ist er. Doch wer weiss, wie die verschlungenen Postwege
von England nach Italien ablaufen. Mit dem Spiegel habe ich überhaupt
keine Probleme. Mit der BW geht es besser online. Die fehlenden
Ausgaben wurden in meine Business-Week Bibliothek gestellt. Hier ist
wieder eine.
„Welcome
to the election from hell“. Der Gruß aus dem Leitartikel erinnert
mich an eine alte Freundin aus Midland, Michigan, die Nachbarskinder
mit „Creatures from Hell“ bezeichnete. Sind eben alles B-Movie
Fans, so wie ich.
Business
Week hat sich gegen Trump ausgesprochen. So wie jetzt die New York
Times auch. Bei der BW ist es plausibel. Schliesslich hat sich Chef
Bloomberg für den demokratischen Kandidatenjob beworben. Sein
finanzieller Einfluss half nicht, Biden wurde es. Trump hat nach
Meinung Bloombergs und der Business Week zu viel Mist gebaut.
Ambridge,
Pennsylvania
Polizeichef
und Beerdigungsunternehmen fielen Covid zum Opfer. Der größte
Arbeitgeber entlässt 300 Personen. Ambridge, als einzig größere
Stadt (blue) im republikanischen Pennsylvania, tut der Demokratischen
Partei keinen Gefallen, wenn Progressive Mitglieder der Polizei wegen
der Gewalttätigkeit eines Polizisten an einem Farbigen finanzielle
Mittel entziehen wollen.
Ambridge
ist eine Stadt im Rustbelt, Area der Schwerindustrie, die während
der Globalisierung einen Schwächeanfall erlitten hatte. Um die Zone
gesunden zu lassen, zettelte Trump Handelskriege an, die dazu
führten, dass es in Pennsylvania nun 14.5 % Arbeitslose gegenüber
6.6% vor seiner Wahl gibt. Drei Stahlfabriken machten dicht, eine
Mikrobrauerei mit 9 Mitarbeitern öffnete.
Kirchgänger
der New Hope Community Church sind Trump Anhänger und der Priester
verzichtete bald auf Abstandsregeln, auch deshalb, weil die
kalifornische Oberkirche, die Foursquare Church Glaubensheilung
propagiert. Gläubiger werden geheilt, wenn sie glauben. Was soll
dann der Quatsch, wie sie meinen, mit Masken und Abständen?
Dann wurde
die Nachricht verbreitet, das ein Bus mit Black Lifes Matter –
Insassen die Sporthalle besetzen wollten. Die Iron City Response
wurde gerufen. Milizionäre mit Waffen und Kampfanzügen trafen in
der Stadt ein und bewachten die Halle. Doch der Bus kam nie.Werden
die Demokraten dies Jahr wieder gewinnen?
Gerade
erhielt ich diese Ausgabe als Print-Edition via DHL. Ist angenehmer
für die Augen, eine gedruckte Zeitschrift zu lesen, und man muss
nicht den Laptop mit sich herum schleppen, wenn man von Zimmer zu
Zimmer geht. Ok, weiter geht’s.
Tolle
Landschaft, Montana, war ich noch nie. Ich sehe ein Foto, unberührte
Wildnis. Ziemlich kalt zwar. Erinnere mich an eine Frau, die neben
mir im Flughafen Memphis sass und nach Montana weiter wollte, während
ich von Fort Smith, Arkansas kommend zwischen geparkt nach
Greenville, South Carolina musste, wo ich meine Basiswohnung
unterhielt. Die Frau blätterte in einem Body Shaping Magazine.
Soweit ich mich erinnere, war ihr Body schon ganz gut geshaped.
Wusste gar nicht, dass es Magazine dafür gibt. Hier eine URL.
So toll
die Landschaft in Montana auch ist, und die Bevölkerungszahl unter
einer Million kommt nicht mal an die von Hamburg heran, so
uninteressant ist der Inhalt dieses Artikels. Er beschäftigt sich
vornehmlich mit den republikanischen und demokratischen
Spitzenpolitikern, die zur Senatswahl antreten. Vielleicht
interessant, dass in Montana Schwarze einen Bevölkerungsanteil von
weniger als 1 Prozent haben. Weisse 86 Prozent, amerikanische
Indianer 7, Latinos 4, Asiaten und Pazifikbewohner 1 Prozent,
Schwarze noch weniger.
Dies ist
eine Wahlausgabe. Sie versucht im Vorfeld darzustellen, wie
Amerikaner ticken und benutzt zwei Staaten als Modelle für die USA.
Wir hatten Montana. Jezt wird Arizona herangezogen. Da war ich auch
noch nie. Heiss und flach, ist es ein Staat wo der sich als Härtester
Sheriff bezeichnende Arpaio die Undokumentierten Immigranten
gepiesackt hatte. Trump zog ihn als Beispiel heran. Doch irgendwann
war es selbst den ansässigen Republikanern zu viel. Arpaio wurde
nicht wieder gewählt. Business Week macht eine Trendwende aus und
gibt den Demokraten eine Chance. Ich bilde mir keine Meinung, sondern
warte ab. In 3 Wochen ist es soweit.
Business
Week machte den Versuch, die US-amerikanische Bevölkerung zu
klassifizieren und betitelte das Kapitel mit „The Decider“, „die
Entscheider“. Resultat: 9 Gruppen.
Florida´´s
newly Enfranchised; Shy Trumpers, Coronavoters; Double Haters; Racial
Justice Voters; Tired Trumpers; Swinging Seniors; Minority
Mold-Breakers; Hurrican Maria Refugees.
Ohne auf
die Leute näher einzugehen sieht man, dass das Wählerverhalten von
externen Einflüssen bestimmt wird, die wir so in Europa nicht haben.
Trump zum Beispiel. Dass er gewählt wurde, zeigt den Standort eines
großen Teils der amerikanischen Bevölkerung, der von dem, was wir
als normal ansehen, abweicht. Trump und diese Leute sind auf der
gleichen Wellenlänge, die sie als normal ansehen. Sollte Trump
wieder gewählt werden, ist sie es ja auch.
Florida´s
newly enfranchised (entrechtet)
Wer dort
im Knast war, darf nicht wählen. So einfach ist das. Davon sind
immerhin 1.4 Millionen Einwohner betroffen. Durch einige
Gerichtsprozesse wurde der Erlass aufgehoben. Dann trat er wieder in
Kraft. Ausgenommen wurde eine Minderheit, die ihre Prozesskosten
bezahlen konnte.
Shy
Trumpers
Beschweren
sich, dass sie ihre Meinung nicht äußern dürfen. Die bekommen
nicht einmal den AfD-Spruch „Das wird man doch noch sagen dürfen“
über die Lippen. Sie sind wirklich frustiert.
Coronavoters
Anfangs
glaubten sie Trump, als er von hydroxychloroquine erzählte. Doch als
sie ihren Eltern das Medikament gaben und es denen danach noch
schlechter ging, merkten sie, dass Trump von nichts eine Ahnung hat.
Double
Haters
Sie mögen
beide Kandidaten nicht; doch ziehen sie Biden Trump im Verhältnis
von 58 zu 4 vor.
Racial
Justice Voters
Nach dem
Tod des Schwarzen Floyd fühlen sie sich aufgerufen zu wählen.
Sicher nicht Trump.
Tired
Trumpers.
Trump
Wähler, die hofften er würde ein guter Präsident werden.
Swinging
Seniors
Sie
schwingen nach links zu den Demokraten, nachdem sie feststellen,
Trump sei ein Soziopath, ein Lügner, ein Narziss, und ein Bulli.
Darüber habe er in der Corona-Krise versagt und nichts getan, um den
Konflikt mit den Farbigen zu dämpfen.
Minority
Mold Breakers.
Junge
Latinos und Schwarze, die Trump wählen werden. Sie mögen seine
politische Unkorrektheit. Er pfeift auf die Etikette, meinen und
mögen sie.
Hurricane
Maria Refugees
2017 fiel
der Orkan in Puerto Rica ein. 400.000 Puerto Ricaner zogen nach
Florida und bildeten dort mit den dort ansässigen Cubanern die
stärksten Latino-Gruppen. Doch sind 200.000 der Puerto Ricaner noch
nicht registriert und dürfen daher nicht wählen. Sie haben genug
damit zu tun, einen Job zu finden und sich in Florida zurecht zu
finden.
Ab geht
die Post, oder auch nicht. Bevor ich zu Reemstma als Organisator
ging, vorher war ich Verkaufssachbearbeiter in einer
Schokoladenfabrik, also, das war schon ein Karrieresprung, also bevor
ich Organisator bei Reemtsma wurde, hatte ich einen Halbtagsjob in
der Drucksachenverteilstation in Rothenburgsort. Wir kippten Säcke
mit Drucksachen auf ein Laufband , sortierten die nach Postleitzahlen
und warfen sie in die entsprechenden Säcke, so aus 2m Entfernung.
Wenn ein falscher Sack getroffen wurde, beruhigte man uns: Kein
Problem, es fährt ein Laster zwischen den Postämtern herum. Dann
ist gut, dachten wir und warfen weiter.
Die
amerikanische Post ist noch besser, dachte ich; denn ich sah dort auf
den Parkplätzen blaue Briefkästen in Autofensterhöhe. Man fuhr mit
geöffnetem Fenster dran vorbei und warf seinen Brief hinein.
Halloween trugen die Schalterbeamten Kostüme, die Briefmarken, Elvis
zum Beispiel, waren publikumswirksam, und als ich hier in Italien vom
Pferd fiel und 3 Monate meine Rippen, mein Schlüsselbein und meine
Lunge sanierte, brauchte ich nur mein Postamt in Greenville, South
Carolina anzurufen, und sie bewahrten die Post für mich auf.
Hier in
der Business Week geht es nun auch um die Post. Der
Generalpostmeister Louis Dejoy, Anhänger und Spender Donald Trumps,
setzte Sparmassnahmen an; denn die Post hatte ein Defizit von etwa 11
Milliarden Dollar. Der Postschrumpfungsprozess geschieht zu dem
Zeitpunkt, zu dem eine Anzahl von Wählern per Brief wählt. Der
Verdacht kam auf, dass Dejoy Trump gefàllig sein wollte, die
Briefwahl-Zettel nicht bei den Auszàehlungstellen rechtzeitig
ankommen zu lassen, in dem er Briefsortieranlagen und Briefkästen
entfernen liess und Überstunden verbot. Es wird angenommen, dass es
Wähler der Demokraten sind, welche die größte Anzahl von
Briefwahlen durchführen. Doch die Post, welche täglich 433
Millionen Sendungen verarbeitet, kann auch die Briefwahl schultern.
Die
US-Post hat 630.000 Mitarbeiter, von denen 40.000 wegen Corona
ausfielen, und wer in den US kennt nicht den Ausdruck „going
postal“. Dafür, dass jemand einen anderen über den Haufen
schiesst, wie es wiederholt in Postämtern geschah.
Gerüchte
sind entsetzlich. Auch wenn Dejoy versicherte, dass er die
Reorganisation nur betrieb, um die Post fitter zu machen, muss er
jetzt Leibwächter für seine Tochter anheuern, die das Kind zur
Schule begleiten.
Zum
Schluss baut die Business Week einen fiktiven neuen US-amerikanischen
Präsidenten „Bill Lincoln“ auf, der folgende Projekte auf seiner
Agenda hat: Build Resiliance; Protect and Unite; Lift the fog,
Simplify; cut, modernize, sell; stop subsidiying the rich and the
old; a fairer health care system; Educate our masters; Unleash
technology; Go local; Reinvigorate talent; Make government dowdy,
Rebuild the West and expand it;