Coversong Roads

domenica, agosto 02, 2026

Kurzgeschichte: Trugschluss (eine Horsdorp Story)


 

 

   Heinz Ehrlich trat auf die Terrasse hinaus, reckte sich und sah auf seine Tochter hinab, die wie ein Häufchen Unglück auf ihr Lehrbuch starrte. 

  Ehrlich blickte über ihre Schulter.

  “Strohmann Trugschluss. Barbara, was ist denn das?”

  Er setzte sich zu seiner Tochter und nahm das Buch in die Hand.

  “‘Herr Goldberg hat gegen das Gebet in Öffentlichen Schulen argumentiert. Offensichtlich befürwortet Herr Goldberg den Atheismus. Aber Atheismus war das, was in Russland vorherrschte. Atheismus führt zu Unterdrückung aller Religionen und zu einer Substitution von Gott durch eine omnipotente Staatsmacht. Ist es das, was wir für unser Land wollen? Sicherlich nicht. Daher ist Herr Goldbergs Argument unsinnig.’”

  Na, ich hoffe, du hast nun alles verstanden” meinte Barbara mürrisch.

  “Verdammt heiß hier auf der Terrasse, und dabei habe ich schon meine Shorts an. Ich weiß nicht, wie du das aushältst.”

  “Du weichst aus. Na schön, ist auch egal. Ich weiß gar nicht, warum ich mir das hier noch antue.“ Dann setzte Barbara doch zu einer Erklärung an.

  „Also wir haben hier zwei Argumente. Goldberg bringt das erste der beiden Argumente vor. Er argumentiert gegen das Gebet in Öffentlichen Schulen. Eine weitere Person attackiert Goldbergs Argument, in dem sie es einem Argument für Atheismus gleichsetzt. Dann zieht sie gegen den Atheismus zu Felde und schließt, dass Goldbergs Argument unsinnig sei. – Nun hat Goldbergs Argument mit Atheismus nichts zu tun, daher ist das zweite Argument ein Strohmann Trugschluss.”

  “Na was ihr nicht alles auf der Uni lernt. Ich hoffe, du hast deine Pillen genommen.” Ehrlich stand auf und schüttelte den Kopf. “Ich muss zurück ins Geschäft. Sage deiner Mutter Bescheid, dass ich heute im Roten Ochsen zu Abend esse.”

  Barbara vertiefte sich in ihr Lehrbuch und machte Notizen. Nach einigen Minuten legte sie das Buch zur Seite. Die Welt war ihr zuwider, die Menschen in ihr. Sie waren es nicht wert, die Erde zu bevölkern. Man brauchte sich ja nur die Zeitungen anzusehen. Wie versteinert saß sie auf der Bank. Das Panorama vor ihren Augen, die Weiden mit Kühen, Pferden, knorrigen Eichen, es ließ sie unberührt.   

  Der Himmel war wolkenlos und am Horizont sah Barbara die sanften Hügel des Gebirges, wo sich der Donnerberg reckte. Etwa hundert Meter vor ihr, hinter einem Deich verborgen, floss die Wümme. Cisco und Ramses, ihre beiden Pferde, Appaloosa und Quarterhorse, grasten unbekümmert.

 

  Barbara zog sich Reitstiefel an, holte Ramses von der Weide, führte ihn zum Stall, striegelte sein Fell, sattelte ihn und ritt auf den Deich zu. Ramses wechselte automatisch von Trott in den Galopp und preschte den Abhang hoch. Barbara ließ die Zügel locker, hielt ihn in der Gangart. Sie stieg in die Bügel, der Wind pfiff ihr um die Ohren. Ein herrliches Gefühl, in seltenen Augenblicken wie diesen fühlte sich Barbara von der Last befreit, die so schwer auf ihr lag. Sie ritt bis zur Schleuse, hinter der sich Äste und Zweige aufstauten.

  Barbara drehte um und ritt langsam zurück. Erst jetzt fiel ihr der junge Mann auf, der am Flussufer seine Angeln ausgeworfen hatte. Sie versuchte ihn zu ignorieren, doch der Mann blickte zu ihr empor und rief: “Hallo!”

  Barbara hielt ihr Pferd an. “Petri Heil. Schon was gefangen?”

  Der Mann schüttelte den Kopf. “Noch nichts.”

  Barbara ritt den Deich hinab. Der Bursche war jung, um die zwanzig, hielt seine schwarzen Haare kurzgeschoren und trug Brille und Kinnbart.

  “Was angeln Sie denn?”

  “Karpfen. Ich angle auf Grund. Für Schwimmer ist die Strömung zu stark.”

   Barbaras Pferd schnaubte. “in der letzten Zeit hat es in dieser Gegend viel geregnet, auch im Donnergebirge. Das Wasser muss erst einmal abfließen. Was benutzen Sie als Köder?”

  “Mais und Kartoffeln. So wie es aussieht, hätte ich hier erst einmal anfüttern müssen.”

  “Das lohnt immer.” Barbara sah über das Wasser hinweg. “Ich angle auch gern, als Ausgleich zu meinem Studium. Sie sollten es mal unter den überhängenden Ästen versuchen. Dort halten sich die Karpfen auf. Ich hatte dort schon beobachtet, wie sie sich in der Sonne aalen. Sie setzen die Fische doch wohl wieder zurück?”

  “Klar doch. Ist es nicht faszinierend zu wissen, dass Karpfen sich aalen können? Noch nie habe ich einen Aal gesehen, der sich in der Sonne oder sonstwo karpft.“ Er kicherte. „Ich studiere auch.”

  Barbara zwang sich zu einem Lächeln. “Die ideale Gegend zum Ausspannen. Was und wo studieren Sie? Auch in Dünkelskirchen?”

  “Genau dort. Physik. Wir beschäftigen uns zur Zeit mit der Quantenmechanik.”

  “Ich Philosophie. Es hilft jedoch nichts. Ich sehe nur das Schlechte in der Welt. Sie macht mich krank.”

  “Die meisten Menschen vergessen, dass wir nur Gast auf dieser Welt sind und uns dementsprechend verhalten sollten. Es ist verkehrt anzunehmen, dass wir der Natur unseren Willen aufzwingen könnten.”

  “Ich leide darunter. Die einzigen Freunde, denen ich vertraue, sind meine Katzen und Pferde.”

  Der junge Mann schwieg einen Moment. “Ich gebe Ihnen recht. Unsere Kultur ist bis ins Mark verdorben.

Die Wissenschaft sehe ich als einzige brauchbare Alternative, die Welt von ihrer Schlechtigkeit zu befreien. Dafür werden Menschen, die das wollen, Opfer bringen müssen.”

  Barbara war überrascht. So lange hatte sie sich noch nie mit einem Fremden unterhalten. Der Mann schien genau wie sie zu denken.

  “Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen. Barbara.” Sie streckte ihre Hand aus. Der Mann schüttelte sie.

  “Thomas, angenehm. Vielleicht sollten wir irgendwann unser Gespräch fortsetzen.“

  “Heute abend ist mein Vater im Roten Ochsen, da geht es nicht. Wie wäre es Morgen in dem Lokal gegen acht Uhr abends?”

  “Ich werde dort sein.”

  Barbara lenkte Ramses auf den Deich zurück, winkte dem jungen Mann noch einmal zu und ließ das Pferd in einen leichten Trott fallen.

  Ihre Mutter stand mit sorgenvoller Miene auf der Terasse.

  “Da bist du ja, wo hast du denn so lange gesteckt?”

  “Das siehst du doch. Ich muss Ramses noch abreiben. Ach so. Papi isst heute Abend im Roten Ochsen, damit du Bescheid weißt. “

  “Schon wieder?”, murrte ihre Mutter. “Er sollte damit aufhören. Das Essen ist doch nur ein Vorwand für seine Sauferei. Denke daran, du musst noch zur Apotheke.”

 

  Barbara fuhr mit ihrem alten Opel nach Horsdorp. Ihre Mutter hatte recht, auf Antidepressiva konnte sie nicht verzichten. Ohne die wäre sie schon längst in die Wümme gesprungen.

  Sie parkte vor der Apotheke und ging hinein. Barbara sah einige Kunden, die nach Kopfschmerzmitteln anstanden und von Karin, der Apothekerin bedient wurden. Ihr Mann verkaufte die anderen Medikamente.

  “Fräulein Ehrlich, Sie sollten es Dr. Bölling sagen. Es gibt jetzt ein noch wirksameres Mittel gegen Ihre Depressionen. Es heißt Telsac und setzt sich aus paroxetin hydrochlorid zusammen.”

  Barbara wurde rot im Gesicht und blickte verstohlen um sich. Die anderen Kunden taten, als hätten sie nichts gehört.

  “Die genaue Formel ist (-)-trans-4R(4’-fluorophenyl)-3S-[(3’,4’-methylendioxyphenoxy) methyl] piperidin hydrocholrid hemihydrat und das Molekulargewicht ist 374.8. Es hat einen Schmelzpunkt von 120 bis 138 Grad Celsius. Aber so heiss wird Ihnen wohl nicht werden, “ lachte Böckler und drückte ihr die Schachtel Prozac in die Hand. Denken Sie daran Telsac heißt es, Telsac.”

   Barbara brummte der Kopf. Vielleicht sollte auch sie sich vorsorglich wie andere Kunden mit Kopfschmerzmitteln eindecken; denn keiner von ihnen konnte die Apotheke wechseln. Die nächste war etwa dreißig Km entfernt.

 

  Am nächsten Abend ging Barbara in die Gaststube des roten Ochsen und nahm an einem Tisch an der Wand Platz. Es war Samstag, im Festsaal war Schwof. Sie bestellte ein Glas Rotwein. Vor sich sah sie vier Personen am Stammtisch sitzen, unter ihnen Heinrich Böckler in Vertretung seiner Frau, der Apothekerin. Barbara sah, wie Böckler unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschte.

  “Ich glaube, jetzt hat im Festsaal die Polonaise angefangen. Da mache ich doch lieber mit,” meinte er verlegen und erhob sich. Er legte zwanzig Euro auf den Tisch, verschwand durch den Eingang und wurde an diesem Abend nicht mehr gesehen.

  Thomas tauchte auf und sah sich suchend um. Als er Barbara erblickte, setzte er sich zu ihr.

  “Schön, dass Sie gekommen sind, Barbara. Für mich auch einen Rotwein,” rief er der vorbeieilenden Bedienung zu.

  “Lassen Sie mich erklären, woran ich zur Zeit arbeite. Vielleicht können Sie mir helfen.

  Haben Sie schon einmal von Schrödingers Katze gehört?”

  Barbara schüttelte verneinend den Kopf.

  Thomas blickte um sich und sagte leise zu ihr, als sei es ein Staatsgeheimnis.

  “Im Jahre 1935 schlug der österreichische Physiker ein Experiment vor, welches bis heute den Übergang von der Quanten-Physik zur klassischen Physik besonders eindrucksvoll darstellt.

  Haben Sie schon bezahlt, Barbara? Nein? Könnten Sie meinen Wein nachher bezahlen?”

  “Erzählen Sie weiter, Thomas.”

  “Danke. Schrödinger stellte sich eine Kiste vor, die ein Atom, einen Geigerzaehler, eine Flasche mit Giftgas und eine Katze enthielt. Er stellte sich weiter vor, dass das Atom eine 50 % Chance hatte, während der ersten Stunde zu zerfallen. Wenn das geschähe, würde der Geigerzähler einen Hebel umlegen, der die Flasche mit dem Gas zerstörte, das die Katze tötete.”

  Barbara sprang empört auf. “Unerhört!”, rief sie. “Dass du mit Experimenten zu tun hast, die Katzen töten, hättest du mir nicht erzählen dürfen.” Sie verließ die Gaststube, ohne sich umzusehen.

  Entgeistert blickte ihr Thomas nach. Es machte ihn wütend, dass er nun bezahlen musste, dann verschwand auch er aus dem Lokal. In seiner Wohnung angekommen, machte er sich an die Arbeit und polsterte die große Kiste aus, die er sich in der vergangenen Woche zurechtgezimmert hatte.

 

  In den nächsten Tagen fühlte sich Barbara unbehaglicher als sonst. Sie hatte sich über den Computer ihrer Mutter in das Internet eingeloggt und Informationen über Schrödingers Katze angefordert. Ihr war nun klar, dass sie zu heftig reagiert hatte. Es handelte sich um ein Gedankenexperiment, dass Thomas ihr hatte erklären wollen. Barbara sattelte Ramses und ritt auf dem Deich zur Schleuse. Nach einigen Minuten sah sie Thomas, der neben einigen überhängenden Zweigen seine Angel ausgeworfen hatte und ritt den Deich hinab.

  “Hallo Thomas, schon etwas gefangen?”

  “Ja, zwei Karpfen.”

  “Wo sind sie?”

  “In der Wümme. Ich habe sie wieder zurückgesetzt.”

  “Es tut mir leid, dass ich so heftig reagiert hatte. Jedoch, wenn es um Experimente mit Tieren geht, dann hört bei mir der Spaß auf.”

  “Da stimme ich zu. Obwohl es nur ein Gedankenexperiment war, hätte Schrödinger statt einer Katze lieber einen Menschen nehmen sollen.”

  Thomas erhob sich von seinem Hocker und wandte sich Barbara voll zu.

  “Das Konzept von Leben und Tod ist meiner Ansicht nach verkehrt und ich habe es vor zu beweisen.”

 

  Thomas blickte Barbara in die Augen. “Mit der Quantenmechanik können wir zumindest das Gute dem Schlechten gleichsetzen, aber nicht messen. Es käme zur Dekohärenz und das Schlechte würde sich als das Schlechte, das Gute als das Gute manifestieren und wieder hätten wir die klassische Zustandsbeschreibung der Welt, mit der wir nicht zu Rande kommen.”

  Thomas blickte auf seine Angeln, die in ihren Haltern ruhten, dann sah er Barbara wieder an.

  “Mein Experiment wird eine epochale Veränderung nach sich ziehen, wie Menschen Welt und  Leben betrachten.

  Die Welt ist zweideutig, nichts ist sicher. Barbara, denken Sie nur daran, wie Clinton mit den Chinesen umging. Oder unsere Bundeskanzlerin jetzt. Nie waren sie spezifisch, sondern mehrdeutig. Das ist quantenmechanische Politik.”

  Wasserpflanzen bewegten sich. Karpfen wurden unruhig.

  “Wie verhält es sich bei einem Atom? Ein Atom kann Teilchen und Welle sein. Wir sprechen dann von Wellen/Partikel Dualität. Wenn wir es jedoch messen, kann es niemals Teilchen und Welle gleichzeitig sein, dann ist es entweder das eine oder das andere.”

  Thomas hatte sich in Fahrt geredet. Sein Blick glitt nervös über das Pferd. Ramses hatte das Gras schon bis auf einige Millimeter abgefressen und wurde ungeduldig. Barbara hielt die Zügel fest und hing an Thomas Lippen.

  “Warum, so frage ich mich, sehen wir die Welt nicht quantenmechanisch? Das Schlechte würde nicht mehr wahrgenommen, wenn man es nicht misst und daher würde es für jeden sinnlos, Schlechtigkeit erzeugen zu wollen. Ist das nicht ein überzeugendes Argument, das für die quantenmechanische Betrachtung der Welt spricht?”

  “Was kann ich dabei tun?” Ein Windstoß fuhr durchs Schilf. Barbara schauderte.

  “Wir müssen Schrödingers Experiment auf eine reale Basis stellen. Giftgas und Tiere benötigen wir nicht. Was wir brauchen, ist eine Person, die dem Experiment die notwendige Dynamik verleiht, um den Durchbruch mit dem Paradigmenwechsel zu erzielen. Barbara, ich habe dabei an Sie gedacht. “

  Thomas kramte in seiner Hosentasche und zog ein bekritzeltes Stück Papier hervor.

  “Hier ist meine Adresse. Kommen Sie morgen gegen acht Uhr abends in meine Wohnung. Ich werde Ihnen dort alles erklären.”

  Ein Angel zuckte. Thomas griff nach ihr und kurbelte. Barbara sah fasziniert zu, wie ein mächtiger Karpfen hin und herschwamm, an der Schnur riss und sich vom Haken zu befreien versuchte.

Langsam wurden seine Bewegungen matter und Thomas führte die Angel über seinen Kescher. Den hob er an und setzte ihn auf die Uferböschung. Dann nahm er ein Tuch und griff nach dem Fisch, löste ihn vom Haken und setzte ihn sacht ins Wasser zurück. Er schien Barbara vergessen zu haben. Die drückte die Hacken in Ramses Weichen und ritt den Deich empor. Ihr war seltsam zumute. Das Gefühl, was es auch immer war, es war tausendmal besser als das, was sie all die Tage zuvor empfunden hatte.

 

  Am nächsten Abend stand Barbara vor Thomas Wohnungstür und läutete. Die Tür öffnete sich. Thomas bedeutete Barbara schweigend, ihm zu folgen. Im Wohnzimmer stand eine große Holzkiste.

  “Dies ist das Experiment. Ich habe es auf open-end angesetzt. Wenn Sie es auf sich nehmen wollen, Barbara, dann klettern Sie hinein. Danach werde ich die Kiste verschließen. Sie kann luftdicht sein, oder auch nicht. Mit anderen Worten. Sie können ersticken oder auch nicht. Solange die Kiste nicht geöffnet wird, werden Sie beides sein: Lebendig und Tot. Wenn jemand die Kiste öffnen würde, käme das einer Messung gleich und man stellte fest, dass Sie leben oder dass Sie tot sind. Trauen Sie sich dieses Experiment zu?”

  Barbaras Augen glänzten. “Ja, Thomas. Wenn ich dazu beitragen kann, dass die Welt ein besserer Ort wird, dann bin ich bereit, jedes Opfer zu bringen.”

  Thomas griff nach einem der Äpfel, die in einer Schale auf dem Wohnzimmertisch lagen und biss hinein. “Auch einen?” fragte er Barbara. Sie schüttelte den Kopf.

  “Klettern sie hinein.”

  Barbara stieg in die Kiste und hockte sich hin.

  “Machen Sie es sich dort drinnen bequem. Sie haben sicher gemerkt, dass ich die Kiste ausgepolstert habe.”

  Thomas holte den Deckel von der Wand und legte ihn auf die Öffnung. Er nahm den Hammer und ein paar Nägel vom Tisch, klopfte diese in den Kistendeckel hinein.  

  Thomas legte den Hammer an seinen Platz und verließ die Wohnung.

 

  Als Barbara am Abend nicht nach Hause kam benachrichtigten die Eltern die Polizei. Halb Horsdorp war auf den Beinen und nahm an der Suchaktion teil, die sich hauptsächlich auf das Gebiet um die Wümme erstreckte. Suchtrupps durchkämmten die Gegend am Fluss. Danach nahmen sie sich Weiden und Wälder vor.

  Nach zwei Tagen wurde die Suche abgebrochen. Einige Tage später fiel der Bedienung des Roten Ochsen der junge Mann ein, der für kurze Zeit in der Gaststube mit Barbara zusammen gesessen hatte.  Am darauffolgenden Morgen standen zwei Polizisten vor Thomas Wohnung.

  “Guten Tag, wir suchen Barbara Ehrlich. Wissen Sie, wo sie sich aufhält?

  “Ja, das weiß ich.”

  “Können Sie uns sagen wo?”

  “Das kann ich.”

  “Mann, spannen Sie uns nicht so auf die Folter. Sagen Sie endlich wo sie ist.”

  “Bitte folgen Sie mir.”

  Die Polizisten folgten Thomas in das Wohnzimmer. Thomas zeigte auf die große Kiste. “Hier ist sie.”

  “Machen Sie die Kiste auf!”

  “Das mache ich nicht. Es würde unser Experiment entwerten.”

  “Was für ein Experiment, in Dreiteufelsnamen? Sie machen jetzt die Kiste auf!”

  “Es ist Schrödingers Experiment mit der Katze in abgewandelter Form. Ich habe dafür einen Menschen genommen. Barbara hatte sich bereit erklärt, mich bei diesem Versuch zu unterstützen.

 

  Sehen Sie, solange die Kiste nicht geöffnet wird, lebt Barbara und ist auch gleichzeitig tot. Wir können jetzt nicht sagen, ob sie lebt oder tot ist.”

  Thomas deutete auf die Kiste. “Das ist auf jeden Fall besser für Barbara als ihr vorhergehender Zustand, als sie nur lebte. Wie oft hatte sie sich dann gewünscht, sie sei tot. Nun ist sie beides.”

  Einer der Polizisten pochte gegen die Kiste. “Fräulein Ehrlich, hier ist die Polizei. Hören Sie mich?”

  “Ich hole ein Brecheisen aus dem Wagen,” meinte der andere.

 

Dieser Vorfall war Stammtischthema der nächsten Wochen. Die vier Herren diskutierten hitzig das Für und Wider der Quantenmechanik. Böckler redete sich bisweilen so in Fahrt, dass er des Samstags die Polonaise verpasste. Er hatte sich vorgenommen, an einem der nächsten Tage Thomas in der Psychiatrischen Klinik von Dünkelskirchen zu besuchen. Zum einen war er daran interessiert, mehr über den Hergang zu erfahren, der zu der Tat geführt hatte, zum anderen hatten sie ein neues Medikament in der Apotheke, welches alle klinischen Tests in der Psychiatrie mit fliegenden Fahnen bestanden hatte. Er zögerte jedoch, es für Thomas vorzuschlagen. Vielleicht war etwas dran an dessen Theorien. Wäre es nicht besser, sie noch einmal zu testen?

 


sabato, agosto 01, 2026

Newsletters


 Aus The Hustle:

Forscher der ETH Zürich entwickelten einen Atemanalysator, der beim Ausatmen herausbekommt, ob der Körper Fett verliert und damit den Weg zur Badezimmerwaage erspart.

Im Durchschnitt verursachen Waymo Robottaxis weniger Unfälle als von Menschen betriebene Autos.

Aus Bloomberg – Fünf Themen des Tages:

In Berlin steuerte ein 21-jähriger einen Wagen in eine Menschenmenge, die den Christopher Street Day beging und tötete eine Frau, verletzte 29 Personen. Der Täter wurde erschossen.

Beim Börsengang in Shanghai wurde derKurs des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT um 535 % hochgejazzt und erzielte damit eine Marktkapitalisiertung von 480 Milliarden Euro. (Geht natürlich wieder runter).

Aus Bloomberg – Morning Briefing:

Die USA haben ihre Angriffe auf Iran eingestellt ohne nähere Erklärungen abzugeben. (Vermutlich geht ihnen die Munition aus)

In Kanada hat sich der Wind gedreht. Unter dem neuen Premier Mark Carney kann Alberta den Öl-hahn aufdrehen. Das macht Albertas Premier Daniella Smith.

Nachdem indische Studenten wochenlang wegen Prüfungsfehlern protestierten trat der Erziehungsminister zurück.

Aus The AI-Report:

US-Firmen steigen vermehrt auf chinesische opensource modelle um, weil die fast die gleiche Leistung zeigen und billiger sind.

Bei OpenAI dauerte es eine Woche, bevor sie merkte, dass einer ihrer Agenten Hugging Face hackte.

Aus Superintelligence:

Mehr als 200 US-Startups schrieben an Trump, um ihn davon zu überzeugen, dass Sperren von opensource chinesischen Ais die US am härtesten treffen würden.