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mercoledì, febbraio 11, 2026

KI-Tag: Freier Wille


 

Frage:

Hi Gemini,

10 Jahre oder mehr ist es her, dass eine Diskussion ins Netz schwappte, in der von

Wissenschaflern behauptet wurde, dass das menschliche Gehirn bereits

vorplant, bevor die Tat im Bewußtsein eines Menschen landet.

Was ist inzwischen aus dieser Lesart geworden?

Antwort:

Hallo! Schön, dass du dieses Thema ansprichst. Du beziehst dich vermutlich auf die berühmten Libet-Experimente und die daraus resultierende Debatte über den „freien Willen“.

Tatsächlich hat sich in den letzten zehn Jahren einiges getan. Die damals sehr radikale Interpretation – „Dein Gehirn weiß schon alles, bevor du es weißt, also bist du nur ein Passagier“ – ist heute deutlich nuancierter und wird von der modernen Neurowissenschaft weitaus skeptischer betrachtet.

Hier ist ein Update zum aktuellen Stand der Forschung:


1. Das "Bereitschaftspotenzial" unter der Lupe

Früher glaubte man, das sogenannte Bereitschaftspotenzial (BP) – ein messbarer elektrischer Anstieg im Gehirn kurz vor einer Bewegung – sei der unumstößliche Beweis dafür, dass die Entscheidung bereits gefallen ist.

  • Heutige Sicht: Neuere Studien (z. B. von Schurger et al., 2012) legen nahe, dass das Bereitschaftspotenzial eher ein „stochastisches Rauschen ist. Es ist kein fester Entschluss, sondern eher ein neuronales Hintergrundrauschen, das sich aufschaukelt. Wenn es eine gewisse Schwelle überschreitet, findet die Bewegung statt. Es ist also kein „Plan“, sondern eher ein „Vorbereiten auf Standby“.

2. Das "Veto-Recht" (The Power of No)

Ein entscheidender Durchbruch gelang Forschern um John-Dylan Haynes (Berlin) im Jahr 2016. Sie untersuchten, ob Menschen eine bereits eingeleitete Bewegung noch stoppen können, nachdem das Gehirn das Bereitschaftspotenzial bereits aufgebaut hat.

  • Das Ergebnis: Probanden konnten die Handlung noch bis zu ca. 200 Millisekunden vor der Ausführung abbrechen.

  • Die Bedeutung: Selbst wenn das Gehirn eine Handlung „vorschlägt“ oder vorbereitet, hat das Bewusstsein offenbar die Fähigkeit, dazwischenzugrätschen. Man spricht scherzhaft nicht mehr von „Free Will“ (freier Wille), sondern von „Free Won’t“ (freies Nicht-Wollen).

3. Komplexität vs. Laborsituation

Kritiker weisen heute verstärkt darauf hin, dass die Libet-Experimente sehr künstlich waren (z. B. „Drücken Sie irgendwann einen Knopf“).

  • Echte Entscheidungen: Eine lebensverändernde Entscheidung (Heirat, Jobwechsel) funktioniert neuronal völlig anders als das reflexartige Drücken eines Knopfes.

  • Integration: Man betrachtet das Bewusstsein heute eher als einen Integrator. Es ist nicht der alleinige Herrscher, aber es ist der Teil des Systems, der langfristige Ziele und soziale Normen mit den kurzfristigen Impulsen des Gehirns abgleicht.


Fazit: Die Biologie diktiert nicht alles

Die Wissenschaft ist weg von der rein deterministischen Sicht („Wir sind biologische Roboter“). Man geht heute eher von einer Kooperation aus: Das Gehirn liefert Impulse und Vorbereitungen, aber das Bewusstsein fungiert als Filter und Kontrollinstanz.

Interessanter Side-Fact: Passend zu deinem Interesse an KI-Regulierungen (wie dem EU AI Act): Diese Debatte spiegelt sich dort wider. Wenn wir nicht mehr an den freien Willen des Menschen glauben würden, könnten wir Menschen auch nicht mehr für ihre Taten haftbar machen – was unser gesamtes Rechtssystem stürzen würde. Die EU-Gesetzgebung setzt daher weiterhin fest auf die „menschliche Aufsicht“ (Human-in-the-loop), was impliziert, dass wir eben doch die finale Kontrolle haben.


Gemini fragt: 

Soll ich dir mehr Details zu den Experimenten von Haynes heraussuchen oder interessieren dich die philosophischen Konsequenzen für die Verantwortung von KI-Systemen?

Meine Antwort: 

You said das reicht für heute, vielen Dank

Gemini:

Gern geschehen! Es ist ein faszinierendes Feld, in dem die Grenze zwischen Biologie und Philosophie immer mehr verschwimmt.

Wenn du das nächste Mal Lust auf ein Update zu technologischen Durchbrüchen oder den neuesten Wendungen in der KI-Regulierung hast, melde dich einfach.

Einen entspannten Tag dir noch!

 



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