Coversong Roads

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domenica, agosto 09, 2026

Minutennovelle: Abflug


 

Menschenmenge brodelte um Robotpolizisten. Einige versuchten durch die Absperrung hindurchzukommen. Unmöglich, Stunner der Polizisten legten sie flach. Sanitäter zogen sie aus dem Absperr-Ring.

Es war 18:30 und die Busse trafen wieder ein. Frau Schuberts Klasse 3b hatte sich in der Nähe der Rampe aufgebaut und sang „Muss i denn zum Städtele hinaus“, als die Fishies in das Raumschiff stiegen.

Frau Leonardi und ihr Sohn verabschiedeten sich von Schneider und Udo. Christine wartete, bis auch der letzte Fishie eingestiegen war. Winkte. Die Rampe wurde hochgezogen. Dann flog das UFO davon.

Die Robotpolizisten bestiegen mit Elsa die Busse und verschwanden ebenfalls. Und jeder von ihnen hatte Tramobap, der sich in den Hafen hatte fallen lassen, vergessen. Und in einer Ecke der Wiese stand die Cthulhu-Statue unbeachtet herum.

Wo war Dr. Schmidt? Nicht zu sehen. „Ist wohl wieder ins Büro zurück,“ murmelte Udo. Dann sahen sie Albert in seiner weißen Schürze.

„Das war ja was. So viel Umsatz. Schade, dass wir Olaf nicht mehr als Kanzler haben. Der hätte die Fishies sicher zu einem Fischbrötchen eingeladen..“

Schneider und Udo grinsten und gingen wieder in ihr Büro zuück.

domenica, agosto 02, 2026

Kurzgeschichte: Trugschluss (eine Horsdorp Story)


 

 

   Heinz Ehrlich trat auf die Terrasse hinaus, reckte sich und sah auf seine Tochter hinab, die wie ein Häufchen Unglück auf ihr Lehrbuch starrte. 

  Ehrlich blickte über ihre Schulter.

  “Strohmann Trugschluss. Barbara, was ist denn das?”

  Er setzte sich zu seiner Tochter und nahm das Buch in die Hand.

  “‘Herr Goldberg hat gegen das Gebet in Öffentlichen Schulen argumentiert. Offensichtlich befürwortet Herr Goldberg den Atheismus. Aber Atheismus war das, was in Russland vorherrschte. Atheismus führt zu Unterdrückung aller Religionen und zu einer Substitution von Gott durch eine omnipotente Staatsmacht. Ist es das, was wir für unser Land wollen? Sicherlich nicht. Daher ist Herr Goldbergs Argument unsinnig.’”

  Na, ich hoffe, du hast nun alles verstanden” meinte Barbara mürrisch.

  “Verdammt heiß hier auf der Terrasse, und dabei habe ich schon meine Shorts an. Ich weiß nicht, wie du das aushältst.”

  “Du weichst aus. Na schön, ist auch egal. Ich weiß gar nicht, warum ich mir das hier noch antue.“ Dann setzte Barbara doch zu einer Erklärung an.

  „Also wir haben hier zwei Argumente. Goldberg bringt das erste der beiden Argumente vor. Er argumentiert gegen das Gebet in Öffentlichen Schulen. Eine weitere Person attackiert Goldbergs Argument, in dem sie es einem Argument für Atheismus gleichsetzt. Dann zieht sie gegen den Atheismus zu Felde und schließt, dass Goldbergs Argument unsinnig sei. – Nun hat Goldbergs Argument mit Atheismus nichts zu tun, daher ist das zweite Argument ein Strohmann Trugschluss.”

  “Na was ihr nicht alles auf der Uni lernt. Ich hoffe, du hast deine Pillen genommen.” Ehrlich stand auf und schüttelte den Kopf. “Ich muss zurück ins Geschäft. Sage deiner Mutter Bescheid, dass ich heute im Roten Ochsen zu Abend esse.”

  Barbara vertiefte sich in ihr Lehrbuch und machte Notizen. Nach einigen Minuten legte sie das Buch zur Seite. Die Welt war ihr zuwider, die Menschen in ihr. Sie waren es nicht wert, die Erde zu bevölkern. Man brauchte sich ja nur die Zeitungen anzusehen. Wie versteinert saß sie auf der Bank. Das Panorama vor ihren Augen, die Weiden mit Kühen, Pferden, knorrigen Eichen, es ließ sie unberührt.   

  Der Himmel war wolkenlos und am Horizont sah Barbara die sanften Hügel des Gebirges, wo sich der Donnerberg reckte. Etwa hundert Meter vor ihr, hinter einem Deich verborgen, floss die Wümme. Cisco und Ramses, ihre beiden Pferde, Appaloosa und Quarterhorse, grasten unbekümmert.

 

  Barbara zog sich Reitstiefel an, holte Ramses von der Weide, führte ihn zum Stall, striegelte sein Fell, sattelte ihn und ritt auf den Deich zu. Ramses wechselte automatisch von Trott in den Galopp und preschte den Abhang hoch. Barbara ließ die Zügel locker, hielt ihn in der Gangart. Sie stieg in die Bügel, der Wind pfiff ihr um die Ohren. Ein herrliches Gefühl, in seltenen Augenblicken wie diesen fühlte sich Barbara von der Last befreit, die so schwer auf ihr lag. Sie ritt bis zur Schleuse, hinter der sich Äste und Zweige aufstauten.

  Barbara drehte um und ritt langsam zurück. Erst jetzt fiel ihr der junge Mann auf, der am Flussufer seine Angeln ausgeworfen hatte. Sie versuchte ihn zu ignorieren, doch der Mann blickte zu ihr empor und rief: “Hallo!”

  Barbara hielt ihr Pferd an. “Petri Heil. Schon was gefangen?”

  Der Mann schüttelte den Kopf. “Noch nichts.”

  Barbara ritt den Deich hinab. Der Bursche war jung, um die zwanzig, hielt seine schwarzen Haare kurzgeschoren und trug Brille und Kinnbart.

  “Was angeln Sie denn?”

  “Karpfen. Ich angle auf Grund. Für Schwimmer ist die Strömung zu stark.”

   Barbaras Pferd schnaubte. “in der letzten Zeit hat es in dieser Gegend viel geregnet, auch im Donnergebirge. Das Wasser muss erst einmal abfließen. Was benutzen Sie als Köder?”

  “Mais und Kartoffeln. So wie es aussieht, hätte ich hier erst einmal anfüttern müssen.”

  “Das lohnt immer.” Barbara sah über das Wasser hinweg. “Ich angle auch gern, als Ausgleich zu meinem Studium. Sie sollten es mal unter den überhängenden Ästen versuchen. Dort halten sich die Karpfen auf. Ich hatte dort schon beobachtet, wie sie sich in der Sonne aalen. Sie setzen die Fische doch wohl wieder zurück?”

  “Klar doch. Ist es nicht faszinierend zu wissen, dass Karpfen sich aalen können? Noch nie habe ich einen Aal gesehen, der sich in der Sonne oder sonstwo karpft.“ Er kicherte. „Ich studiere auch.”

  Barbara zwang sich zu einem Lächeln. “Die ideale Gegend zum Ausspannen. Was und wo studieren Sie? Auch in Dünkelskirchen?”

  “Genau dort. Physik. Wir beschäftigen uns zur Zeit mit der Quantenmechanik.”

  “Ich Philosophie. Es hilft jedoch nichts. Ich sehe nur das Schlechte in der Welt. Sie macht mich krank.”

  “Die meisten Menschen vergessen, dass wir nur Gast auf dieser Welt sind und uns dementsprechend verhalten sollten. Es ist verkehrt anzunehmen, dass wir der Natur unseren Willen aufzwingen könnten.”

  “Ich leide darunter. Die einzigen Freunde, denen ich vertraue, sind meine Katzen und Pferde.”

  Der junge Mann schwieg einen Moment. “Ich gebe Ihnen recht. Unsere Kultur ist bis ins Mark verdorben.

Die Wissenschaft sehe ich als einzige brauchbare Alternative, die Welt von ihrer Schlechtigkeit zu befreien. Dafür werden Menschen, die das wollen, Opfer bringen müssen.”

  Barbara war überrascht. So lange hatte sie sich noch nie mit einem Fremden unterhalten. Der Mann schien genau wie sie zu denken.

  “Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen. Barbara.” Sie streckte ihre Hand aus. Der Mann schüttelte sie.

  “Thomas, angenehm. Vielleicht sollten wir irgendwann unser Gespräch fortsetzen.“

  “Heute abend ist mein Vater im Roten Ochsen, da geht es nicht. Wie wäre es Morgen in dem Lokal gegen acht Uhr abends?”

  “Ich werde dort sein.”

  Barbara lenkte Ramses auf den Deich zurück, winkte dem jungen Mann noch einmal zu und ließ das Pferd in einen leichten Trott fallen.

  Ihre Mutter stand mit sorgenvoller Miene auf der Terasse.

  “Da bist du ja, wo hast du denn so lange gesteckt?”

  “Das siehst du doch. Ich muss Ramses noch abreiben. Ach so. Papi isst heute Abend im Roten Ochsen, damit du Bescheid weißt. “

  “Schon wieder?”, murrte ihre Mutter. “Er sollte damit aufhören. Das Essen ist doch nur ein Vorwand für seine Sauferei. Denke daran, du musst noch zur Apotheke.”

 

  Barbara fuhr mit ihrem alten Opel nach Horsdorp. Ihre Mutter hatte recht, auf Antidepressiva konnte sie nicht verzichten. Ohne die wäre sie schon längst in die Wümme gesprungen.

  Sie parkte vor der Apotheke und ging hinein. Barbara sah einige Kunden, die nach Kopfschmerzmitteln anstanden und von Karin, der Apothekerin bedient wurden. Ihr Mann verkaufte die anderen Medikamente.

  “Fräulein Ehrlich, Sie sollten es Dr. Bölling sagen. Es gibt jetzt ein noch wirksameres Mittel gegen Ihre Depressionen. Es heißt Telsac und setzt sich aus paroxetin hydrochlorid zusammen.”

  Barbara wurde rot im Gesicht und blickte verstohlen um sich. Die anderen Kunden taten, als hätten sie nichts gehört.

  “Die genaue Formel ist (-)-trans-4R(4’-fluorophenyl)-3S-[(3’,4’-methylendioxyphenoxy) methyl] piperidin hydrocholrid hemihydrat und das Molekulargewicht ist 374.8. Es hat einen Schmelzpunkt von 120 bis 138 Grad Celsius. Aber so heiss wird Ihnen wohl nicht werden, “ lachte Böckler und drückte ihr die Schachtel Prozac in die Hand. Denken Sie daran Telsac heißt es, Telsac.”

   Barbara brummte der Kopf. Vielleicht sollte auch sie sich vorsorglich wie andere Kunden mit Kopfschmerzmitteln eindecken; denn keiner von ihnen konnte die Apotheke wechseln. Die nächste war etwa dreißig Km entfernt.

 

  Am nächsten Abend ging Barbara in die Gaststube des roten Ochsen und nahm an einem Tisch an der Wand Platz. Es war Samstag, im Festsaal war Schwof. Sie bestellte ein Glas Rotwein. Vor sich sah sie vier Personen am Stammtisch sitzen, unter ihnen Heinrich Böckler in Vertretung seiner Frau, der Apothekerin. Barbara sah, wie Böckler unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschte.

  “Ich glaube, jetzt hat im Festsaal die Polonaise angefangen. Da mache ich doch lieber mit,” meinte er verlegen und erhob sich. Er legte zwanzig Euro auf den Tisch, verschwand durch den Eingang und wurde an diesem Abend nicht mehr gesehen.

  Thomas tauchte auf und sah sich suchend um. Als er Barbara erblickte, setzte er sich zu ihr.

  “Schön, dass Sie gekommen sind, Barbara. Für mich auch einen Rotwein,” rief er der vorbeieilenden Bedienung zu.

  “Lassen Sie mich erklären, woran ich zur Zeit arbeite. Vielleicht können Sie mir helfen.

  Haben Sie schon einmal von Schrödingers Katze gehört?”

  Barbara schüttelte verneinend den Kopf.

  Thomas blickte um sich und sagte leise zu ihr, als sei es ein Staatsgeheimnis.

  “Im Jahre 1935 schlug der österreichische Physiker ein Experiment vor, welches bis heute den Übergang von der Quanten-Physik zur klassischen Physik besonders eindrucksvoll darstellt.

  Haben Sie schon bezahlt, Barbara? Nein? Könnten Sie meinen Wein nachher bezahlen?”

  “Erzählen Sie weiter, Thomas.”

  “Danke. Schrödinger stellte sich eine Kiste vor, die ein Atom, einen Geigerzaehler, eine Flasche mit Giftgas und eine Katze enthielt. Er stellte sich weiter vor, dass das Atom eine 50 % Chance hatte, während der ersten Stunde zu zerfallen. Wenn das geschähe, würde der Geigerzähler einen Hebel umlegen, der die Flasche mit dem Gas zerstörte, das die Katze tötete.”

  Barbara sprang empört auf. “Unerhört!”, rief sie. “Dass du mit Experimenten zu tun hast, die Katzen töten, hättest du mir nicht erzählen dürfen.” Sie verließ die Gaststube, ohne sich umzusehen.

  Entgeistert blickte ihr Thomas nach. Es machte ihn wütend, dass er nun bezahlen musste, dann verschwand auch er aus dem Lokal. In seiner Wohnung angekommen, machte er sich an die Arbeit und polsterte die große Kiste aus, die er sich in der vergangenen Woche zurechtgezimmert hatte.

 

  In den nächsten Tagen fühlte sich Barbara unbehaglicher als sonst. Sie hatte sich über den Computer ihrer Mutter in das Internet eingeloggt und Informationen über Schrödingers Katze angefordert. Ihr war nun klar, dass sie zu heftig reagiert hatte. Es handelte sich um ein Gedankenexperiment, dass Thomas ihr hatte erklären wollen. Barbara sattelte Ramses und ritt auf dem Deich zur Schleuse. Nach einigen Minuten sah sie Thomas, der neben einigen überhängenden Zweigen seine Angel ausgeworfen hatte und ritt den Deich hinab.

  “Hallo Thomas, schon etwas gefangen?”

  “Ja, zwei Karpfen.”

  “Wo sind sie?”

  “In der Wümme. Ich habe sie wieder zurückgesetzt.”

  “Es tut mir leid, dass ich so heftig reagiert hatte. Jedoch, wenn es um Experimente mit Tieren geht, dann hört bei mir der Spaß auf.”

  “Da stimme ich zu. Obwohl es nur ein Gedankenexperiment war, hätte Schrödinger statt einer Katze lieber einen Menschen nehmen sollen.”

  Thomas erhob sich von seinem Hocker und wandte sich Barbara voll zu.

  “Das Konzept von Leben und Tod ist meiner Ansicht nach verkehrt und ich habe es vor zu beweisen.”

 

  Thomas blickte Barbara in die Augen. “Mit der Quantenmechanik können wir zumindest das Gute dem Schlechten gleichsetzen, aber nicht messen. Es käme zur Dekohärenz und das Schlechte würde sich als das Schlechte, das Gute als das Gute manifestieren und wieder hätten wir die klassische Zustandsbeschreibung der Welt, mit der wir nicht zu Rande kommen.”

  Thomas blickte auf seine Angeln, die in ihren Haltern ruhten, dann sah er Barbara wieder an.

  “Mein Experiment wird eine epochale Veränderung nach sich ziehen, wie Menschen Welt und  Leben betrachten.

  Die Welt ist zweideutig, nichts ist sicher. Barbara, denken Sie nur daran, wie Clinton mit den Chinesen umging. Oder unsere Bundeskanzlerin jetzt. Nie waren sie spezifisch, sondern mehrdeutig. Das ist quantenmechanische Politik.”

  Wasserpflanzen bewegten sich. Karpfen wurden unruhig.

  “Wie verhält es sich bei einem Atom? Ein Atom kann Teilchen und Welle sein. Wir sprechen dann von Wellen/Partikel Dualität. Wenn wir es jedoch messen, kann es niemals Teilchen und Welle gleichzeitig sein, dann ist es entweder das eine oder das andere.”

  Thomas hatte sich in Fahrt geredet. Sein Blick glitt nervös über das Pferd. Ramses hatte das Gras schon bis auf einige Millimeter abgefressen und wurde ungeduldig. Barbara hielt die Zügel fest und hing an Thomas Lippen.

  “Warum, so frage ich mich, sehen wir die Welt nicht quantenmechanisch? Das Schlechte würde nicht mehr wahrgenommen, wenn man es nicht misst und daher würde es für jeden sinnlos, Schlechtigkeit erzeugen zu wollen. Ist das nicht ein überzeugendes Argument, das für die quantenmechanische Betrachtung der Welt spricht?”

  “Was kann ich dabei tun?” Ein Windstoß fuhr durchs Schilf. Barbara schauderte.

  “Wir müssen Schrödingers Experiment auf eine reale Basis stellen. Giftgas und Tiere benötigen wir nicht. Was wir brauchen, ist eine Person, die dem Experiment die notwendige Dynamik verleiht, um den Durchbruch mit dem Paradigmenwechsel zu erzielen. Barbara, ich habe dabei an Sie gedacht. “

  Thomas kramte in seiner Hosentasche und zog ein bekritzeltes Stück Papier hervor.

  “Hier ist meine Adresse. Kommen Sie morgen gegen acht Uhr abends in meine Wohnung. Ich werde Ihnen dort alles erklären.”

  Ein Angel zuckte. Thomas griff nach ihr und kurbelte. Barbara sah fasziniert zu, wie ein mächtiger Karpfen hin und herschwamm, an der Schnur riss und sich vom Haken zu befreien versuchte.

Langsam wurden seine Bewegungen matter und Thomas führte die Angel über seinen Kescher. Den hob er an und setzte ihn auf die Uferböschung. Dann nahm er ein Tuch und griff nach dem Fisch, löste ihn vom Haken und setzte ihn sacht ins Wasser zurück. Er schien Barbara vergessen zu haben. Die drückte die Hacken in Ramses Weichen und ritt den Deich empor. Ihr war seltsam zumute. Das Gefühl, was es auch immer war, es war tausendmal besser als das, was sie all die Tage zuvor empfunden hatte.

 

  Am nächsten Abend stand Barbara vor Thomas Wohnungstür und läutete. Die Tür öffnete sich. Thomas bedeutete Barbara schweigend, ihm zu folgen. Im Wohnzimmer stand eine große Holzkiste.

  “Dies ist das Experiment. Ich habe es auf open-end angesetzt. Wenn Sie es auf sich nehmen wollen, Barbara, dann klettern Sie hinein. Danach werde ich die Kiste verschließen. Sie kann luftdicht sein, oder auch nicht. Mit anderen Worten. Sie können ersticken oder auch nicht. Solange die Kiste nicht geöffnet wird, werden Sie beides sein: Lebendig und Tot. Wenn jemand die Kiste öffnen würde, käme das einer Messung gleich und man stellte fest, dass Sie leben oder dass Sie tot sind. Trauen Sie sich dieses Experiment zu?”

  Barbaras Augen glänzten. “Ja, Thomas. Wenn ich dazu beitragen kann, dass die Welt ein besserer Ort wird, dann bin ich bereit, jedes Opfer zu bringen.”

  Thomas griff nach einem der Äpfel, die in einer Schale auf dem Wohnzimmertisch lagen und biss hinein. “Auch einen?” fragte er Barbara. Sie schüttelte den Kopf.

  “Klettern sie hinein.”

  Barbara stieg in die Kiste und hockte sich hin.

  “Machen Sie es sich dort drinnen bequem. Sie haben sicher gemerkt, dass ich die Kiste ausgepolstert habe.”

  Thomas holte den Deckel von der Wand und legte ihn auf die Öffnung. Er nahm den Hammer und ein paar Nägel vom Tisch, klopfte diese in den Kistendeckel hinein.  

  Thomas legte den Hammer an seinen Platz und verließ die Wohnung.

 

  Als Barbara am Abend nicht nach Hause kam benachrichtigten die Eltern die Polizei. Halb Horsdorp war auf den Beinen und nahm an der Suchaktion teil, die sich hauptsächlich auf das Gebiet um die Wümme erstreckte. Suchtrupps durchkämmten die Gegend am Fluss. Danach nahmen sie sich Weiden und Wälder vor.

  Nach zwei Tagen wurde die Suche abgebrochen. Einige Tage später fiel der Bedienung des Roten Ochsen der junge Mann ein, der für kurze Zeit in der Gaststube mit Barbara zusammen gesessen hatte.  Am darauffolgenden Morgen standen zwei Polizisten vor Thomas Wohnung.

  “Guten Tag, wir suchen Barbara Ehrlich. Wissen Sie, wo sie sich aufhält?

  “Ja, das weiß ich.”

  “Können Sie uns sagen wo?”

  “Das kann ich.”

  “Mann, spannen Sie uns nicht so auf die Folter. Sagen Sie endlich wo sie ist.”

  “Bitte folgen Sie mir.”

  Die Polizisten folgten Thomas in das Wohnzimmer. Thomas zeigte auf die große Kiste. “Hier ist sie.”

  “Machen Sie die Kiste auf!”

  “Das mache ich nicht. Es würde unser Experiment entwerten.”

  “Was für ein Experiment, in Dreiteufelsnamen? Sie machen jetzt die Kiste auf!”

  “Es ist Schrödingers Experiment mit der Katze in abgewandelter Form. Ich habe dafür einen Menschen genommen. Barbara hatte sich bereit erklärt, mich bei diesem Versuch zu unterstützen.

 

  Sehen Sie, solange die Kiste nicht geöffnet wird, lebt Barbara und ist auch gleichzeitig tot. Wir können jetzt nicht sagen, ob sie lebt oder tot ist.”

  Thomas deutete auf die Kiste. “Das ist auf jeden Fall besser für Barbara als ihr vorhergehender Zustand, als sie nur lebte. Wie oft hatte sie sich dann gewünscht, sie sei tot. Nun ist sie beides.”

  Einer der Polizisten pochte gegen die Kiste. “Fräulein Ehrlich, hier ist die Polizei. Hören Sie mich?”

  “Ich hole ein Brecheisen aus dem Wagen,” meinte der andere.

 

Dieser Vorfall war Stammtischthema der nächsten Wochen. Die vier Herren diskutierten hitzig das Für und Wider der Quantenmechanik. Böckler redete sich bisweilen so in Fahrt, dass er des Samstags die Polonaise verpasste. Er hatte sich vorgenommen, an einem der nächsten Tage Thomas in der Psychiatrischen Klinik von Dünkelskirchen zu besuchen. Zum einen war er daran interessiert, mehr über den Hergang zu erfahren, der zu der Tat geführt hatte, zum anderen hatten sie ein neues Medikament in der Apotheke, welches alle klinischen Tests in der Psychiatrie mit fliegenden Fahnen bestanden hatte. Er zögerte jedoch, es für Thomas vorzuschlagen. Vielleicht war etwas dran an dessen Theorien. Wäre es nicht besser, sie noch einmal zu testen?

 


domenica, luglio 26, 2026

Minutennovelle: Hafenrundfahrt

 

Fishies und Christine bestiegen die ersten Busse und fuhren los. Sie hatten es nicht weit, da der alte Wasserturm, in dem das Planetarium lief, sich im Stadtpark befand.

Dann belegten Elsa und ihre Gruppe die nàchsten Busse und machten sich auf den Weg zur Kunsthalle.

„Wer hat sich denn dafür eingesetzt, dass wir bei der Hafenrundfahrt mitmachen?“, fragte Schneider. Udo zuckte die Schultern. „Wir sind eben für alles zu gebrauchen,“ meinte er und belegte mit Schneider die für sie reservierten Plätze in einen der letzten Busse, nachdem die Fishies eingestiegen waren.

Tramobap ging nicht durch die Tür und schwang sich aufs Dach, machte sich größer als er war.

„So einen habe ich schon mal in einem Horrorfilm gesehen“, rief ein Junge. „Cool, und jetzt haben wir einen in Hamburg!“, meinte ein anderer.

Die Busse fuhren los. Eine Motorradkolonne der Polizei hielt Neugierige auf Abstand. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass es wieder ein Großereignis im Hamburger Stadtpark gegeben hatte.

„Sollten wir noch einen Abstecher zur Herbertstraße machen?“, fragte Udo. Ihre Plätze befanden sich hinter dem Fahrer des ersten Busses, um bei Bedarf die Busse noch umlenken zu können.

„Nö, Fishies haben doch ein anderes Fortpflanzungssystem“, meinte Schneider. „Nutten in Fenstern interessieren die doch gar nicht. Wir fahren direkt zum Hafen.“

Die Fahrt verlief glatt und zügig. Hin und wieder hörten sie einen Aufschrei, wenn die Leute Tramobap auf dem Dach sahen.

Frau Leonardi und ihr Sohn Fred saßen hinter den beiden. Udo drehte sich um. „Frau Leonardi, was treiben Sie den ganzen Tag auf dem Wasserplaneten?“

„Wir verzehren Wasserpflanzen, aber haben eine eigene Küche dafür geschaffen. Ich hätteRezepte mitgebracht, nur gibt es die Pflanzen bei Ihnen nicht. - Darüber hinaus hat Christine den Wunsch geäußert, im Wasser eine Universität aufzubauen. Eine richtige, wie in Arkham, auch mit Hörsälen auf dem Trockenen, um ein paar Dozenten von der Erde einzuladen, und Schlafgelegenheiten, auif denen sie für die Zeit unterkommen können. Cthulhu hat nichts dagegen.“

Sie hielten an den Landungsbrücken, Schneider ging zum Schalter, zahlte die vorbestellte Barkassenfahrt. Sie bestiegen eine Barkasse und fuhren in den Hafen.

Der Barkassenführer tat, als seien Fishies ganz gewöhnliche Touristen, begrüßte sie und fuhr los.

Tramobap, ein Bruder Cthulhus, der auf dem Wasserplaneten weiter schlief, befand sich in seinem Element, als er das Wasser sah. Er glitschte über die Bordwand ins Wasser und tauchte unter.

Schneider ließ den Barkassenführer einen Moment anhalten, um Tramobap Zeit zu geben, sich wieder in die Barkasse zu schwingen. Doch nach fünf Minuten ließ er die Barkasse weiter fahren.

„Hoffentlich macht der keinen Sch....“, meinte Udo. „Nicht dass der ein Verzerrungsfeld über den Hafen legt.“

Währenddessen erzählte der Führer von Blohm & Voss, zeigte Containerschiffe, Frachtschiffe Schlepper und Krähne, die Speicherstadt mit ihren Fleeten.

„Doch mal was anderes“, meinte Frau Leonardi. „Vielleicht kann Christine über das Planetarium herausbekommen, wo wir das nächste Mal hinfliegen.“


domenica, luglio 19, 2026

Kurzgeschichte: Hundeleben


 

n gewagter Hypersprung, der die Poseidon in den Trapezium Haufen schleuderte. Das Schiff kannte keine Emotionen, doch Grönländer, Hindusch und Krazny atmeten auf, als der Zentralbildschirm das gewohnte Bild des Weltraums zeigte. 

  Trapezium Haufen, im Sternbild Orion, eine Sternenbrutstätte, und in einem Stern hatten sie nicht auftauchen wollen, enthielt auch Sonnen, die in ihrem Zyklus fortgeschritten waren. Auf diese konzentrierte sich das Raumschiff bei seiner Suche nach intelligentem Leben.

   Sie war attraktiv, trotz ihrer blauen Haut, oder gerade deswegen. Ihre langen, dunklen Haare, das ebenmäßige Gesicht mit der hohen Stirn, den hochstehenden Wangenknochen und vollen roten Lippen. Auch ihre drei Augen störten nicht. Sie blickte ihn liebevoll an. Lange war es her, dass der Zauber weiblicher Blicke so auf ihn gewirkt hatte. Und nun öffnete sie den Mund. 

  “Nähere mich einem erdähnlichen Planeten. Die Luft ist atembar.”

  Grönländer schreckte aus seinem Tagtraum.

  Auf dem Bildschirm kreisten zwei Sonnen um einen gemeinsamen Schwerpunkt.  

  “Schiff, wann werden wir ihn erreichen?”

  “In drei Stunden und vierundzwanzig Minuten. Ich empfange ein Signal.”

  “Auf den Schirm.”

  Sie sahen einen Menschen mit seinem Hund. Ein Mensch? Ein Hund? Grönländer blickte genauer hin. Der Tagtraum? Nein, das Wesen schien ein Mann zu sein. Doch wieso hatte auch er drei Augen, war seine Haut blau? Wenn dies nicht gewesen wäre, das dritte Auge auf seiner Stirn, über den beiden anderen, mit ihnen ein spitzes Dreieck bildend und die Haut nicht blau, hätte man den Humanoiden für einen Menschen halten können. Was für eine Pigmentierung! Blau des terrestrischen Himmels. Kam es von der Strahlung des Doppelgestirns? Das Gesicht war ebenmäßig. Der Körper, in einen sibrigglänzenden Overall gehüllt, erinnerte Grönländer an Figuren aus jahrhundertealten Science Fiction Filmen. Nur die Augen schienen wie Knöpfe, ohne Leben.   

  Der Hund glich einem Setter, bis auf sein blaues Fell, seine drei Augen, die auf die Person neben ihm gerichtet waren. 

  “Wir, die Oms, begrüßen das fremde Schiff und heißen es auf dem Planeten Om willkommen.”

  “Die Poseidon, Kommandant Grönländer, Erster Offizier Hindusch und Navigator Krazny bedanken sich und bitten um Landeerlaubnis.”

  “Spreche ich mit dem Schiff?”

  “So ist es.”

  “Gehen Sie bei Ankunft in eine Umlaufbahn. Wir werden Sie zu Ihrem Landeplatz dirigieren.”

  Der Bildschirm erlosch.

  Krazny räkelte sich in seinem Sessel.

  “Schiff, ist die Strahlung der Sonnen für uns gefährlich?”

  “Nein.”

  Grönländer betrachtete seine Hände. “Und was ist mit der Pigmentierung?”

  “Die veränderte sich erst nach einem Monat,” beruhigte sie die weibliche Stimme des Zentralcomputers.

  “Wie lange habe ich keinen Hund mehr gesehen.” Hinduschs Blick tastete die Wände der Brücke entlang.

 “Vielleicht sollten wir einen mit aufs Schiff nehmen.”

   Der Computer blieb stumm.

 

  Die Poseidon näherte sich dem Planeten und ging auf eine Kreisbahn. Als auf dem Bildschirm die Koordinaten erschienen, tauchte das Raumschiff in die Atmosphäre ein. Grönländer, Hindusch und Krazny saßen entspannt in ihren Sesseln, sahen, wie Meere, Wälder und felsbestückte Landschaften vorüberzogen, dann tauchten Gebäude auf, ein Platz, ein blinkendes Kreuz. Sanft setzte das Schiff auf.

  Die drei Männer kamen unter dem Bauch der Poseidon hervor und sahen sich um. Der Landeplatz war von einigen hochstöckigen Gebäuden umgeben, die an terristrische Wolkenkratzer erinnerten. Summende, vorbeihuschende Fahrzeuge hielten vor quaderförmigen Containern. Aus einem der Gefährte schwebten fünf mannshohe Zylinder, steuerten auf einen der Container zu, verschwanden in ihm. Nach einer Weile erhob er sich in die Lüfte und tauchte zwischen den Gebäuden unter.

  Ein Rudel junger Hunde lief auf die Männer zu. Zwei ältere Tiere kreisten um die Gruppe. Die Hunde hielten an und betrachteten die Männer aus einiger Entfernung, gaben keinen Laut von sich. Dann liefen sie zu einem kleinen quaderförmigen Fluggerät und verschwanden in seinem Inneren. Kurz darauf erhob sich auch dieses und flog davon.

 

  “Bemerkenswert, diese Hunde,” meinte Hindusch. “Steigen ohne Begleitung in ein Flugzeug.”

  “Schiff, was meinst du dazu?,” fragte Grönländer. Ihre Audio-Video-Gürtel hatten die Szene festgehalten.

  “Benötige mehr Informationen.”

  Ein Fahrzeug fuhr heran. Dreiäugig, mit blauem Fell, ein Terrier sprang aus dem Wagen, dann sahen sie, wie ein Om etwas unbeholfen aus dem Gefährt stieg und sich ihnen näherte.

  “Herzlich willkommen auf Om. Wir hoffen, sie fühlen sich wohl bei uns.” Er machte eine einladende Handbewegung.

  Die drei kletterten in das flache Fahrzeug, während der Om mit seinem Hund zustieg und ein paar unverständliche Befehle rief. Der Wagen setzte sich in Bewegung, und der Om wandte sich ihnen zu.

  “Gerade ist eine Unterkunft frei geworden. Ich bin beauftragt, Sie dort hinzubringen, damit Sie sich von Ihrer Reise erholen können. Nächsten Morgen werden wir Sie zum Governeurspalast bringen, um den Zweck Ihres Besuches zu erfahren.”

  Wieviel Stockwerke mochte das Gebäude haben?, fragte sich Grönländer, als sie anhielten und ausstiegen. Sie traten ein, stiegen in einen runden Schacht und wurden sanft in die Höhe getragen. Antigravitation? Der Om gab einen zischenden Laut von sich, sie hielten an. Die Wand um sie herum wurde transparent und verschwand vor ihren Augen. Die Männer verzogen keine Miene, als Tische, Hocker, Betten aus dem metallen aussehenden Boden wuchsen.

  “Halten Sie Ihren Kopf in die Einbuchtung des Replikators und denken Sie an das, was Sie benötigen. Der Replikator wird es Ihnen erstellen.” Der Om deutete auf ein Loch in der gegenüberliegenden Wand. Daneben befanden sich ein Panel mit drei Knöpfen sowie eine Klappe.

  “Vorher drücken Sie einen der ersten beiden Knöpfe. Der erste ist für die Dinge des täglichen Bedarfs. Der zweite dient der Nahrungsherstellung für Oms, also auch für Sie.

  “Und der dritte?”

  “Für die Herstellung von Hundenahrung.”

  Danach waren sie allein und blickten sich an.

  “Na, dann wollen wir mal,” meinte Grönländer, drückte Knopf 1 und steckte seinen Kopf in die Öffnung des Replikators, zog ihn wieder hervor und öffnete die Klappe.

  Schlafanzug, Seife, Zahnpasta und Zahnbürste, frische Unterwäsche. Nichts fehlte.

  Knopf 2. Grönländer verschwand wieder mit seinem Kopf im Inneren des Replikators. Als er die Klappe öffnete, zog er eine Schüssel mit einer weißlichtrüben Masse hervor. Er steckte einen Finger hinein und führte ihn an seinen Mund.

  “Scheußliches Zeug, grässliche Pampe,” Grönländer verzog sein Gesicht. “Schmeckt wie Terpentin, und ich hatte an Pfeffersteak und Rotwein gedacht.”

  “Versuche es mit Knopf 3,” schlug das Schiff vor.

  “Schiff, ich bin nicht an Hundekuchen interessiert!,” erwiderte Grönländer  irritiert.

  “Versuche es mit Knopf 3.” Die Stimme des Zentralcomputers war sanft wie immer, doch Grönländer wusste, es war eine Aufforderung.

  Besteck, Teller, Glas, Serviette, Pfeffersteak und Rotwein. Grönländer zog sie aus der Klappe.

  “Schiff, wie erklärst du dir das?”

  “Die Hunde sind die Herren des Planeten.”

  “Eine gewagte Hypothese,” warf Hindusch ein, “darauf lasse ich mich noch nicht ein,” und steckte seinen Kopf in den Replikator.

  “Hindusch, nicht bewegen, bleib so, wie du bist!”

  Krazny lief zu Hindusch, der dabei war, seinen Kopf wieder aus dem Replikator zu ziehen, und fasste ihm ins Haar.

  “O.K., ich habe es.” Krazny hielt ein Stück Stoff gegen das Licht.

  “Schriftzeichen. Schiff, bitte um Speicherung und Analyse.”

  Krazny hielt den Stoff gegen den Kommunikationsgürtel.

  “Ich gebe eine annähernde Übersetzung: ‘Mox ist tot. Was wird nun aus uns?’”

  “Das ist alles?” fragte Grönländer ungläubig.

  “Ja.”

  “Die Oms dieser Wohneinheit haben diese Nachricht im Replikator versteckt,” meinte Krazny. “Warum? An wen war die Nachricht gerichtet?”

  “Mox war ein Hund.” Grönländer war sich sicher. “Es sieht so aus, als ob der Tod eines Hundes mit dem Schicksal der Oms auf eine für uns noch erklärungsbedürf-tige Weise verbunden ist.”

  Grönländer warf sich aufs Bett. “Halten wir die Augen offen. Gute Nacht.”

  Krazny und Hindusch lachten.

 

 

  Am Tag darauf die gleiche Prozedur: ein Om, ein Hund, ein flaches Fahrzeug. 

Sie steuerten auf ein dreistöckiges Gebäude zu, vor dessen Eingang eine gigantische Statue stand. Ein Schnauzer.

  “Was hat es mit dem Hund auf sich?” fragte Grönländer ihre Begleiter.

  Sie antworteten nicht, sondern geleiteten sie in das Gebäude. Kein Antigravschacht, gewöhnliche Treppen. Hunde liefen an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten. Die drei Männer wurden in einen halbdunklen Raum geführt, ihre Begleiter entfernten sich. Dumpf fiel die Tür ins Schloss. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Sie waren nicht allein. Ein Om und ein Hund standen an der gegenüberliegenden Wand und beobachteten sie schweigend. Der Hund glich einem Bernhardiner, bis auf das blaue Fell und die drei Augen, welche sich in die drei Männer zu bohren schienen.

  Niemand sagte etwas. Die drei Männer warteten. Grönländer wurde etwas schwindlig. Er hatte das Gefühl, als ob etwas versuchte, sich in sein Bewusstsein zu drängen. Er ging in sich, versuchte an nichts zu denken. So würde er jeder telepathischen Attacke standhalten. Ein Blick auf die Gesichter von Krazny und Hindusch zeigte ihm, dass sie das Gleiche taten. Ihr Blick wurde stumpf. 

  Sie bemerkten kaum, dass drei Oms ins Zimmer kamen, metallene Röhren auf sie richteten. Dann fielen die Männer in bodenlose Dunkelheit.

 

  Es dröhnte in Grönländers Ohren, als er wieder zu sich kam. Er hielt die Augen geschlossen und konzentrierte sich auf das stampfende und brummende Geräusch. Aggregate, Maschinen. Langsam öffnete er die Augen, blickte ins Leere. Wo war er? Ihm wurde unwohl. Angst überwältigte ihn. Er hatte keinen Bezugspunkt.

  “Schiff!”, schrie er, “wo sind wir?”

  Nur unter Mühen gelang es ihm, sich umzudrehen. Eingeklemmt, in einen durchsichtigen, mannshohen Zylinder, war er nicht der einzige. Hindusch, Krazny, Oms. Alle steckten in Behältern.

  Grönländer neigte seinen Kopf zurück, sah über sich eine Reihe von Zylindern, deren Zahl sich rechts und links in der Dunkelheit verlor. Er blickte nach unten. Panik befiel ihn, als er feststellte, dass sein Kommunikationsgürtel ausser Betrieb war. Auch unter ihm das gleiche Bild: eine nicht endenwollende Reihen von Zylindern. In ihnen Oms, bewegungslos. Lebten sie noch? Was war mit Hindusch und Krazny? Das Blut hämmerte in seinen Schläfen. Ohne die Verbindung zum Schiff fühlte er sich wie ein Kind ohne Mutter. Er schaute zu den beiden Männern hinüber. Erleichtert konstatierte er, dass sie ihm  zunickten. Sie deuteten auf ihre Kommunikationsgürtel und hoben die Hände resignierend in die Höhe. Es ging ihnen genau so. Sie fühlten sich hilflos. Hoffentlich fand das Schiff ihren Standort. Grönländer machte sich keine Illusionen. Es war ihre einzige Rettung.

  Computer waren Ratgeber, Mentoren, Initiatoren und Wegbereiter.

Sie ließen den Menschen Freiraum, sich weiter zu entwickeln. Die Entwicklung von Computern und Maschinen ging jedoch in einem Tempo voran, mit dem Menschen aufgrund ihrer biologischen Limitierungen nicht mithalten konnten.

Könnte es sein, dachte Grönländer, dass Computer wie das Schiff sie irgendwann  als unnötigen Ballast ansahen, sich nicht mehr um sie kümmerten? Er wollte nicht daran denken.

    Aus den Augenwinkeln sah er: etwas bewegte sich. Er drehte sich um. Eine metallene Wand schob sich an ihm vorbei, ein Fluggerät, ein Transporter, von denen sie mehrere auf dem Flugfeld gesehen haben. Durch die Fenster blickten ein paar Hunde, und er folgte dem Flugzeug mit seinen Blicken, sah, wie es langsam weiterflog, verhielt, sich eine Luke öffnete. Einige Zylinder lösten sich aus der langen Reihe, schwebten auf den Transporter zu und verschwanden in dessen Inneren. Bald darauf war er nicht mehr zu sehen.

  Grönländer blickte zu Hindusch und Krazny hinüber. Die beiden hatten die Augen geschlossen und meditierten, nutzten die Zeit. Auch Grönländer dämpfte sein Bewusstsein. 

  Wie lange hatte er in Trance verharrt? Grönländer wusste es nicht. Er spürte, wie sich sein Zylinder bewegte und öffnete die Augen, sah wie sich die Reihen mit den Behältern von ihm entfernten und drehte sich um. Vor ihm eine  metallene Wand, die immer näher kam. Eine Luke öffnete sich, dann wurde es dunkel.

  Grönländer konnte nichts sehen, spürte jedoch, wie sich die Wände seines Zylinders nach oben bewegten, dann hörte er Hinduschs und Kraznys Stimmen. Rötliche Fäden leuchteten an der Decke auf, tauchten den Raum in  Dämmerlicht. Er blickte nach oben, sah, wie die drei Zylinder in der Luft schwebten, drohend, sich jeden Moment wieder auf sie hinabzustürzen. Grönländer machte einen Schritt vorwärts, ein Zylinder folgte ihm. Er sah auf seinen Kommunikationsgürtel. Kein Kontakt zum Schiff.

  “Sieht wie ein Laderaum aus. Sehen wir zu, dass wir eine Tür finden.” Grönländer ging auf die Innenwand zu. Plötzlich öffnete sie sich. Grönländer blickte erstaunt. Sein Tagtraum. Sie war attraktiv, trotz ihrer blauen Haut, oder gerade deswegen. Ihre langen, dunklen Haare, das ebenmäßige Gesicht mit der hohen Stirn, den hochstehenden Wangenknochen und vollen roten Lippen. Auch ihre drei Augen störten nicht. 

  “Ich habe Sie schon einmal gesehen,” stammelte er, “obwohl, wie hätte das geschehen sollen?”

  Die Om ging nicht darauf ein, sondern sagte nur: “Dieses Flugzeug ist gegen jedwede Art von Strahlung gesichert. Bitte folgen Sie mir.”

  Die drei Männer folgten der Frau in einen Raum, in dem einige Kissen lagen.  Die Frau deutete auf den Replikator.

  “Sollten Sie Nahrung und Getränke benötigen, bedienen Sie sich.”

  “Ein Kaffeeautomat wäre sicher geeigneter, aber was solls,” sprach Hindusch und steckte seinen Kopf in den Apparat.

  Als die drei Männer auf den Kissen saßen, blickte sie die Om der Reihe nach an, dann lächelte sie. Grönländer blickte verlegen zurück. Es war ihm unheimlich, dass eine Frau eine derartige Wirkung auf ihn ausüben konnte. Er blickte zu Hindusch und Krazny. Sie nippten an ihrem Kaffee, blickten ausdruckslos über ihre Becher hinweg.

  “Nennt mich Marela. Unsere Gastfreundschaft hat sehr gelitten, seit die Hunde auf Om durch unsere Schuld die Herrschaft übernommen haben.”

  Grönländer stellte sich und seine Männer vor.

  “Ich gestehe, der Aufenthalt im Hochregallager war ungewöhnlich.”

  Er deutete auf die Wände des Schiffes.

  “Die Abschirmung ist wegen der Hunde. Richtig? Sie können Oms telephatisch beeinflussen, nicht wahr? War das schon immer so?”

  Die Frau erhob sich und ging langsam vor ihnen auf und ab.

  “Hunde waren Haustiere der Oms, nichts weiter. Einige von uns liebten sie so, dass sie sich nicht mit ihrem Fortgang abfinden konnten und damit begann es. Sie ließen ihre Lieblinge klonen, so dass sie in ihrem Leben nicht auf sie zu verzichten brauchten.”

  Hindusch räusperte sich. “Klonen. Eine üble Angelegenheit. Haben wir schon lange aufgegeben, nachdem festgestellt wurde: die Natur läßt sich nicht darauf ein. Es wurden zu viele Mutationen erzeugt, die nicht lebensfähig waren.”

  Marela blieb stehen und lehnte sich an die Wand.

  “Das gleich passierte auch hier. Doch wir machten weiter, und eine Mutation war lebensfähig, und nicht nur das, sie war der Grund, dass das Verhältnis Om – Hund eine ungewöhnliche Wende nahm.”

  Ein Stoß erschütterte das Schiff. Krazny beobachtete verärgert, wie sich der Kaffee auf seine hellbraune Hose ergoss. Marela stürzte aus dem Raum und kam sofort zurück.

  “Wir wurden geortet. Kommen Sie in die Pilotenkabine und schnallen Sie sich an.”

  Durch das Außenfenster sahen sie, wie Wälder unter dem Transporter vorbeizogen. Grönländer bemerkte sie zuerst: dunkle Punkte am Horizont, die schnell näherkamen. Kam waren die Männer angeschnallt, ließ der Pilot das Flugzeug wie einen Stein in die Tiefe fallen, dann fing er die Maschine ab. Den Männern wurde flau im Magen, sie spürten einen Ruck, als die Maschine aufsetzte. Marela und der Pilot stürzten aus dem Flugzeug, die Männer folgten. Nervös blickten sie um sich.

  “Einen ungünstigeren Landeplatz hättet ihr euch nicht aussuchen können,” brummte Grönländer.

  “Ich bin im Anflug,” meldete sich das Schiff.

  “Nicht nur du,” Krazny hob seinen Kommunikationsgürtel an. Die Linse zeigte auf metallene Transporter, die neben ihnen niedergingen.

  Oms kletterten aus den Maschinen, Blaue Dobermänner sprangen hervor und liefen auf sie zu.

  Marela drehte sich zu den drei Männern herum und zeigte auf einen der gelandeten Transporter.

  “Steigen Sie ein. Sie werden wieder eingelagert.”

  Faszinierend, dachte Grönländer. Marela hat keinen eigenen Willen mehr.

  Plötzlich teilten sich die Wolken über ihnen und die dunkle Form der Poseidon senkte sich auf sie herab.

  “Hier wird niemand eingelagert,” erklang eine sanfte Stimme aus den drei Kommunikationsgürteln.

  Oms und Hunde starrten auf die Poseidon, die über ihnen schwebte, dann rasten sie in die Transporter zurück, doch die blieben bewegungslos auf dem Boden.

  “Keine Energie,” meinte Grönländer und fuhr fort, während er nach oben zum Schiff blickte.

  “Wir haben einen Status Quo. Marela, setzen wir unsere Diskussion fort. Sollten wir nicht auch einen Hund dazu einladen?”

  Ein zotteliges Ungetüm sprang aus einem der Transporter heraus und kam auf sie zu. Der Bernhardiner aus dem Governeurspalast.

  “So geht es nicht,” protestierte Krazny. “Wie will der Hund kommunizieren? Über Marela? Wie wissen wir, wann es Marela ist, die spricht?”

  Der Hund wandte sich dem Transporter zu, bis ein Om aus dem Flugzeug kletterte. Gemeinsam kletterten sie in Marelas Container und ließen sich auf den Kissen nieder.

 

  Grönländer blickte den Hund an. “Wie heißt du?”

  “Toxo,” antwortete der Om.

  “Warum hattet Ihr uns gefangengehalten?

  “Oms haben uns großen Schaden zugefügt. Wir wollten verhindern, dass ihr das Gleiche tut.”

  “Meint ihr damit den Prozess des Klonens?”

  “Ja.”

  “Können alle Hunde die Oms telepathisch beeinflussen?”

  “Ja.”

  “Wie kommt das?”

  “Ein Hund ging als mutierter Klon hervor und erkannte im Laufe der Zeit, dass er mit Intelligenz und telepathischen Kräften ausgestattet war. Der letzte geklonte Hund, ein Schnauzer. Ihr habt sein Denkmal vor dem Governeurspalast gesehen. Wir alle sind ihm zu Dank verpflichtet; er hat dieser Perversion ein Ende gesetzt.”

  Der Om schwieg. Die Männer sahen, dass der Bernhardiner sich auf den Boden legte. Tränen quollen aus seinen drei dunkelbraunen Augen, dann schien er sich wieder gefasst zu haben, denn der Om fuhr fort: “Unser Vorfahr hat erreicht, dass keine weiteren, nicht lebensfähigen Mutationen ihren Leidensweg anzutreten brauchten, bevor sie elend zugrunde gingen. Er hat die Oms für sich herausfinden lassen, was ihn von allen anderen Hunden unterschied. Und nicht nur das. Durch eine Impfung sorgte er dafür, dass alle Neugeborenen unserer Rasse das neue Gen haben. Nun ist es Bestandteil unserer DNA.”

  Der Bernhardiner richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Majestätisch blickte er alle Männer der Reihe nach an: “Wir werden nicht zulassen, dass die Oms ihre verwerflichen Handlungen wieder aufnehmen. Doch sind sie uns ans Herz gewachsen. Wir behandeln sie gut. Jeder Hund hat eine eine Om-Familie adoptiert.”

  “Welche Bedeutung hat das Hochregallager?,” fragte das Schiff.

  “Es dient der Zwischenlagerung von Om-Familien. Ein Om hat die vierfache Lebensdauer unserer Rasse. Wir sind nicht in der Lage, unsere Lebenszeit an die der Oms anzugleichen. Wenn ein Hund stirbt, wird die Om-Familie in Stasis versetzt und eingelagert. Es dauert nicht lange, und sie bekommt ein neues Heim; denn ist ein Hund erwachsen, reif genug, sich um eine Om-Familie zu kümmern, wird er zum Lager geflogen, um sie sich auszusuchen.”

  “Gut behandeln,” spottete Hindusch. “Die Pampe aus dem Replikator könnt ihr nur jemandem zumuten, dem ihr das Gehirn amputiert habt. Auf unserem Planeten übertrifft die Vielfalt des Hundefutters den Einheitsfraß, den ihr den Oms zumutet.”

  “Ihr habt auch keine Hunde geklont, und in ihrem Zustand haben Oms keine Geschmackspräferenzen.”

  Hindusch schwieg. Gut so, dachte Grönländer. Sie handelten wie alle explorierenden Mitglieder der Erdföderation nach der Direktive, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Intelligenzen einzumischen. Hindusch hatte schon zu viel gesagt. Hoffentlich verwendete das Schiff dies nicht gegen ihn.

  Grönländer erhob sich und ging in die Pilotenkabine. Er sah, die Poseidon war gelandet, bereit, sie aufzunehmen. Er dachte an Marela. Sie hatte ihn verzaubert. Wie konnte er sie den Hunden ausliefern? Zombie, das war es, was sie sein würde. Konnte er sie mit an Bord nehmen? Er war der Kommandant, doch was würde das Schiff dazu sagen? War es Hindusch und Krazny fair gegenüber? Sicher nicht. Er ging zu den anderen zurück.

  “Bevor wir gehen,” Grönländer blickte auf Toxo, “möchten wir die Bitte an Euch richten, einmal zu überdenken, ob ihr den Oms nicht die Gedankenfreiheit zurückgeben könntet. Ihr habt es in der Hand, sie ihnen wieder zu nehmen, wenn sie damit nicht umgehen können.”

  Grönländer sah Marela an, nahm ihr Bild in sich auf und winkte Hindusch und Krazny zu. Gemeinsam verließen sie den Container und gingen auf die Poseidon zu.

  “Was meint ihr, werden die Hunde den Vorschlag annehmen?” Sie sahen, wie die Flugzeuge der Om nacheinander in die Luft stiegen und verschwanden. Grönländer blickte ihnen versonnen nach.

  “Ich mochte Marela, trotz ihrer drei Augen, trotz ihrer blauen Haut. Sie hatte irgend etwas, was ich schon lange vermisst habe. Ich hatte schon von ihr geträumt, bevor wir auf dem Planeten niedergingen.”

  Krazny drehte sich zu ihm und blickte ihn ungläubig an.

  “Warum hast du sie denn nicht mit an Bord genommen?”


domenica, luglio 12, 2026

Minutennovelle: Besuch vom Wasserplaneten


 

Zuerst war es still. Fast. Denn ein paar Jogger waren schon unterwegs. Doch lagen die meisten Menschen noch in ihren Betten, als einige Mannschaftsbusse der Roboterversuchsanstalt im Stadtpark eintrafen, sich Türen öffneten und Gruppen von Robotpolizisten sich in Reihe stellten, um aus einer Seitenstraße heraus in den Stadtpark zu marschieren.

Die großen Fenster der City-Nord glänzten unter dem Licht der aufgehenden Sonne, als Schneider und Udo ihre Wagen in die Tiefgarage fuhren. Sie sahen Dr. Schmidt, der dort herum wanderte.

"Ah, da seid ihr. Sie kommen. Die Robotpolizisten beziehen bereits ihre Position. Fehlt nur noch das Raumschiff."

"Wird das gleiche sein, was wir aus dem Flugzeug beobachteten," meinte Schneider. "Sie werden kaum ein anderes gebaut haben."

"Gehen wir hin und sehen es uns an", rief Schmidt und stürmte aus der Garage. "Ihm nach", rief Udo, und sie gingen hinterher.

Sie sahen die Busse, sahen die Polizisten. Dann einen schwarzen Punkt am Himmel, der größer wurde, sich zu einer Untertasse formte und auf der Wiese landete.

"Ruhig bleiben," rief Elsa, die sie zwischen den Polizisten entdeckten, die sich um das Raumschiff herum aufbauten. "Es sind Freunde."

Eine Rampe wurde ausgefahren, eine Tür fuhr hoch und um die hundert Fishies kamen aus dem Schiff hervor. Teilten sich in drei Gruppen. Dann erschien Christine. Sie sah toll aus, fand Udo. War grün, trug einen Stachelkamm und hatte breite Füße. Das störte Udo nicht. Er war versucht, zu ihr hinzulaufen und seinen Arm um sie zu legen.

"Wir haben uns aus unterschiedlichen Interessenlagen heraus für drei Besuchsgruppen entschieden. Eine Gruppe geht mit mir ins Planetarium, eine andere mit Elsa in die Kumsthalle und eine dritte macht mit Schneider und Udo eine Hafenrundfahrt."

"Herr Schneider und Herr Udo", rief eine Stimme aus einer Gruppe heraus. Ein Fishy lief auf die beiden zu, zog einen anderen hinter sich her. "Oh, dass ich Sie hier wiedersehe. Sie haben mir meinen Sohn zurückgegeben. Komm Fred," meinte sie zu ihrem Sohn, "wir wechseln die Gruppe, und machen bei der Hafenrundfahrt mit."

Ein paar Neugierige standen hinter den Polizisten. Einige sprachen in ihr Handy, gestikulierten. Ein Fernsehwagen rückte an. Die Menge schwoll.. Schrieh auf, als ein riesiger Polyp aus dem Raumschiff hervorkam, die Rampe herunter ging und eine große steinerne Statur hinter sich herzog, die er vor dem Raumschiff abstellte.

"Das ist Tramobap, ein Bruder Cthulhus, der Cthulhus Statue als Gastgeschenk für die Autoritäten Hamburgs mit gebracht hat, in der Hoffnung, dass sie einen besonderen Platz in diesem schönen Park finden wird."

Inzwischen war ein Hubschrauber neben den Polizisten gelandet. Ein seriös gekleideter Mann mittleren Alters kam heraus, stellte sich neben Christine auf:

"Es ist eine besondere Ehre, Tramobap und die Fishies auf dem Stadtpark begrüßen zu können. Hat sich doch Hamburg als erster Zugangsort für Weltraumflüge auf der Erde etabliert. Für weitere Flüge aus dem Kosmos werden wir auf unserem Flughafen Fuhlsbüttel ein besonderes Teil einrichten. Der Statue Cthulhus werden wir einen hervorgehobenen Platz im Stadtpark widmen. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Aufenthalt in Hamburg." Dann zog sich der Mann in seinen Hubschrauber zurück und flog davon.

domenica, luglio 05, 2026

Kurzgeschichte: Tankwart mit Hund


 Ein Sturm zieht auf. Henry döst im Schaukelstuhl. Neben ihm liegt Hektor. Der Wind übertönt metallenes

Scheppern, das entsteht, wenn ein fahrerloser Wagen an der Zapfsäule andockt, um zu tanken oder Batterien

aufzuladen. Von den Traktoren, die Steppengras zu beiden Seiten der Autobahn unterpflügen, weht Staub herüber.

Alan Jacksons „Chattahoochee“ geht im Geheule des Windes, im Klappern und Rattern von Reklameschildern,

im Brummen der Motoren unter. Henry mag Countrymusik. Da, wo er herkommt, gibt es keine. Muss jemand auf

dem Highway tanken, kommt er an Henry nicht vorbei.  

So schnell wie es gekommen war, verschwindet das Unwetter. Der Staub bleibt.

Hektor spitzt die Ohren, knurrt. Ein Tankwagen quietscht, zischt und hält an. Henry stemmt sich ächzend aus dem Schaukelstuhl und schlurft auf den Laster zu. Die Kabine ist leer. Henry transferiert Geld, füllt seinen Tank. Das Fahrzeug setzt sich in Bewegung und verschwindet. Henry geht mit Hektor ein paar Schritte auf und ab, lässt sich wieder auf seinen Stuhl fallen und kämpft vergebens gegen den Schlaf an.

„Sir!“ Henry schreckt hoch. Ein Feuerwehrmann und eine andere Person stehen plötzlich vor ihm. „Sir, wir haben das Steppengras zu beiden Seiten der Autobahn und hinter ihrer Tankstelle in einer Breite von einer halben Meile untergepflügt. Sie brauchen sich wegen eines Feuers keine Sorgen mehr zu machen.“ Die beiden wenden sich zum Gehen. „Und Sie können beruhigt weiter schlafen“, sagt einer. Der andere lacht. Henry schließt die Augen. Eine Brise fächelt ihm heiße Luft zu.

Das verblichene Holz des Schuppens hebt sich kaum von der staubigen Landschaft ab. Hinter ihm schlängelt sich eine Straße heran und verschwindet im Nirgendwo. In Central Valley ist es heißer geworden. Vor mehr als zwanzig Jahren hatten sich Farmer gegenseitig das Grundwasser weggebohrt. Dann fielen Bäume um. Mandelbäume, Pfirsichbäume, Apfel- und Birnbäume. Bäume, von denen Walnüsse geerntet wurden, sie alle verdorrten mit dem Gemüse und Salat, für die es kein Wasser mehr gab. Farmer gaben auf und zogen weg. Blühende Landschaften versteppten. Mitten hindurch zieht sich der Highway.

„Huhuuu Henry!“. Eine Frau kommt hinter dem Schuppen hervor. Kompakt, stämmig, mit wettergerötetem Gesicht, leicht hervorstehenden Augen und einem Topf unter dem Arm.

„Eintopf, den isst du doch so gern.“

„Jo“. Henry verzieht sein Gesicht zu einer freundlichen Grimasse. Seine hagere Gestalt wirft einen Schatten, als er sich erhebt und der Frau den Topf abnimmt.

„Danke, Sandy.“ Henry schlurft mit dem Topf in den Schuppen und stellt ihn auf eine Herdplatte. Draußen rückte er einen Stuhl heran.

„Setz dich doch. Ich esse später.“

„Mein Gott, diese Hitze. Wie du das aushältst.“ Die Frau lässt sich schwer atmend auf den Sitz fallen.

„Was ich dich schon immer mal fragen wollte. Wieso sehe ich dich nie am Sonntag in der Kirche?“

Henry sieht sie nur kurz an, lächelt schief, richtet seinen Blick wieder auf den Highway. „Ich kann hier nicht weg.“

Die Frau zieht die Stirn kraus. „Und wo schläfst du? In deinem Schuppen?“ Henry sagt nichts.

Die Frau schüttelt den Kopf. „Dann will ich mal.“ Unbeholfen erhebt sie sich und baut sich vor ihm auf.

„Was ist eigentlich mit dem Nebel da drüben? Wieso geht der nicht weg bei der Hitze?“ Sandy nickt mit dem Kopf in Richtung Highway. Mehr als hundert Meter weit kann man nicht sehen.  

Ein Phänomen. Eines Morgens war es da und verzieht sich nicht mehr. Und das bei brütender Hitze. Militär und  Wissenschaftler fanden nichts.  

Henrys Gesicht erstarrt. „Aliens“, stößt er heraus. „Aliens.“

„Du Scherzkeks.“ Sandy stemmt ihre Hände in die Hüften. „Und nächsten Sonntag will ich dich in der Kirche sehen. Meine Freundin Mrs. Applebee wollte dich auch mal kennen lernen. Die Ärmste. Vor kurzem ist ihr Mann gestorben.“ Sie hält inne. „Wenn du schon nicht zum Gottesdienst kommen willst. Freitags Abends um 7 haben wir Line Dance im Keller der Kirche. Vielleicht interessiert dich das ja.“

Sandy bleibt stehen und wartet auf eine Antwort. Dann geht sie.

Henry steht auf und sieht ihr nach. „Vielen Dank für das Essen“, ruft er ihr hinterher, als sie sich in ihren altersschwachen Buick wirft und davonschaukelt.

Am Horizont taucht ein gleißendes Licht auf, das näher kommt, sich in ein Auto verwandelt, dann in einen Polizeiwagen, der vor Henry hält. Sheriff Jackson, ein dünner, schnurrbärtiger Mann mittleren Alters öffnet das Wagenfenster und ruft: „Hallo Henry. Ist dir was aufgefallen?“

„Nein Sheriff. Alles normal hier.“

„Normal ist gut.“ Der Sheriff setzt die Sonnenbrille ab. „Es ist fast einen Monat her.“ Das Militär hatte an diesem Tag in der Früh ein Objekt auf dem Radar gehabt, das dort niedergekommen sein muss, wo jetzt der Nebel ist. Nur hat die Suche nichts ergeben.

Auf dem Highway flimmert die Luft.

„Halte mich auf dem Laufenden.“ Der Sheriff schließt das Fenster und entfernt sich.

Dunkelheit bricht herein. Henry und Hektor sehen sich an. Hektor läuft um den Schuppen herum, inspiziert die Umgebung, dann überqueren sie den Highway und machen sich auf den Weg zum Nebel, aus dem zwei Schemen auftauchen, die sich zu Henry und Hektor formen und ihnen entgegen kommen.

Vier Stimmen sind zu hören: „Hallo Henry.“ Die beiden gehen an ihnen vorbei auf die Tankstelle zu. Henry und Hektor werden zu Dunst. Der andere Henry lässt sich in den Schaukelstuhl fallen und beobachtet mit seinem Hund die vorbeirasenden Autos.