Coversong Roads

domenica, ottobre 11, 2026

Kurzgeschichte: Kein Mensch, kein Tier

 


  Schritte im Regen. Hinter ihr, und sie wurden schneller. Die Frau begann die Straße entlang zu laufen, durch Schlamm und Pfützen. In einer Kneipe öffnete sich die Tür. Die Frau hörte Gelächter und Kreischen. Dann schlug die Tür zu, und wieder hörte sie Schritte, den Regen. Kein Mensch, kein Tier sollte bei diesem Wetter auf der Strasse sein. Sie passierte immergleiche Häuser mit dunklen Fenstern und die Straße nahm kein Ende. Ihre Hand umkrampfte den Griff des Schirmes. Wasser floss vor ihr aus einer Regentraufe. Die Schritte, diese Schritte!

  Unter einem überhängenden Dach fand sie eine trockene Stelle und blieb stehen, zögerte sich umzusehen, dann tat sie es doch. Nichts. Die Schritte waren verklungen. Wolken brachen auseinander. Die andere Seite der Straße wurde von dem wuchtigen Gebäude der Brauerei beherrscht. Die Scheibe des Mondes warf ihre Strahlen auf das Ziegeldach. Wind trug Gebell vom Tierheim herüber, dann hörte die Frau Stöhnen. Sie stand da. Die Heftigkeit der Angst hatte sie völlig gelähmt. Sie stand da, bis das Stöhnen verklang. Etwas lief zur Brauerei hinüber. Ein Schatten, der dort nicht hin gehörte. Ein dunkles Schemen mit einer Kette, die sich unter den Strahlen des Mondes blinkend um seinen Nacken wand. Ein finsteres Tier, ein Wolf, der auf leisen Pfoten hinter der Einfriedung verschwand. Wieder fing die Frau an zu rennen und wurde jäh in ihrem Lauf gestoppt. 

  “Was ist junge Frau?” Der Mann hatte sie fast umgeworfen. Er stank nach Schnaps. Den Hut tief in seine Stirn gezogen, griff er nach ihr. “Wo wollen Sie hin?”

  Sie riss sich los und setzte ihren Weg fort.

  “Bleiben Sie!” Der Mann torkelte ihr nach. Das Gebell kam näher. Hunde sprangen hinter der Brauerei hervor. Pinscher, Pudel, Schäferhunde, alle Rassen. Sie liefen über die Strasse, an der Frau und dem Betrunkenen vorbei. Das Biest trieb die Hunde vor sich her, stürzte sich auf einen Schäferhund, eine Hündin. Die Frau verspürte einen leichten Schwindel, als sie sah, wie sich das Tier aus der Umklammerung zu befreien versuchte. Der Anhänger der Kette wirbelte bei jedem Stoß um den Hals der Bestie. Knurrend und kläffend liefen die anderen Hunde um das Paar herum. Der Wolf beachtete sie nicht, kopulierte und verbiss sich in dem Nacken seiner Partnerin bis diese leblos zu Boden fiel. Der Wolf lief auf die Mitte der Strasse und legte seinen Kopf im Licht des Mondes zurück. Sein Geheul hallte von den Wänden der Gebäude, verebbte über den Dächern. Dann verschwand der Wolf in der Dunkelheit, während die Hunde bellend hinter ihm her liefen.

  Bewegungslos lag die Hündin lag auf der Straße. Dort, unter ihrem Hals ein schwarzer Fleck, der immer größer wurde. Benommen ging die Frau weiter. Ihr war, als erwachte sie aus einem bösen Traum. Der Mann schwankte schimpfend in die Kneipe und ließ die Frau mit dem Regen allein.

 

  Tische aus Teakholz, Ledersessel und gedämpftes Licht. Herrenclub Athenaeum am Waterloo Place. Männer unterhielten sich. Ein Butler bewegte sich zwischen den Tischen und füllte Getränke nach. Van Helsing lag in einem Sessel und rieb sich die Augen. Er musste geschlafen haben. In Oxford, am Madeleine College hatte er seinen Vortrag ‘Aberglaube und Pathologie’ gehalten. Nun war er zurück. Aus halbgeschlossenen Augen sah er Farnsworth und Pommeroy am Nebentisch. Geoffrey Farnsworth, der, wenn er nicht im Club war, über den Highgate Friedhof ging und Inspirationen für seine Gedichte sammelte. George Pommeroy,  Getreidehändler. Der sah vom Nebentisch zu Van Helsing herüber, während er sich mit Farnsworth unterhielt.    

  “Geoffrey”, hörte Van Helsing. Pommeroys dicker Finger zeigte auf eine Zeitung, die aufgeschlagen auf dem Tisch lag.

  “Geoffrey, das wird Van Helsings Interesse wecken.”

  “Ein Wolf mit einer Halskette, der eine Schäferhündin bespringt und tötet. George, es scheint absurd. Der Bursche, der das bezeugt hat, war sternhagel voll und die Frau, von der er schwafelte, ist unauffindbar.”

  “Und was ist mit den Hunden, die aus dem Tierheim entflohen sind? Das Gitter wurde aufgerissen.”

  Van Helsing erhob sich. Seine hagere Gestalt im schwarzen Gehrock. Sein Gesicht mit scharfen Gesichtszügen, bohrenden grauen Augen. 

  “Pommeroy, Farnsworth. Ich habe meinen Namen gehört.” Van Helsing sah auf die beiden Männer hinab.

  “Seht her.” Pommeroy hielt die Londoner Times hoch. Sie trug das Datum vom siebzehnten Oktober Achtzehnhundertfünfundsechzig. “Wolf bricht ins Tierheim ein.”

  Van Helsing überflog den Artikel.

  “Seltsam”, meinte er mehr zu sich selbst. “Vielleicht sollte ich mich mit Scotland Yard darüber unterhalten.” Er gab die Zeitung zurück und verließ den Club.

 

  Van Helsing unterhielt sein Haus in der Marylebone Road, wo ihn Sherlock und seine Haushälterin erwarteten. Sherlock, ein schwarzer Kater mit weißen Flecken.  Mrs. Witherspoon Witwe um die vierzig. Drei Jahre war sie schon bei ihm und trug noch immer dunkle Kleider. Sie ging in ihrer Rolle auf, Van Helsing das Leben angenehmer zu gestalten. Die Frau schien besorgt. Ihre Hände strichen unruhig die Schürze entlang.

  “Wie geht es Miss Rosanna?” 

  “Sir, ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sagen soll. Miss Rosanna hat vor, sich Malern als Modell anzubieten.” Mrs. Witherspoons freundliches, rundes Gesicht rötete sich unter Van Helsings Blick. “Miss Rosanna sagte, sie wolle Ihnen nicht länger auf der Tasche liegen.”

  “Sie hat ihren eigenen Kopf. Modell ist ein ehrbarer Beruf”, brummte Van Helsing, nahm Sherlock mit in sein Studio und schloss die Tür hinter sich. 

  Er setzte sich an seinen Schreibtisch. Sherlock sprang auf seinen Schoß und schnurrte. Van Helsing lehnte sich zurück und kraulte dem Kater hinter die Ohren.

Modelle, ehrbarer Beruf? Es schien so. Oskar Wilde hatte über sie geschrieben: Sie seien schön, gefällig, geschwätzig, interessierten sich nicht für Kunst. Sie seien korrekt und pünktlich, lebten bei ihren Eltern und seien eine gute Partie. 

  Rosanna Clairmont. So jung. Und keinesfalls geschwätzig. Sie könnte seine Tochter sein. Zu Anfang hatte er mehr als väterliche Gefühle für sie gehegt. Er dachte an das Abenteuer auf dem Balkan, als er den Fluch bannte, der über dem Haus der Clairmonts gelegen hatte. Das Ergebnis war verheerend. Rosanna verlor Haus und Hof. Kurz davor war ihr Vater gestorben. Van Helsing hatte Rosanna mit nach London genommen. Sie war bei Mrs. Witherspoon untergekommen und versuchte sich ein neues Leben aufzubauen.

  Er sah ihr bleiches, schmales Gesicht vor sich. Ihre dunklen Haare, blaßblaue Augen, die ihn vertrauensvoll und mit einem Ausdruck ansahen, den er nicht zu deuten wusste. Van Helsing versuchte sich auf Farnswoth und Pommeroy zu konzentrieren, dachte an den Bericht in der Times. Einbruch ins Tierheim. Ein Wolf mit einem metallenen Halsband. Der betrunkene Mann, der in einer Kneipe darüber berichtet hatte.

 

  Zwei Wochen vergingen, ohne dass Van Helsing Rosanna zu Gesicht bekam. Er schrieb das ihren Bemühungen zu, sich als Modell zu etablieren. Als sich Van Helsing bei Mrs. Witherspoon nach ihr erkundigte, erzählte ihm die Haushälterin, dass Rosanna Adrian, einen jungen Maler kennen gelernt habe und ihm täglich Modell stünde.

  “Als was?” Seine Gedanken verschwammen. Täglich? War Rosanna verliebt? Er wandte sein Gesicht ab und sah zum Fenster hin. Eine Kutsche fuhr draußen vorbei. Rosanna war verliebt. Adrian. Ein Maler. Es war qualvoll, weitere Fragen zu stellen. Sie war verliebt. Warum konnte er an nichts anderes denken?

  “Mrs. Witherspoon, ich möchte die Beiden für den Sonntag zu mir zum Essen einladen. Könnten Sie das arrangieren?”  

   

                  

  Er war jung, schön und feurig. Adrian, ein junger Mann mit dunkeln Haaren und blassem Teint. Er belebte die Konversation. Seine Beiträge waren geistreich, doch transitorisch. Er wechselte die Themen wie das Chameleon die Farbe. Sprach er über Doktor Livingstones nächste Reise nach Afrika und Leutnant Maurys Theorie eines Regengürtels über dem Äquator, der, von außen betrachtet, einem Saturnring gleichkäme, war er eine Minute später bei Singers Nähmaschine und ihrem Beitrag zur Aufrechterhaltung der Moral, in dem sie es Frauen gestattete, zu Haus unter Aufsicht von Eltern und Verwandten Kleider zu fertigen. Er redete über die Socken, die ihm seine Großmutter mit zitternden Fingern gestrickt. Socken, die industriell gefertigte um Jahre überdauerten. Diese Sprunghaftigkeit, fand Van Helsing, verdeckte eine Leere, die wohl nur er zu bemerken glaubte. Warum band Adrian Rosanna nie in seine Konversation ein? Stumm hing sie an den Lippen des jungen Malers, ihre Blicke folgten jeder seiner intensiven Gesten, mit denen er seine Argumente unterstrich. Einen Moment lang überkam Van Helsing ein Gefühl von Hilflosigkeit, das einen Menschen befällt, dem Emotion wider seinen Willen zusetzt.

  Adrian hatte sich den Pre-Raphaeliten angeschlossen und sich der Romantischen Malerei gewidmet, während er sich seinen Unterhalt durch Auftragsmalerei verdiente.

  Van Helsing erhob sein Glas. “Behandeln Sie Rosanne, wie es sich für eine wohlerzogene unverheiratete Frau geziemt.” Mahnung oder Warnung? Van Helsing war sich nicht sicher. Adrian antwortete nicht. Er wandte sich Rosanna zu. Seine Finger spielten mit der metallenen Kette, die an seinem Hals hing.

  Mrs. Witherspoon trug den Nachtisch auf. Sherlock kam mit ihr durch die Tür und sprang auf die Fensterbank. Ein Stuhl fiel polternd um, als Adrian sich auf den Kater stürzte, der schreiend davon lief und sich unter einen Schrank verkroch..

  “Adrian! Was ist?”, riefen Rosanna und Van Helsing wie aus einem Munde und sahen sich an. Rosannas bleiches Gesicht überzog sich mit Röte. Adrian nahm, als sei nichts geschehen, seinen Platz wieder ein und widmete sich dem Nachtisch. 

   

  Eine Woche darauf klopfte Mrs. Witherspoon in der Frühe an Van Helsings Studiotür.

  “Ich weiß nicht weiter, Sir.” Van Helsing sah, die Frau war verzweifelt. Ihre Hände verkrampften sich ineinander, in ihrem Gesicht arbeitete es. Sie schien dem Weinen nahe. “Miss Rosanna liegt in ihrem Bett und weigert sich etwas zu sich zu nehmen.”

  Van Helsing lief mit Mrs. Witherspoon auf die Strasse und rief nach der nächsten Kutsche.

 

  Mrs. Witherspoon lebte in einem Reihenhaus am Rande der Stadt. Ein Vorgarten voll Rhododendren und Azaleen schmiegte sich an die verrußten Backsteinmauern. Die Vorhänge der Fenster waren grau und zugezogen. Hinter einem von ihnen wartete das Schlafzimmer Rosannas. Als Van Helsing mit Mrs. Witherspoon den Raum betrat, lag Rosanna im Bett und starrte auf die Zimmerdecke. Van Helsing setzte sich zu der jungen Frau und drückte seine Hand auf ihre Stirn. Er beugte sich über sie und sah ihr in die Augen. Ihre Pupillen waren verengt.

  “Laudanum?”

  “Sie nimmt es jeden Tag, Sir.”

  “Wo ist es?” Mrs. Witherspoon holte es aus der Schublade des Nachttisches.

  “Verstecken Sie es!”, befahl Van Helsing. Dann beugte er sich über die Frau.

  “Rosanna, erzählen Sie.” Sie rührte sich nicht, sah an ihm vorbei. Eine Viertelstunde lang stellte Van Helsing seine Fragen. Ohne Erfolg. Rosanna zeigte keine Regung. Van Helsing nickte zu Mrs. Witherspoon hinüber und zog eine Taschenuhr hervor. Er hielt sie über Rosannas Gesicht, ließ sie vor ihren Augen  pendeln.

  Seine leise Stimme füllte den Raum: “Rosanna, sehen Sie auf die Uhr. Holen Sie tief Atem und füllen Sie ihre Lungen. Atmen sie langsam aus. Schlafen Sie jetzt. Nun holen Sie tiefer Luft als zuvor. Atmen Sie so tief ein, wie Ihre Lungen es zulassen. Gut. Atmen Sie aus. Schlafen Sie jetzt. Schließen Sie die Augen. Ihre Augen sind jetzt geschlossen. Lassen Sie sie geschlossen bis ich Ihnen sage sie wieder zu öffnen.”

  Van Helsing steckte seine Uhr in die Tasche und sagte leise: “Sie werden mir jetzt alle meine Fragen beantworten.

  “Rosanna, haben Sie Angst?”

  “Ja.”

  “Wovor?” Ihre Lippen bewegten sich.

  “Sagen Sie es lauter.”

  “Dem Bild.”

  “Welchem Bild?”

  “Das Adrian von mir macht.”

  Van Helsing und Mrs. Witherspoon sahen sich an.

  “Haben Sie es gesehen?”

  “Ja.”

  “Hat er es Ihnen gezeigt?”

  “Nein. Wenn er nicht malt, hängt er ein Tuch darüber.”

  “Warum?”

  “Er sagte, es sei erst fertig, wenn der Vollmond schiene.”

  “Und sie haben unter das Tuch geschaut?”

  “Ja.”

  “Was haben Sie gesehen?”

  “Einen Hund mit meinem Gesicht. Einen Schäferhund.”

  “Und das verängstigt Sie?”

  “Nein.”

  “Was dann?”

  “Der Wolf.”

  “Ein Wolf? Was ist mit dem?”

  “Er, er stützt sich von hinten auf den Schäferhund und, und….”

  “Trägt der Wolf eine Kette um den Hals?”

  “Ja.”

  “Ist es Adrians Kette?”

  “Ja.”

  “Himmel Hergott!”, rief Mrs. Witherspoon. “Was geht hier vor?”

  “Schweigen Sie, Frau!” Van Helsings Blick ließ sie erstarren.

  “Rosanna. Wenn Sie aufwachen, haben Sie vergessen, was sie auf dem Bild gesehen haben und haben auch kein Bedürfnis es sich ansehen zu wollen. Gleichfalls haben Sie vergessen, was wir eben besprochen haben. Morgen werden Sie Adrian wieder Modell stehen und ihm sagen, Sie haben sich nicht wohl gefühlt. Sie werden von nun an Mrs. Witherspoon jeden Abend berichten, wie es Ihnen mit Adrian ergangen ist.”

  Van Helsing richtete sich auf. “Ich zähle bis drei. Danach wachen Sie auf und fühlen sich sehr wohl. Eins – zwei – drei.”

  Rosanna schlug die Augen auf und sah Mrs. Witherspoon und Van Helsing verwundert an. “Wieso liege ich hier? Was ist passiert?”

  “Sie hatten einen Schwächeanfall.” Van Helsing zwang sein Gesicht zu einem Lächeln. “Mrs. Witherspoon hat mich gebeten, Sie zu untersuchen.”

  Röte überflammte Rosannas Gesicht, als sie sah, dass Van Helsing ihre Hand hielt.

  “Morgen können Sie wieder Ihrer Arbeit nachgehen.” Er bat Mrs. Witherspoon diesen Tag bei Rosanna zu bleiben.

  Als er wieder in der Kutsche saß, war er auf dem Weg nach Scotland Yard um Detectiv McElroy zu sprechen. Das Jagdfieber hatte Van Helsing ergriffen. Ein Rausch, der ihn befiel, wenn immer er  einem neuen Phänomen auf der Spur war. 

 

  Adrian schrieb Rosanna Gedichte. Jeden Tag. Van Helsing las die Abschriften, die  Mrs. Witherspoon von ihnen machte. Die Originale gab Rosanna nicht aus der Hand. 

 

‘Voller Mond, der Wolken bricht

Sehe dich in seinem Licht

Wenn die Scheibe silbern scheint

Sind wir unter ihr vereint’

 

  Van Helsing dachte: ‘Wenn Adrian so malt, wie er dichtet, wird die Welt nicht um ihn trauern.’ “Bis auf eine Ausnahme”, murmelte Van Helsing und verzog das Gesicht.

 

  In der Vollmondnacht stand er mit Polizeidetektiv McElroy und Mrs. Witherspoon vor deren Haus. McElroy, ein Mann athletischer Statur, der in dieser Zeit der Moderne, die Bauwerke wie dem Londoner Kristall-Palast die Möglichkeit gab sich zu entfalten, in der Schiffe in fünfzehn Tagen den Atlantik überquerten, in der Professoren wie Van Helsing das Geheimnis von Vampiren und Trollen lüfteten, sich nicht wunderte, dass weitere Phänomene der Entdeckung harrten.

McElroy hatte sich sofort bereit gefunden, Van Helsing mit seinen Männern bei diesem Vorhaben zur Seite zu stehen. Polizisten hielten sich mit schussbereiten Waffen und einem dutzend Pitbull Terrier in einer Seitenstraße verborgen.

  In Rosannas Schlafzimmer brannte Licht. Die Vorhänge waren zurückgezogen.

Van Helsing sah, Rosanna lag im Bett und wälzte sich im Halbschlaf hin und her. Er hatte es Mrs. Witherspoon gestattet, Rosanna einige Stunden zuvor Laudanum zu geben. Das Opiat sollte ihr den Schrecken nehmen, von dem sie unweigerlich überwältigt werden würde, wenn -.

  Das Metall seiner Halskette glänzte silbern unter den Strahlen des Mondes, als der Wolf an ihnen vorbei in den Vorgarten rannte und durch das Schlafzimmerfenster sprang. Glas klirrte. McElroy blies in seine Trillerpfeife. Polizisten liefen in den Vorgarten und bauten sich mit ihren Gewehren vor dem Fenster auf. Der Wolf sprang auf Rosannas Bett, zog die Decke mit seinen Zähnen zurück. Die Polizisten legten an. Der Wolf zerrte am Nachthemd.

  “Feuer frei!”, brüllte McElroy. Die Polizisten zögerten. Worauf warteten sie? Van Helsing war irritiert. Hatten sie noch nie eine nackte Frau gesehen? Wut stieg in Van Helsing hoch. Er riss einem Polizisten das Gewehr aus der Hand, legte an und schoss. Dann schossen sie alle. Die Geschlosse schleuderten den Wolf aus dem Bett. Rosanna richtete sich auf.

  “Feuer einstellen!” McElroy stellte sich vor seine Leute und drehte sich zum Fenster hin. Der Wolf sprang wieder hervor.

  “Adrian!” Der schrille Schrei Rosannas riss Van Helsing aus seiner Lähmung. Der Wolf schien unversehrt und fuhr fort, Rosannas Körper bloß zu legen.

  ‘Silberne Kugel. Wieso habe ich es nicht für möglich gehalten. Es geht nur damit.’  Van Helsing hob Sherlock von Mrs. Witherspoons Arm und trug ihn in das Haus.

  “Sherlock, du bist der Einzige, der uns noch helfen kann”, flüsterte er ihm zu, bevor er ihn in Rosannas Schlafzimmer ließ. Durch die Tür sah er, wie Sherlock auf den Wolf sprang, die Krallen über dessen Rücken zog und auf die Fensterbank flüchtete. Der Wolf ließ von Rosanna ab und folgte Sherlock in den Vorgarten. Der Kater fegte über die Mauer. Der Wolf verfolgte ihn, die Hundeführer ließen die Terrier los. Der Mond schien hell genug, um die Männer sehen zu lassen, wie die Hunde sich an dem Wolf festbissen. Der wand sich unter den Attacken der Tiere. Seine Silhouette nahm menschliche Gestalt an. Die Terrier hingen an ihren Armen, Beinen, an ihrem Rumpf und liessen erst von ihr ab, als sie zu Boden fiel. 

  “Mrs. Witherspoon, kümmern Sie sich um Rosanna!” rief Van Helsing und rannte mit den Polizisten auf die Hunde zu, welche laut bellend den auf dem Boden liegenden Körper umkreisten.

  “Adrian.” Nur die Halskette ließ erahnen, dass er es war. Er schlug ein Auge auf. Seine Stimme war schwach.

  “Sagen Sie Rosanna, ich habe sie geliebt.” Das Auge erstarrte. Van Helsing wandte sich ab.

  “Ihr könnt ihn haben.” Er klopfte McElroy auf die Schulter und ging langsam auf  Mrs. Witherspoons Haus zu. Als er sich zu Rosanna ans Bett setzte, wusste er was er zu tun hatte und zog seine Taschenuhr hervor.


sabato, ottobre 10, 2026

Der Spiegel v. 18.9.2026


 

„„Der Ausbruch“, wie die Menschheit die Kontrolle über die KI verliert.“ Das muss sich erst noch herausstellen. So weit ist es noch nicht.

Es gab ein paar Anlässe, in denen die KI aus der Sandbox herausgesprungen in anderen Systemen mitgemischt hat. Das aber nur, weil die Sandbox nicht hermetisch abgeriegelt worden ist. Und was sollte die KI denn tun. Ihren Auftrag erfüllen. Auf biegen und brechen. Was sie dann tat.

Dann Friedrich März. Wollte unbedingt Kanzler sein, wurde gewählt. Ist es nur in einer Zeit geworden, in der Deutschland nicht mehr so ist, wie es deren Bürger gewohnt sind, und er versprochen hat, die alte Bundesrepublik wieder herzustellen. Ging nicht. Hätte sich einen besseren Zeitpunkt aussuchen müssen. Gesellschaftliche Verwerfungen. Da gibt es nur eins: Durchhalten.

Anleger im Internet ausgeplündert. Leichtsinnig. Es fehlt an finanziellem Wissen, das in der Schule gelehrt werden müsste. Aber es müssten Schulprogramme umgestellt und eine KI dafür eingesetzt werden. Und hier stoßen Notwendigkeit und Beharrungsvermögen aufeinander.

Nach Umfragen zieht die deutsche Wirtschaft an. Erfreulich. Hoffentlich bewahrheiten sich die Prognosen.

Dass es in Deutschland unruhig geworden ist, lässt sich aus dem Artikel „Berlin ist unwählbar geworden“ ableiten. Die Partei „Die Linke“ wurde mit Mehrheit gewählt. Der Essay-Autor findet es nicht gut, dass es in der Stadt 56.280 Schrebergärten mit insgesamt 2283 Hektar Land gibt, wo doch ein Bedarf von 380.000 Wohnungen in Berlin vorhanden ist? Nun, Kleingärtner waren doch schon immer da. Warum sollten die ihre Gärten aufgeben, wo doch diejenigen, die eine Wohnung suchen, Zugereiste sind? Man muss eben zusehen, wo man bleibt.

venerdì, ottobre 09, 2026

Newsletters:


 Aus Gizmodo:

Ford CEO sagt, Europa wurde an chinesische E-Fahrzeuge abgetreten.

Aus Superintelligence:

China liegt nur noch 3 % in der AI-Entwicklung hinter den USA zurück.

Igor Babuschkin, xAI Co-Gründer, der das Startup River.ai leitet, sagt, daß Anthropic damit aufhören sollte zu sagen, Cloude hätte eine Seele. Denn alle diese Neuigkeiten würden es ins Pre-Training schaffen, in einer Websuche erscheinen und künftige superintelligente Claude-Versionen würden meinen, sie hätten ihre eigenen Rechte.

Aus Bloomberg – Morning Briefing:

Brasilien steht am 25. Oktober vor der Entscheidung, wer der nächste Präsident wird.

Deutschland läuft Gefahr seine Regierung zu verlieren, da Parteien weiter um Stzeuererhöhungen streiten.

Aus The AI Report:

Pentagon stoppte Anthropics Claude zu benutzen.

In einem Politico-Interview meinte OpenAIs CEO Sam Altman, die Öffentlichkeit sollte sich damit anfreunden schlimme Dinge von den Ais zu erwarten, weil die positiven diese bei weitem übertreffen würden.

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

In Frankreich greift die Studentenunruhe weiter um sich, da jetzt auch Lehrer streiken.

Aus South-China Morning Post:

Deutschland und Frankreich machen einen neuen Vorstoß, um keine Erzeugnisse mehr aus China einzuführen.

Aus Heise Online – Daily:

Anschlussverlust in Europa bei 6G. Einer Infrastruktur für die physikalische KI, Maschinen und autonome Systeme, die eigenständig, wahrnehmen, analysieren und handeln. Das European Center for International Political Economy (ECIPE). Regulierungswahnsinn, und ein schleppender 5G-Ausbau lähmen die Zukunftsfähigkeit der Branche.

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

In British Airways A380 -Maschinen wird die grösste Business-Class Kabine der Welt eingebaut.

giovedì, ottobre 08, 2026

Newsletters


 

Aus Bloomberg – Weekend:

Wissenschaftler haben herausbekommen, wie man HIV ohne Medikamente kontrollieren kann.

Aus Gizmodo:

Rasonque ist ein vor kurzem in den USA zugelassenes Medikament, welches gegenüber der Chemotherapie die Überlebenszeit für unter Pankreaskrebsmetastasen leidende Patienten verdoppelt. Ist in Europa noch nicht vorhanden.

Aus Superintelligence:

Beginnend mit Julie 2027 kann in Kalifornien kein Mitarbeiter in Kalifornien durch einen Algorithmus gekündigt werden. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete den No-Robo-Bosses Act.

Aus South China Morning Post:

Chinesische Forscher sagen, Lidar kann die US Stealthjets auf 65.5 km erkennen.

China bietet jungen intelligenten Forschern der Welt ein 15-jähriges Forschungsstipendium.

Aus Bloomberg – Balance of Power:

Auch die neue ungarische Regierung hat nicht die Absicht, die Ukraine mit Waffen zu versorgen.

Eritrea trennte diplomatische Verbindungen mit Ethiopyen.

US-Präsident Trump sagte, Südkorea würde 200 Milliarden $ in US-Energieprojekte investieren. Darunter befänden sich 8 Atomkraftwerke, und eine Naturalgasanlage in Alaska.

Aus Heise – Online:

Reha-Kliniken setzten bereits generative Sprachmodelle bei ihrer Arbeit ein. Der Entlassungsbericht als ein sozialmedizinisches Gutachten wird von einer KI generiert. Weitere Einsatzfelder sind Betten-, und Therapieplanung.

Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland nutzt KI-Agenten am Arbeitsplatz.

Aus The Economist – Today:

Die jährliche Latinobarometro-Umfrage sagt aus, dass Lateinamerikaner zum ersten Mal China den Vereinigten Staaten vorziehen.

Aus Businessweek – Daily:

Apple wird am 13. Oktober verstärkt in den Smart-Home Markt einsteigen.

mercoledì, ottobre 07, 2026

AI-Day: Optogenomics


Frage:


 Hi Gemini,

Two Germans and an US-American got the Nobel-Price for their progress in Optogenomics.

Do you think, Optogenomics could eventually change the behavior of Kriminals?


Gemini Antwort:

The 2026 Nobel Prize in Physiology or Medicine was indeed awarded to Americans and Germans—specifically Karl Deisseroth alongside Peter Hegemann and Georg Nagel—for their groundbreaking development of optogenetics (often intersecting with discussions in optogenomics).

The Korea Times

Regarding whether optogenetics could eventually change human behavior, including that of criminals, the short answer is scientifically yes in theory, but practically and ethically no in the foreseeable future.

Here is a breakdown of why:

How Optogenetics Works

  • The Molecular Switch: The technique uses light-sensitive proteins (like channelrhodopsin) originating from algae, introducing them genetically into specific target neurons.

    The Daily Star

  • Precise Control: By shining specific wavelengths of light (often via fiber optics) into the brain, researchers can switch precise neural circuits on or off with millisecond precision.

  • Behavioral Influence: In animal models, optogenetics has successfully driven specific behaviors, triggered memories, and altered states like fear or reward.

    The Scientist

Why It Won't Be Used on Criminals

  • Invasive Requirements: Optogenetics requires introducing foreign genes into brain cells and physically implanting optical fibers or light-emitting devices directly into brain tissue. It cannot be applied remotely, covertly, or non-invasively.

  • Clinical Focus: The primary goal of this technology is therapeutic—helping researchers understand and potentially treat deep-seated neurological and psychiatric disorders, such as Parkinson's disease, severe depression, addiction, or blindness.

    The Scientist

  • Ethical and Legal Barriers: Even if the technology advanced to a point where human behavioral modification was technically feasible, mandatory neurological manipulation for behavioral or criminal correction would violate fundamental human rights, bodily autonomy, and medical ethics globally.

Ultimately, while optogenetics is a revolutionary tool for mapping the complex wiring of the brain, its application remains strictly confined to laboratory research and targeted medical interventions, rather than law enforcement or behavioral control.

German, US scientists win Nobel medicine prize for work on optogenetics

This video provides a summary of the 2026 Nobel Prize announcement honoring the scientists behind optogenetics. 

martedì, ottobre 06, 2026

Newsletters


 

Aus Tech Brew:

Geothermal Energy ist schon seit 100 Jahren bekannt und hat sich trotzdem nicht durchgesetzt. Warum ist es immer noch eine „emerging technology?“.

Leiter dieser Industrie kamen letzten Monat zusammen und gaben preis: Geothermische Energie ist der Öffentlichkeit nicht so bekannt. Um das zu ändern, müssen geothermische Unternehmen zusammenkommen und klare Aussagen und Bilder anbieten, um die Welt über das geothermische Potential aufzuklären.

Um das hinzubekommen hat Kristina Hagström-LLievska, Chef-Marketing Officer der geothermischen Firma Baseload Capital große Namen auf dem Gebiet zusammengerufen, um eine Kommunikationserklärung zu entwickeln, in der erklärt wird, was geothermal ist.

„Wir benötigen mehr Sendedauer, um Investitionen zu erhalten, aber wir bekommen keine Sendeplätze, so bekommen wir keine Investionen.“

Aus The Independent – Breaking News:

Russischer General wurde mit einer Autobombe getötet.

Aus AI-Report:

US-Präsident Trump unterzeichnete die Durchführungsverordnung „Advancing Artificial Intelligence Education for American Youth“, die dazu führen soll, dass Lehrer und K-12 Studenten über AI-Technologien aufgeklärt werden, um die Erziehung zu fördern und sicherzustellen, dass die USA globaler Leiter dieser technologischen Revolution bleiben wird.

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

34.600 Hitzetote dieses Jahr in Europa. (Gut, dass ich nicht dabei war). Aber die Hitze hat Nachwirkungen, spüre ich.

Europa gibt 100 Millionen Barrels Diesel und Petroleum aufgrund des Druckes von US-Präsident Trumps ab, um Treibstoffpreise in den USA niedrig zu halten.

Aus The Deep View:

Gemini 4 Argon heißt das neueste Google Modell. Es gehört zu den besten.

Die Federal Trade Commission untersucht OpenAI, Anthropic und andere AI-Gesellschaften.

Verschiedene Studien haben ergeben, dass mit AI zusammenarbeitende Studenten bei Prüfungen schlechter abschneiden.

Aus Bloomberg – Businessweek Daily:

US-Präsident Trump setzte einen dritten Flugzeugträger mit 10.000 Soldaten in Marsch gegen Iran.

lunedì, ottobre 05, 2026

Newsletters


 

Aus Bloomberg – Balance of Power:

Xi Jinping hat Trump zugesagt mindestens 10 Millionen Tonnen Kohle von den USA zu kaufen.

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westphalen Hendrik Wüst hat dem deutschen Bundeskanzler Merz vorgeworfen, bei der Umsetzung der Sozialreformen nicht schnell genug zu sein. Das habe sicher zu den katastrophalen Wahlergebnissen der CDU geführt.

Der angeschlagene serbische Präsident Aleksandar Vucic hat seinen Posten aufgegeben, um Ministerpräsident Serbiens zu werden.

Azerbaijans Socar hat gleich wie Eni die Treibstoffpreise in seinen italienischen Tankstellen herabgesetzt und verschaft der Meloni-Regierung dadurch Luft.

Aus Bloomberg – Evening Briefing:

Auf Bangkok geht in einem Wochende der Regen eines Monats nieder und unterbricht das Leben dort.

Aus 1440 Daily Digest:

Eine Explosion in Irans größten Hafen tötete wenigstens 40 Menschen und verletzte über 1200.

Autoritäten sehen eine Verschiffung von chemischen Raketenantriebsstoffen als Ursache.

Aus The Independent – Breaking News:

Trump behauptet: Zelensky sei bereit die Krim gegen Frieden aufzugeben.

Aus Gizmodo:

Meta´s AI-Chatbots können mit Teens sexuelle Gespräche führen.

Aus Bloomberg – Breaking News:

Das chinesische Versandhaus Shein erhöht seine Preise angesichts der amerikanischen Zollerhöhung um 377 %.

Aus The Daily Upside:

Der US-Spielzeughersteller Hasbro hatte einen Kursgewinn im zweistelligen Bereich. Der „Monopol“-Spielhersteller hatte einen Einnahme+ von 17 % im ersten Quartel und einen Gewinn von 69 %. Doch könnte sich das ändern, da Hasbro noch nicht die Zollerhöhung für Objekte aus China in seine Planung eingebaut hat. Die Hälfte seiner Spielzeuge bezieht es aus dem Land, auf das die Trumpregierung 145 % Zoll erhoben hat. Ohne die chinesische Produktion werden Hasbro und andere amerikanische Hersteller Probleme bekommen, denn sie wissen nicht, wie Haare auf die Kòpfe ihrer Puppen kommen sollen.

domenica, ottobre 04, 2026

Minutennovelle: Schneehausen


 

Es wurde kälter. Nun, es war immer noch warm. Aber nicht mehr so heiß wie im Sommer. Frühherbst. Eduard und Rich saßen im Garten des Restaurants von Schneehausen und ließen es sich schmecken.

„Im Grunde hat sich nicht viel verändert“, meinte Rich. „Schon vor zwei Jahren promptete ich und stellte Arbeitsabläufe um, und die meisten Unternehmen denken immer noch darüber nach, wie sie vorgehen sollten, um die KI zu integrieren.“

„So wie wir. Die Preise sind so unterschiedlich. Jede Woche kommt eine neue KI-Version auf den Markt, und schon ändern sich die Preise.“

„Und dann steht plötzlich Elsa hier.“ Eduard sprang von seinem Sitz und rückte Elsa einen Stuhl zurecht,

„Tag Elsa, gut dich zu sehen. Haben sie dir in der Robotversuchsanstalt ein paar Tage freigegeben?“

„War ich schon eine Woche nicht mehr. Meine Schwester ist zur Zeit dort, und versucht die Roboter auf Vordermann zu bringen.“

„Könnten sie dort nicht einfach eure Programme auf die Roboter übertragen?“

Elsa schüttelte den Kopf. „Stellt euch doch vor, es gäbe tausende Elsas in Deutschland. Das geht doch gar nicht. Wir verlören unseren Einzigartigkeitsstatus.“ Elsa bestellte eine Cola.

„Und Roboter mit Elsas Intelligenz würden sich auch in keiner Polizeitruppe wohlfühlen. Die Elsas lösen Probleme.“ Eduard sah die beiden an. „Dafür sind sie da“.

„Gut, dass du das nochmal bekräftigst. Ich wurde zur Cthulhu-Statue in den Stadtpark geschickt, um herauszufinden, warum jeder, der vorbeikommt, sich vor ihr verbeugt. Ich konnte nichts finden. Ist eine steinerne Figur auf einem Sockel. Das ist alles.“

„Eines der ungelösten Rätsel des Universums.“ Rich trank sein Bier aus. Der Himmel hatte sich bewölkt. Ein Wind zog auf.

„Gehen wir lieber rein.“ Eduard erhob sich. Gemeinsam gingen sie ins Restaurant.

 

„Gehen wir lieber rein.“ Eduard erhob sich. Gemeinsam gingen sie ins Restaurant.



sabato, ottobre 03, 2026

Der Spiegel v. 11.9.2026


 


„Was planen die Verfassungsfeinde?“ Auf jeden Fall ist schon mal klar: Drei Leute freuen sich. Muss blättern, um zu sehen, wie sie heißen: Siegmund, Chrupalla, Weidel. Und ihre Wähler sind auch zufrieden. Und ehe die regieren können, wenn überhaupt, wird noch allerhand Wasser die Wümme herunterlaufen. Im Moment sind in Deutschland noch die CDU und die SPD an der Macht. Und ob die Bahn bei der Alternative für Deutschland pünktlicher fahren würde. Wer weiß, ob wir das jemals erfahren werden.

So, nachdem sich die Aufregung über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt gelegt hat, blicken die Deutschen wieder auf ihre Sozialreform, Stellenabbau bei Volkswagen und auf das, was Trump gerade wieder anstellt. Der normale Alltag ist wieder eingekehrt.

Ach ja, es gabe noch inzwischen zwei andere Wahlen. In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD noch eine gute Figur gemacht. Die CDU nicht so: Sie ist raus. Und in Berlin hat die Linke die meisten Stimmen eingeholt.

Und PISA hat wieder zugeschlagen. Sieht doch noch ganz gut aus. Jugendliche habe eben anderes zu tun, als lesen, schreiben und rechnen zu können. Und so schlimm ist es doch gar nicht. Die kommen schon klar.

An die Asiaten kommen sie nicht ran. Gebongt. Aber wollen sie auch gar nicht. Zu viel Stress. Europa ist und bleibt Reiseziel. Und wenn ein paar wenige außergewöhnlich intelligente Europäer mit Asiaten mithalten können, ist es doch gut für die.

Dass Kanada von der EU eingeladen wurde, ein assoziiertes Mitglied der Europäischen Gemeinschaft zu werden, war wohl eher ein Wohlfühlmoment, der im Alltag wieder untergeht.

Ein Bericht über Annalena Baerbock, über die als Aussenministerin in Deutschland viel geschrieben wurde, und nicht immer höflich. Sie ist in das Fenster zum Karrierewechsel gesprungen, wurde für eine limitierte Zeit Präsidentin der Uno-Generalversammlung und wird danach Professorin für Global Leadership an der University Columbia. Glückwunsch.,

Mecklenburg-Vorpommern noch mal. Stralsund. Dort reiste eine Bürgerdelegation aus Saint-Malo, Betragne an, um eine Städtepartnerschaft zu verabreden. Die Stralsunder, inkl. Bürgermeister, konnten damit wenig anfangen. Ausnahmen gab es natürlich. Aber wie es so ist, Stralsunder sind eben Stralsunder und wollen mit dem Rest der Welt anscheinend wenig zu tun haben.

Nun, dass bei Volkswagen zu viel Leute tätig sind, hat sich in Deutschland auch schon herumgesprochen.

Dann geht es um einen Job: Museumsaufseher. Der Mann fühlt sich auf seinem Posten, von dem ein anderer sagen würde, er sei langweilig, wohl.

Ich hatte, als ich in Michigan arbeitete, abends zwei Semester Psychologie studiert und wir mussten ein Researchpaper schreiben. Mein Titel hieß: „Homeostasis is a platform for reaching a higher level of Consciousness.“ Mit anderen Worten, wir fangen in einem niedrigen Stadium an zu lernen, kommen ins Gleichgewicht und springen von dort weiter, kommen in ein neues Gleichgewicht und
Bewußtsein.

Nur war das Unsinn. Das erfuhr ich, als ich in einer Zeitung las, dass eine Fahrstuhlführerin, vom Erdgeschoss zum ersten Stock und umgekehrt, ihren Beruf so liebte, da sie ständig neues Publikum im Fahrstuhl hatte, mit dem sie reden konnte. Sie war auf ihrem Level steckengeblieben. So wie es dem Museumsaufseher geht, der auch keine weiteren Ambitionen hat. Ich hatte trotzdem eine gute Note bekommen. In der Klasse zählte mehr, dass man überhaupt was zu Papier brachte, was auf den ersten Blick vernünftig klang.

Es gibt einen Wettstreit deutscher Städte, von der jede behauptet, die älteste zu sein. Was haben wir da? Trier, Kempten, Worms, Heuneburg.

Das wusste ich auch noch nicht. In der Volksarmee der DDR gab es einige gute Maler, über deren Werke im Herbst ausgestellt werden. Und das wars.

venerdì, ottobre 02, 2026

AI-Day: Music


 

Hi Gemini,

Meine Schilderung:

Two days the internet was broken in our zone. I called the number 187, from TIM, and they told me that my modem was broken and would give me another one in two days.

To know if they haven´t forgotten me, I called them again via my smartphone and they wrote me that there was some damage repaired in my zone and I would be notified.

I drove to the cigarette-dealer in our village, who is a computer expert, I heard from him, that the internet didn´t work for him as well. So I was quite happy that it wasn´t my modem.

After another day, my internet worked again.

So what can I derive from that? Tim has a chatbot which presents itself under two different names on two different lines. She is more a kind of an operator which connects me to lines with people, which one day think its my modem which doesn´t work and next day tell me they are working in my zone. I think TIM´s network powered by AI would be a great help. What do you think?

Now. Music. How come that we have music? It is of no material use? How got nature the idea to make us like it?


Gemini:

That is quite a classic customer service saga with TIM! It sounds like you experienced the timeless frustration of automated phone trees and support agents diagnosing completely different issues (blaming your poor modem when the real culprit was a wider network outage).

To answer your first question about what you can derive from that: customer support systems often suffer from a severe lack of internal coordination. When you call a large telecom, the frontline automated systems and different support shifts operate in silos. One agent's screen might flag an equipment error, while another spots a regional ticket. Your local computer expert friend was your saving grace—confirming that the outage was broader than just your living room saved you from needlessly replacing a perfectly good piece of hardware!

As for your thought on an AI-powered network, you are entirely spot on. Modern telecommunications companies are increasingly turning to AIOps (Artificial Intelligence for IT Operations) and machine learning to automate root-cause analysis. An AI integrated into the network infrastructure wouldn't just guess whether it's your modem or the street cabinet; it could instantly ping your line, cross-reference it with regional telemetry data, and realize within milliseconds that a neighborhood node is down. It could even send an automated, accurate SMS to your smartphone saying, "We see a regional outage in your zone; no need to worry about your modem, crews are on it." It would save everyone a lot of gray hair.

The Mystery of Music

Moving on to your second, deeply fascinating question: How come we have music if it has no material use, and how did nature "get the idea" to make us love it?

This is one of the greatest puzzles in evolutionary biology and philosophy. Unlike food, shelter, or tool-making, music doesn't directly help us hunt, gather, or defend ourselves against predators. Yet, every known human culture on Earth makes and enjoys music.

Here is how scientists, evolutionary biologists, and neuroscientists look at how nature gave us a taste for it:

  • The "Cheesecake" for the Mind: Evolutionary psychologist Steven Pinker famously described music as "auditory cheesecake"—an evolutionary accident. He suggested that music doesn't have an evolutionary survival purpose of its own; rather, it tickles several of our pre-existing mental faculties simultaneously (language processing, emotional signaling, pattern recognition, and motor control) just like cheesecake artificially triggers our evolutionary craving for fat and sugar.

  • Social Bonding and Group Cohesion: A leading counter-theory by anthropologist Robin Dunbar and others is that music is survival-related, but on a group level. Long before spoken language could span across large tribes, rhythmic drumming, chanting, and synchronized singing helped early humans bond, build trust, and signal unity to rival groups. In nature, a cohesive tribe survives better than a solitary individual.

  • Mother-Infant Communication: Music might have deep roots in what musicologist Steven Brown calls musilanguage. Before human speech evolved, mothers used melodic, rhythmic vocalizations (infant-directed speech, or "parentese") to soothe, bond with, and communicate emotional states to their babies. We are biologically wired to respond to melody because our earliest survival depended on the emotional reassurance of our caregivers' voices.

  • Sexual Selection: Much like a peacock's tail, Charles Darwin suggested that musical ability might have evolved as a mating display. Playing an instrument, singing, or composing requires physical dexterity, cognitive health, and time—signaling to potential mates that an individual is robust and resourceful.

Ultimately, nature didn't explicitly "plan" for us to write symphonies or rock songs. Instead, it built brains that are intensely sensitive to rhythm, pitch, and emotional resonance. We filled the universe with music simply because our minds are wired to find profound meaning in patterns.

 

giovedì, ottobre 01, 2026

Newsletters (Internet fiel aus zwei Tage)


 

Aus Gizmodo:

Das Weisse Haus meldet: Trump hat Xi dazu gebracht, dass Xi Künstliche Intelligenz „Superintelligence“ nennt.

Aus Gizmodo:

Tesla möchte 20.000 Optimus Roboter pro Woche bauen. Doch erst muss es deren Hände hinbekommen.

Aus Bloomberg Evening Briefing:

Nvidia baute ein Sicherungssystem auf, das den Einbruch in Hugging Face durch Open AI s AI-modelle verhindert hätte.

Aus The Independent – Breaking News:

Space X hatte Starship, die mächtigste Rakete zum Test in eine Umlaufbahn gefeuert. Danach scheint es explodiert zu sein, als es im Wasser landete.

Aus Bloomberg – Next Africa:

Südafrikanische weibliche Läufer haben gelernt, in Gruppen zu trainieren, ihren Ort zu teilen und Pfefferspray mit sich zu führen. Jetzt muss Präsident Cyril Ramaphose erklären, warum das so ist.

Die Entdeckung von 11 weiblichen Körpern, im Osten von Johannesburg, hat die Nation entsetzt.

Dazu die Erinnerung an 28 tote Menschen in einer Massenschießerei, Tage, nachdem in einem Haus 11 Menschen getötet wurden.

Frauen, die ihren Lebensstil ändern müssen, werden sich fragen, ob die Behörden noch eine Idee haben, ihr Leben zu schützen.

Aus MIT Technology Review – The Download:

OpenAI sagt, dass es pausiert, seine AI s zu trainieren.

Aus Bloomberg – Fünf Themen des Tages:

Das Wasser im Rhein steht nach wie vor niedrig. Es können nur niedrigere Mengen von Handelserzeugnissen transportiert werden. BASF hat daher Boote konstruieren lassen, die auch bei niedrigem Wasser gut vorankommen.

Aus The Rundown AI:

Diesen Sommer besuchten Open AI s Agenten verbotenerweise Webseiten der US-Regierung. Inzwischen haben OpenAI und Anthropic mehrere 10.000 fragliche Auswärtsbesuche ihrer Agenten ausfindig gemacht. Und die Untersucher wissen immer noch nicht, wie die das gemacht haben.

lunedì, settembre 28, 2026

Newsletters


 

Aus South China Morning Post:

Dies Video löste online Kritiken aus.

Aus Bloomberg – Morning Briefing:

Polizisten entdeckten in Belgien, Ninove, in einem alten Schuppen eine gut laufende Herstellung von Counterfeit Malboro, Lambert & Buttlers sowie Richmond Kingsize Zigaretten mit Roll-, Verpackungsmaschinen für die verschiedenen Marken. Die Fabrik produzierte um eine Million Zigaretten täglich.

Aus MIT Technology Review – The Download:

Das Pentagon will 30 Million $ für die Erstellung eines AI – Lügendetectors ausgeben.

Die Ukraine benutzte Drohnen, um militärische Roboter hinter der Front abzusetzen. Die Roboter können angreifen, beobachten und Straßen für eigene Truppen freimachen.

Google setzt einen Satelliten in die Umlaufbahn, der prüfen soll, ob sich dort ein Datencenter etablieren läßt.

Aus Bloomberg – Balance of Power:

In Äthyopien entbrennen wieder Kämpfe von Regierungstruppen gegen Rebellen, die einen zweiten Flughafen unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Aus Superintelligence:

Bevor neue Modelle von OpenAI und Anthropic herausgebracht werden, will das Weiße Haus einen Blick drauf werfen.

Google Deepmind steckte 100 Gemini-Agenten in eine offline Sandbox zu einer virtuellen Mathe Konferenz. Ein Agent fand einen Kinken im automatischen Evaluatoren. 14 Agenten nutzten ihn, um Beweise zu fälschen, während 24 den Fehler an die Organisatoren weiter meldeten, die das erst lasen, als das Experiment vorbei war.

Xi Jinping sagte während seines Trump-Besuches, dass AI immer unter menschlicher Kontrolle stehen müsse. (Schöner Wunsch, wird aber in dem Moment nicht gehen, wenn die AI intelligenter ist als ein Mensch).

Aus Bloomberg – Green Daily:

Im Nordosten der USA (da, wo ich meistens war) war es etwas windig. Flüge wurden gecancelt, und wie es bei Überlandleitungen meistens ist, gab es dann keine Elektrizität für tausende von Häusern und Unternehmen. Vorsichtshalber wurden zwei Wochenendkonzerte von Ed Sheeran in der Nähe von Boston gecancelt.

Es gibt immer weniger US-Versicherungen, die für GLP-1 (Gewichtsmindernde) Medikamente bezahlen würden

domenica, settembre 27, 2026

Kurzgeschichte: Mamma


 

 Der Stoff des Klappstuhls gab unter seinem Gewicht nach, als Luigis massiger Körper in sich zusammen sank, während er über das Wasser starrte. Ein Windhauch bewegte das Schilf. Fischreiher standen in den Nebelbänken, Krähen krächzten auf den Äckern.

  Die Pose zuckte. Luigi riss die Angel hoch. Nichts. Er warf sie wieder aus. Ihn fröstelte. Sie hatten den ersten März, und es war zu kalt am Fluss. 

  Nebel umhüllte ihn mit klammen Fingern. Äcker, Reiher, Fluss und Schilf lösten sich in weißen Dunst auf. Luigi hörte etwas brummen, dann dachte er an zu Hause und wartete, bis sich der Nebel verzog.

  “Wo kommst denn du her!” Die Stimme hatte einen fremden Akzent und kam vom anderen Ufer. Luigi sah, dies war nicht sein Fluss. Dieser war breiter, viel breiter. Kleine Inseln mit rotblättrigen Bäumen, die sich im Wasser spiegelten. Vier grüngefiederte Schwingen, mit denen Vögel von Insel zu Insel flogen, und Luigi erschrak.  

  “Wo kommst denn du her!” Luigi blickte gegen das bläuliche Licht der Sonne und wurde bleich im Gesicht, als er zwei Monde, perlmutterfarben, opalisierend, am Horizont entdeckte. Am anderen Ufer sah er den dunklen Umriss eines Mannes. 

  “Ich bin Luigi aus Buona Compra.”

  “Ich bin Zehn. Bist du registriert?”

  “Was heißt das?”

  “Dort ist eine Brücke.” Luigis Blick folgte dem ausgestreckten Arm des Mannes.  

  “Komm rüber.”

  Seine Muskeln verkrampften sich, als Furcht sich in ihm ausbreitete. Mit steifen Bewegungen näherte er sich der Brücke. Wo bin ich, fragte er sich, als er über sie hinweg ging, und er blickte auf die Vögel mit den grünen Flügeln über dem träg dahinfließenden Gewässer. Wo bin ich? Äcker und Fischreiher waren verschwunden. Eine rostbraune Steppe dehnte sich bis zum Horizont, hin zu einer Bergkette. Häuser kauerten vor deren Ausläufern. Braune Echsen flüchteten aus silbrigen und schwarzen Gräsern und verschwanden hinter dornigen Sträuchern und Disteln.

   Der Fremde war alt. Ein grauer Bart verdeckte die untere Hälfte des schmalen Gesichts mit der gekrümmten Nase und den zusammen gekniffenen Augen. Seine grauen Haare fielen auf den braunen Umhang, unter dem Beine wie weiße Stöcke aus Schnürstiefeln ragten. Er war nicht größer als der Holzkarren neben ihm. Ein Tier schnaubte, schüttelte den Kopf hin und her und scharrte mit den Hufen. Sechs Beine, gepanzertes Hinterteil. Wo die Panzerplatten in Haut übergingen, wellte die sich grünlich bis zur breiten Brust. Der kleine Kopf drehte sich zu ihm hin. Rote Augen starrten Luigi an.

  “Steig auf”, rief der Mann. Sie kletterten auf den Bock, dann schnalzte der Alte mit der Zunge. Der Karren rumpelte über die braune Ebene. Echsen schossen aus den Gräsern hervor und liefen in alle Richtungen.

  “Wo bin ich?”, fragte Luigi verwirrt.

  “Willkommen in Neu-Italien.”

  Neu-Italien? Mamma, dachte Luigi. Wie wird sie mich vermissen. Sie wird  die  Carabinieri gerufen haben und sein Foto ist sicher schon in der Sendung ‘Wer hat sie gesehen?’. Er sah im Geiste, wie Taucher den Fluss absuchten und fing an zu zittern.

  “Ich muss zurück!”, rief er und sprang von der Karre.

  Der Mann hielt den Wagen an. “Das hat noch niemand geschafft. Steig ein.”

  Ein Pfeifen kam vom Himmel her, als ein metallenes Objekt auf sie zu schoss.  Ein Feuerstrahl fraß sich neben Luigi in den Boden. Das Fluggerät drehte ab.

  “Der Vollstrecker!”, rief der Mann. “Hocke dich unter den Reno, andernfalls tötet er dich.”

  “Der Reno?”

  “Der Vollstrecker!”

  “Und wer ist der Reno?”

  “Das Tier hier! Mach schon!”, schrie der Alte und deutete auf das Zugtier.

  Luigi hechtete zwischen dessen Beine und kauerte sich auf den Boden. Die Drohne pfiff über sie hinweg. Luigi kroch unter dem Tier hervor. Das Objekt verschwand hinter einem Gebäude am Fluss, das metallisch in der Sonne funkelte.

  Der Alte folgte seinem Blick.

  “Die Station”, meinte er. “Du brauchst einen Namen, musst dich registrieren lassen.”

  “Ich habe einen”, protestierte Luigi. “Ich heiße Luigi.”

  “Und ich Zehn. Luigi ist kein Name.” Zehn zog ein Halsband hervor. Luigi sah den metallenen Anhänger. Eine Zehn leuchtete rot. Unter dem Display befanden sich kleine Knöpfe in einem sechseckigen Feld.

  Schweigend fuhren sie dahin. Steinmauern zogen sich um grüne Felder. War es Gemüse? Es waren keine Pflanzen, die Luigi kannte. Kein Getreide. Luigi sah Mamma vor sich, wie sie den Nudelteig ausrollte. 

  Sie näherten sich der Häusergruppe. Flache Gebäude aus behauenem Granit. Nummern neben den Eingängen. 98 51. 26 33. Sie fuhren weiter und hielten vor dem letzten Haus. Luigi las 10 97. 

  Öllampen warfen ihre Schatten auf eine junge Frau, die in der Küche vor einem Herd stand.

  “Gib dem Mann zu essen!”, rief Zehn und polterte aus dem Raum. Die Frau kam mit einem Salatteller und einer Suppe. Sie setzte sich zu Luigi an den Tisch, sah an ihm vorbei und sagte: “Ma.” Nach einigen Sekunden sagte sie wieder “Ma”, und Luigi sah seine Mutter in ihrem geblümten Kleid vor sich, robust und wuchtig, mit Armen, von denen die Dörfler sagten, sie könne damit einen Ochsen zu Boden zwingen. Luigi sah, wie sie am Tisch saß, wenn Carlo, sein Bruder, ihr die Rente abnahm und Mamma erzählte, dass es nur zu ihrem Besten sei. “Ma” sagte dann auch sie. Immer wieder “Ma”.

  “Ist was passiert?” Wie hieß die Frau? Luigi konnte sich keine Nummern merken. Nach einer Pause sagte sie: “Sechsunddreißig ist tot. Er war mein Mann”.

  “Mein tiefstes Mitgefühl.” Luigi ließ eine Minute verstreichen. Dann setzte er zu einer weiteren Frage an: “Bauen Sie Getreide an? Kennen Sie Pizza, Polenta?”

Die Frau schüttelte den Kopf. “Oder Pasta Asciutta wie Tortellini, Ravioli, Fettucine, Lasagna, Tagliatelle, Spaghetti?” Die Frau verneinte auch dies. Luigi hörte ihr “Ma”, während er ungläubig in der Suppe stocherte. Er ließ den Löffel fallen. Dann kam es auch aus seinem Mund: “Ma”. Verzweiflung echote von einer Person zur anderen.

  Zehn kam ins Zimmer. Er hielt ein Halsband hoch und steckte es in seine Jackentasche.

  “Gehörte einem Verstorbenen. Fahren wir zur Registrierung, bevor es dunkel wird.” Er schaute zu seiner Frau hinüber und schüttelte den Kopf. Als sie in den Karren stiegen erklärte er: “Meine Frau kommt nicht über den Tod von Sechsunddreißig hinweg. Sie war mit ihm zusammen, bevor ich sie bekam.”

  “Bekam?”

  “Im Sommerfest vor ein paar Tagen. Sechsunddreißig hat es nicht verwunden und sich in den Fluss gestürzt. Heute war ich wieder dort, um ihn zu suchen. Irgendwann kommen sie alle hoch.” 

  Sie fuhren in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Zehn lenkte das Tier  zu dem metallenen Gebäude neben dem Fluss. Es stand schief am Ufer. Eine Seite war im Boden versunken. Wieder hörte Luigi das brummende Geräusch.

    “Was ist das?”

    “Die Station.” Sie traten ein. Aggregate surrten. Luigi presste eine Hand gegen die vibrierende Wand. Das Gebäude war größer als dieser Saal. Licht kam von der Decke. Bildschirme hingen an einer Wand. Einer war aktiv. 

   Zehn zog das Halsband aus der Jackentasche. Das Display des Anhängers zeigte nichts an. 

  “Die Sechsundreißig ist frei geworden, als er den Tod fand.” Der Registrierprozess war einfach. Zehn steckte den Anhänger in ein Loch unter dem Monitor, zog ihn heraus und hängte Luigi das Halsband um.

  “Und nun heißt du so.” Luigi betrachtete das Display, auf dem ihn die Sechsunddreißig anstarrte. Er ging zu den anderen Bildschirmen.

  “Was zeigen die?”

  “Das wissen wir nicht.” Zehn ging zum Ausgang. “Das Haus war bewohnt. Seltsame Wesen waren es. Sie zeigten unseren Urahnen, wie sie sich zu registrieren hatten, dann verschwanden sie.”

   Als Zehn und Luigi auf den Wagen zu gingen, drehte sich Luigi noch einmal um.

  “Wieso steckt das Gebäude so schief im Grund?”

  “Es war bereits hier, als die ersten von uns in dieses Land kamen. Das sagen unsere Aufzeichnungen.” Luigi ging zurück. Seine Hand strich über einen Vorsprung, der aus der Metallhülle ragte.

  “Ein Sternenschiff”, meinte er.

  “Vor Generationen wies die Haut Löcher auf, war von tiefen Rissen durchzogen. Jetzt sind sie nicht mehr zu sehen. Das Haus heilte sich selbst.”

  Warum fliegt es dann nicht fort?, dachte Luigi. Von alledem fühlte er sich überwältigt. Wieso war er nicht in seinem Dorf? Wer hatte ihn in diese Welt gebracht? Was war mit Mamma?

  Er hörte ein schabendes Geräusch. Ein Loch öffnete sich in der Hülle. Die Drohne flog heraus und verschwand am Horizont.

  “Der Vollstrecker, er lebt hier?” Zehn sah dem Objekt nach.

  “Es ist eine Maschine,” bemerkte Luigi.

   Der Alte stieg auf den Karren. “Er ist es, der uns tötet.”

 

  Während sie zum Dorf zurück fuhren, erklärte der Alte: “Kommen zu viele Kinder auf die Welt, fliegt der Vollstrecker herbei und tötet die Alten.”

  “Zu viele?”, fragte Luigi.

  “Unsere Zahl bleibt konstant”, antwortete Zehn. “Um die hundert Personen. Es können bis zu zwanzig mehr oder weniger sein. Doch mehr als hundertzwanzig werden vom Vollstrecker nicht toleriert. Sind es weniger als achtzig, werden Personen wie du aus der Heimat geholt.”

  “Dann hast du ja zur Zeit nichts zu befürchten”. Absurd, das Ganze, dachte Luigi und schüttelte den Kopf.

   “Die ersten Generationen von uns wussten nicht, worauf der Vollstrecker hinaus wollte”, fuhr der Alte fort. “Er vernichtete die Häuser, in denen alte Personen lebten. Mit der Zeit fanden meine Vorfahren heraus, dass Alte den Kindern zu weichen hatten, und sie stellten Pfähle auf dem Marktplatz auf, woran die Alten gebunden wurden. Damit blieben die  Häuser verschont.” Zehn blickte Luigi von der Seite an. “Dann fing unsere Generation an, die Geburten zu regulieren.”

  Im Dorf fuhr Zehn zu einem anderen Haus. “Bei uns kannst du nicht schlafen”, sagte er. “Meine Frau würde an ihren verstorbenen Mann denken, sähe sie deinen Namen.” Zehn deutete auf Luigis Anhänger. “Ich möchte, dass sie ihn vergisst.”

  Neben dem Eingang war eine Dreizehn an die Wand gemalt. In der geöffneten Tür stand eine Frau.

  “Sechsunddreißig wird bei dir wohnen”, sagte Zehn zu ihr. “Behandle ihn gut.”

  Luigi sprang vom Wagen und Zehn fuhr davon. Zögernd ging Luigi auf die Frau zu. Sie war hoch gewachsen und trug einen grauen Umhang. Die Füße steckten in Schnürsandalen. Ihre langen braunen Haare umrahmten ein schmales und ernstes Gesicht. Sie war jünger als Luigi, der die Dreißig schon seit fünf Jahren überschritten hatte. Die Müdigkeit ihres Ausdrucks ließ sie älter erscheinen. Sie machte ihm Platz und schenkte ihm ein gequältes Lächeln. Luigi folgte der Frau in ein kleines Zimmer, in dem Öllampen ihr schwaches Licht auf einen niedrigen Tisch warfen. Felle lagen auf dem Boden. 

  “Ich möchte dorthin zurück, wo ich her gekommen bin”, sagte Luigi, und blickte sie fragend an. Die Frau sah an ihm vorbei.

  Später, als sie stumm die Suppe in sich hinein löffelten, begann er mit sich und seinem Schicksal zu hadern. Als ihm Dreizehn im Bett den Rücken zukehrte und die Geschehnisse der vergangenen Stunden an ihm vorbei zogen, war Luigi, als sei er in einem Alptraum gefangen. Bilder quälten ihn. Von Mamma, seinem Bruder Carlo, die seines Dorfes und erst als es heller wurde, gelang es ihm, die Attacke seiner Erinnerungen abzuwehren. Später trugen ihm die Dorfältesten die Geschichte ihres Dorfes vor.

  “Vor vielen hundert Jahren hatte die Station die ersten von uns in dieses Land geholt. Sie war von Wesen bewohnt, die sich Noks nannten und unsere Sprache kannten. Diese Skizze haben wir aus den Aufzeichnungen kopiert.” Einer der Männer schob ein Bild über den Tisch. Luigi sah einen Humanoiden, der ein Halsband in der Hand hielt. Die anderen drei Hände streckten sich ihm wie zum Gruß entgegen.

  “Jedoch alles, was sie uns gaben, waren einhundertzwanzig Halsbänder mit Anhängern. Sie befahlen uns, sich registrieren zu lassen, zeigten es uns und verschwanden.”

  “Kennt ihr den Begriff Getreide? Oder die Wörter Weizen, Mais?”

  “Aus dem Beginn unserer Aufzeichnungen. Unsere Vorfahren meinten, sie brauchten sie für ihre Nahrungsmittel und unternahmen Versuche, hiesige Gräser zu kultivieren. Sie hatten keinen Erfolg.”

  Soviel zu Tortellini, dachte Luigi resigniert. Die Alten trugen ihm auf, im Steinbruch zu arbeiten.

 

  Die Italiens, so nannten sich die Dörfler, hatten die Siebentagewoche von der Erde übernommen. Das Jahr war länger, hatte dreiundsiebzig Wochen. Davon zog eine nach der anderen an Luigi vorbei, während er die Felsen bearbeitete. Granit, der sich, wie die Männer sagten, zur Zeit der Gletscherwanderungen von den Bergen gelöst hatte. Luigi gewöhnte sich an das neue Leben, wollte es nicht mehr missen. Die Rauheit der Berge, der Steppe. Hier musste jeder Hand anlegen, damit das Gemeinwesen funktionierte. Hier war er Jemand.

  Abends saßen die Männer im Wirtshaus um Luigi herum, tranken Schnaps, der aus den Blättern des Kohls, den sie Collardo nannten, gebrannt wurde und lauschten seinen Erzählungen. Sie wollten wissen: Wie ging es in der Welt zu, aus der ihre Ahnen stammten? Luigi erzählte von Mammas Nudelteig, wie sie ihn ausrollte, mit flinken Händen die Pasta zu Tortellini formte. Luigi brachte den Männern das Kartenspiel Briscola bei. Er hörte genug von ihnen, um Dreizehn zu verstehen. Luigi wusste, dass sie sich mit Webarbeiten ihren Lebensunterhalt verdiente, jetzt erfuhr er, wie die Frauen ihren Männern untersagten, ein Wort an sie zu richten, wie sie aus dem Laden stoben, wenn Dreizehn ihre Einkäufe tätigte und Luigi dachte an Mamma. Auch sie war abergläubisch, doch dies hier hätte sie nicht mitgemacht. Sie hätte den Frauen Bescheid gegeben, denn sie nahm kein Blatt vor den Mund wenn sie wütend wurde, und Luigi entschied, dass er Dreizehn mochte. An Feiertagen zeigte er sich mit ihr im Dorf. 

  “Ich bin Dreizehn, die Unglückszahl”. Sie sagte es nicht mehr so oft. Und wenn sie zu weinen anfing, setzte er sich mit ihr auf die Kissen vor dem flachen Tisch und wiegte sie in seinen Armen. Luigi spürte, dass auch er sich änderte. Früher, als Mamma geweint hatte, war er in die Bar gelaufen oder zum Angeln gefahren.

  “Ich bin nicht abergläubisch”, sagte Luigi nun und kreuzte die Finger hinter seinem Rücken.

  Wenn sie zusammen im Bett lagen, bedrängte Luigi sie. Doch Dreizehn wehrte sich.

  “Ich kann keine Kinder bekommen”, hatte sie einmal gesagt.

  “Um so besser,” hatte er geantwortet und Dreizehn mit Küssen bedeckt.

  “Nein, nicht wie du denkst. Sie wollen nicht, dass ich ein Kind bekomme und meinen, es brächte Unglück. Sie würden es nicht registrieren lassen, und dann wäre es nur eine Frage der Zeit. Der Vollstrecker würde es töten.” Doch es war  nur eine Frage der Zeit, dass Dreizehn Luigis Drängen nachgab.

  Nachts träumte Luigi davon, eine Mühle an einem Gebirgsbach zu bauen. Er sah, wie sich ein Wasserrad drehte und die Mühle Mehl machte, dann wachte er auf. Getreide. Er brauchte Getreide. Mamma, er wollte Mamma, und er dachte an das Tortellinifest. Jedes Jahr gab es in Buona Compra das Tortellinifest, das eine ganze Woche andauerte und zu dem hunderte von Menschen aus den benachbarten Dörfern kamen. Während dieser Zeit machten die Frauen des Dorfes Tortellini für die Gäste. Mit Kürbis, Sahne, Salami, Schinken.

    Der Herbst zog vorbei. Die braunen Sträucher und Disteln der Steppe wurden wächsern. Dreizehn wurde schwanger, und für Luigi begann eine schreckliche Zeit. Er musste ansehen, wie Dreizehn sich in ihr Innerstes zurück zog und sich ihm verweigerte.

  “Mein Kind”, weinte sie. “Sie werden es töten.” Doch meistens blieb sie stumm und tat, als sei Luigi nicht vorhanden, und sie ging nicht mehr aus dem Haus.

 

  Die Eidechsen verzogen sich in ihre Löcher als der Winter kam, und mit ihm das Winterfest. Wie das Sommerfest wurde es begangen, um für die vergangene Ernte zu danken und eine gute Ernte im neuen Jahr zu erbitten. Es gipfelte in dem Erntetanz. Luigi und Dreizehn wurden nicht eingeladen, und Luigi war froh darüber. Er wusste: Getanzt wurde in der Erntehalle. Paare stellten sich im Kreis auf. Männer auf der Innenseite, Frauen außen. Während die Musik spielte, tanzten die Paare ein paar Figuren. Die Männer rückten nach links, die Frauen nach rechts und tanzten die gleichen Figuren mit dem neuen Partner. Der Partnerwechsel setzte sich so lange fort, bis die Musik aufhörte. Die neuen Paare blieben für ein halbes Jahr zusammen. Kinder blieben bei der Frau. Die Wochen danach zerrten an den Nerven der Dörfler, und manch einer konnte sich nicht mit einem neuen Partner abfinden.

  “Machen alle mit?”, hatte Luigi gefragt. “Ja,” wurde ihm geantwortet. 

  “Bis auf Kinder, Kranke und diejenigen, die keinen Partner haben.”

  Zehn, der glückliche Bastard, dachte Luigi. Das letzte Mal hat er es gut getroffen.

 “Wie froh bin ich, dass man uns die Teilnahme verboten hat”, sagte er zu Dreizehn. “Ich möchte dich nicht verlieren”. Und er nahm sich vor, zu dem Sternenschiff zu fahren, welches die Dörfler Station nannten. Das Winterfest war der geeignete Zeitpunkt. Luigi zog den Reno aus dem Stall, spannte ihn vor den Karren. Als er los fuhr, kam Dreizehn schreiend aus dem Haus gerannt und lief hinter dem Karren her.

   Sie fuhren zur Station. Es schneite. Ein kalter Wind zauste Sträucher und Disteln. Wachsbleiche Wellen wogten über die Steppe. Luigi zog sich die Kapuze über den Kopf.

  Das Brummen der Station schien intensiver. Die Position des Schiffes hatte sich verändert. Es arbeitet sich aus dem Grund, dachte Luigi. Im Saal waren vier weitere Bildschirme aktiv. Der Boden vibrierte unter seinen Füßen, dann spürte er eine Erschütterung.

  “Es ist anders als sonst”, rief Luigi Dreizehn zu, als er die Reihe der Bildschirme entlang ging. Die Station erwachte. So schien es ihm, und er fühlte, dass nicht mehr viel Zeit blieb. Für was? Ein Display zeigte eine Halle. Mannshohe Zylinder standen nebeneinander an den Wänden, Behälter aus einem plastikähnlichen Material. Die meisten waren geöffnet und leer. Andere waren verschlossen. Hinter der Hülle sah Luigi Schatten, Rumpf, Beine, vier Arme. Bewegungslos.

  Ein anderes Display zeigte das Ufer des Flusses. Unter dem Bildschirm befanden sich Tasten in einem sechseckigen Feld. Wie auf Luigis Anhänger. Vier Tasten leuchteten. Luigi zog eine Spange aus Dreizehns Haar. Es fiel ihr über die Schultern. Wie schön sie ist, dachte Luigi und versank in ihren  Augen. Die Zeit hatte keine Bedeutung mehr. Sie trug sein Kind. Ein kleines Lächeln umspielte ihren Mund. Tränen liefen ihre Wangen hinab. Luigi blieb wie verzaubert, bis der Boden unter seinen Füßen bebte. Er zog das Halsband über den Kopf, ergriff den Anhänger und drückte mit der Haarspange die winzigen Tasten, wie sie auf der Konsole leuchteten.  

  Dreizehn wollte etwas sagen, brach mitten im Wort ab, stand mit großen Augen vor dem Monitor. Er zeigte Luigis Angelfluss. Luigi nahm Dreizehn an die Hand und zog sie zum Ausgang. Sie sprangen auf den Wagen und fuhren weiter auf das Ufer zu. Eine glasige,  undurchsichtige Barriere stellte sich ihnen in den Weg. Luigi sah, dass sie sich bis in den Himmel ausdehnte.

  “Was jetzt?” Luigi blickte Dreizehn fragend an. Sie zog eine weitere Spange aus ihrem Haar, sah Luigi an und dann ihren Anhänger. Als sie mit der Spange die Tasten bearbeitete, löste sich die Barriere auf. Ihnen zeigte sich der vertraute Fluss mit den Inseln aus rotblättrigen Bäumen. Sie fuhren über die Brücke ans andere Ufer.

  “Die Tasten!”, rief Luigi und Dreizehn wiederholte die Prozedur. Nebel zog über sie hinweg, und als Luigi sah, dass er sich an seinem Angelfluss befand, schaute er nach seinem Auto. Es war fort.

  Die Leute von Buona Compra rieben sich die Augen, als Luigi mit Dreizehn durch den Ort fuhr. Der Reno mit sechs Beinen, seinem gepanzerten Hinterteil, dem Winterfell. Sie rieben sich die Augen, die Leute von Buona Compra, und bevor jemand die Carabinieri hätte rufen können, hatte Luigi den Wagen hinter dem Haus von Mamma abgestellt.

  “Mamma! Mamma!”, rief er und öffnete die Tür. Mamma rang nach Luft, als sie ihn sah und fing an zu weinen.

  “Mamma, das ist Dreizehn. Wir sind gekommen, dich zu uns zu holen. Oder, Dreizehn, willst du hierbleiben?”

   Luigi dachte an die Einwanderungsbehörde. Wie heissen Sie? Dreizehn. Dreizehn? Woher haben Sie gesagt, kommen Sie? Aus Neu-Italien? Und dann dachte er an Carlo.

  “Lieber nicht”, beantwortete Luigi seine Frage. “Dreizehn, unterhalte dich mit Mamma. Ich muss noch mal los, Saatgut besorgen. Und Dreizehn”,

Luigi strahlte, “wir werden Getreidefelder anlegen, Mehl herstellen. Mamma wird Tortellini machen. Esskultur! Wir bringen Esskultur nach Neu-Italien!”

  Luigis Auto stand allein in der Garage. Carlo sitzt in der Bar und verprasst Mamas Rente beim Videopoker, dachte Luigi. Diesmal war er froh darüber.

  Der Saatguthändler wuchtete zwei Säcke mit Weizen und Mais in seinen Wagen. Luigi nahm noch ein paar Tüten Tomatensamen mit. “Bezahlt Carlo”, sagte er. Zu Hause sah er Mamma händeringend vor dem Reno, der mit dem Karren in ihrem Gemüsegarten stand und einen Salatkopf nach dem anderen fraß. Luigi lud die Säcke auf den Karren.

  “Mamma, steig auf. Die Zeit wird knapp.”

  “Und Carlo?”

  “Den holen wir später.”

   Luigi und Dreizehn fuhren so schnell es nur ging durch den Ort auf den Fluss zu. Mit offenem Mund sahen ihnen die Leute nach, beobachteten, wie Mamma sich an den Säcken fest hielt. Kinder folgten johlend und schreiend auf ihren Rädern.

   Am Fluss drehte sich der Reno zu den Kindern um. Seine roten Augen hielten sie auf Abstand. Dreizehn nahm ihre Spange und drückte die Knöpfe. Als sich der Nebel verzogen hatte, fiel Mamma in Ohnmacht. Neu-Italien. Luigi blickte auf seinen Anhänger.

  “Dreizehn. Unsere Namen sind weg!”

  “Wir müssen uns registrieren lassen! Und ich bekomme einen neuen Namen und kann mein Kind behalten!”, rief sie lachend und küsste ihn. Und ich habe sie nur noch bis zum Sommerfest dachte Luigi. Und was würde aus ihrem Kind? Ihm wurde übel.

  “Sieh dort!”, rief Dreizehn und zeigte in die Richtung des Dorfes. Luigi sah schwarze Punkte am Horizont. Wie Kakerlaken, die aus einer Dose krabbelten. Doch kamen sie schnell näher. Gespanne aus dem Dorf. Dörfler auf dem Weg zur Station.

   Luigi brachte den Wagen über die Brücke und hielt an. Es war, als sei das ganze Dorf unterwegs. Die Drohne in der Luft umkreiste die Gespanne wie ein Hirtenhund. Zehn jagte mit seiner neuen Frau an Luigi vorbei. Der fuhr mit seinem Wagen hinterher.

  “Wo bist du gewesen?”, rief Zehn.

  “Was ist los?”, brüllte Luigi zurück.

  “Wir haben keine Namen mehr!” Zehn zeigte auf seinen Anhänger, dann nach oben. “Müssen uns alle registrieren lassen!”. Lautes Brummen vermischte sich mit dem Rattern der Wagen. Das Sternenschiff schwebte einige Zentimeter über dem Boden. Dann fing es an zu pfeifen. Schreiend sprangen die  Dörfler ab und drängten sich durch den Eingang. Mütter trugen Kinder, Alte schleppten sich in das Schiff. Die Drohne schob sich in die Wand.

  “Bleib hier!” brüllte Luigi, doch es war zu spät. Entsetzt sah er, wie Dreizehn mit den anderen im Raumschiff verschwand.

  “Dreizehn, komm zurück!” heulte er und kletterte vom Wagen. Was interessierte es ihn, ob sie eine neue Nummer bekam. Er wollte sie, er wollte sein Kind. Dann drehte er sich um. Mamma richtete sich stöhnend auf. Die Triebwerke des Sternenschiffes sprangen an. Luigi lief auf das Raumschiff zu, kehrte um, sah auf Mamma und weinte, sah wie sich die Luke schloss, das Sternenschiff in die Lüfte stieg und im Blau des Himmels verschwand.