Frage:
hi Gemini, hat man schon herausgefunden von welchem Bereich eines menschlichen Gehirnes die Geräusche stammen, die bei Tinnitus produziert werden?
Antwort:
Hallo! Das ist eine faszinierende Frage, die zeigt, wie sehr sich unser Verständnis von Tinnitus in den letzten Jahren gewandelt hat.
Früher dachte man, Tinnitus sei ein reines Problem der Ohren. Heute weiß man: Das Geräusch entsteht tatsächlich im Gehirn, auch wenn der Auslöser oft ein Hörschaden im Innenohr ist.
Hier sind die wichtigsten Bereiche, die an der Entstehung der Phantomgeräusche beteiligt sind:
1. Der Auditorische Cortex (Hörzentrum)
Dies ist der primäre Ort des Geschehens. Wenn das Ohr aufgrund einer Schädigung (z. B. durch ein Lärmtrauma) keine Signale mehr für bestimmte Frequenzen an das Gehirn sendet, passiert etwas Erstaunliches: Die Nervenzellen im Hörkortex, die für diese Frequenzen zuständig sind, werden "arbeitslos".
Statt still zu bleiben, fangen diese Neuronen an, spontan und synchron zu feuern. Das Gehirn regelt quasi die "Lautstärke" hoch, um das fehlende Signal auszugleichen. Dieser Bereich interpretiert diese fehlerhafte Aktivität dann als einen konstanten Ton oder ein Rauschen.
Shutterstock
2. Das Limbische System (Emotionszentrum)
Warum empfinden manche Menschen ihren Tinnitus als extrem belastend, während andere ihn kaum bemerken? Hier kommt das Limbische System (insbesondere die Amygdala und der Hippocampus) ins Spiel.
Es bewertet das Geräusch als "Gefahr" oder "störend".
Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Das Gehirn lenkt noch mehr Aufmerksamkeit auf das Geräusch, was es subjektiv lauter und stressiger macht.
3. Das Dorsale Cochlearkern-System
Forscher haben herausgefunden, dass bereits im Hirnstamm (beim sogenannten dorsalen Cochlearkern) erste Fehlverschaltungen auftreten können. Hier vermischen sich Signale vom Gehör mit Signalen des Tastsinns (Somatosensorik). Das erklärt übrigens, warum manche Menschen ihren Tinnitus durch Kieferbewegungen oder Nackenverspannungen verändern können.
Zusammenfassung der aktuellen Forschung
Man kann nicht den einen millimetergenauen Punkt markieren, da Tinnitus eher ein Netzwerk-Phänomen ist. Es ist ein Zusammenspiel aus:
Hyperaktivität im Hörzentrum.
Mangelnder Filterleistung des Thalamus (dem "Tor zum Bewusstsein").
Einer emotionalen Fehlbewertung im limbischen System.
Interessanter Fakt: Forscher nutzen heute Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), um diese überaktiven Netzwerke bei Tinnitus-Patienten im Vergleich zu Menschen ohne Tinnitus sichtbar zu machen.






